Es war ein rundum gelungener erster Renntag auf dem Maienfelder Rossriet. 9400 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten für eine hervorragende Stimmung und erlebten spannende Rennen. Darunter das Hauptereignis mit einem Ausgang, wie man ihn nur ganz selten erlebt.
Auch an den Wettkassen ging das Publikum begeistert mit. 102’424 Franken wurden umgesetzt – der dritthöchste Wert aller Renntage in der Deutschschweiz in dieser Saison und zugleich der höchste Umsatz an einem ersten Maienfelder Renntag seit 2014. Am nächsten Sonntag findet der zweite Wettkampftag statt.
Nach mehr als fünf Minuten kein Unterschied
Ausgerechnet das Hauptereignis über 3850 Meter mit 21 Hindernissen sorgte für den dramatischsten Moment des Tages. Im Grossen Preis der Stadt Maienfeld bestimmte Karma de Reve mit Dylan Ubeda lange das Geschehen. Nach dem letzten Hindernis kam Les Feuxgrets mit Carina Schneider immer stärker auf. Kopf an Kopf stürmten die beiden dem Ziel entgegen – beim Pfosten wusste niemand, wer gewonnen hatte. Die Auswertung des Zielfotos dauerte mehrere Minuten. Auch mit Vergrösserungen und allen technischen Mitteln war kein Unterschied mit Sicherheit festzustellen. Die Rennleitung entschied deshalb auf «totes Rennen»: Les Feuxgrets und Karma de Reve wurden gemeinsam zu Siegern erklärt. Das Publikum reagierte mit begeistertem Applaus.
Carina Schneider war ursprünglich gar nicht als Reiterin von Les Feuxgrets vorgesehen. Antoine Masson, der den Wallach hätte reiten sollen, war in den Rennen zuvor zweimal unsanft aus dem Sattel gekommen und konnte den Ritt verletzungsbedingt nicht mehr übernehmen. Damit kam die 37-jährige Zürcher Oberländerin unverhofft zu ihrer Chance – mit einem praktischen Problem: Les Feuxgrets hatte 71 kg zu tragen, Schneider selbst wiegt nur rund 54 bis 55 Kilogramm. «Es hatte gar nicht genug Blei bei der Waage», lachte sie später. «So habe ich zusätzlich zwei schwere Bleischabracken verwendet, den schweren Sattel hatte ich nicht dabei.» Auch als Trainerin durfte Schneider jubeln: Colo und La Grande Malice belegten in den beiden anderen Hindernisrennen die Plätze zwei beziehungsweise drei.
Auch der 29-jährige Franzose Ubeda war bei allen drei Hindernis-Siegerehrungen vertreten. Er gewann mit Lieutenant Player und Rainbow Dance, ehe er sich mit Karma de Reve den Sieg im Grossen Preis teilte. Einen besonderen Renntag erlebte auch Bettina Lampert, Co-Präsidentin des Rennvereins Maienfeld/Bad Ragaz und Mitbesitzerin im Stall Rossriet aus Jenins. Coral Boy gewann das erste Flachrennen, Singledon und Ispahan sorgten auf den Ehrenplätzen für einen kompletten Bündner Erfolg. Später folgte mit Les Feuxgrets der geteilte Triumph.
Dramatisches Fotofinish: Zwei Sieger im Hauptrennen