Drohungen – Respekt – Haltung lernen | W&O

Grabs vor 16 Stunden

Drohungen – Respekt – Haltung lernen

Hubert Hürlimann wehrt sich gegen die Verrohung der Sprache und des Miteinanders.

Von Hubert Hürlimann
aktualisiert vor 16 Stunden
Abo Aktion schliessen
News aus der Region?

Alle Geschichten, alle Bilder

... für nur 9 Franken im Monat oder 96 Franken im Jahr.

Wenn es SRF nicht mehr gibt, fällt die Schweiz auseinander, meint Wille (W&O) und erzeugt damit ein Mass an Angst. Amerika droht mit Zöllen, Russland, die Ukraine droht. Die EU droht der Schweiz mit Ausschluss von Forschung etc., ohne Ja zum Anbindungsvertrag (nicht bilateral!). Wollen wir ein Leben mit Drohungen? Wollen wir den Glauben, dass nur wir wissen (eigentlich nur ich selbst, oder?), was richtig ist und wahr ist.

Das ist mit Verlaub Ideologie, Machtgehabe. Auf die Tücke, die Häme folgt, Hetze, Hatz und schliesslich Mord. Wir spüren diese Gewaltstufen in unserer Sprache nicht mehr. Im Wörterbuch des Teufels (Sanssouci, 1964) steht: «Verantwortung, eine abnehmbare Last, die sich leicht auf die Schulter Gottes, das Schicksal, das Glück oder des Nächsten schieben lässt.»

Was für eine Aussage. Schuld (in Verantwortung sein) trägt immer der andere und ist es nicht der Teufel, so ist es Putin, Trump … Darf man heute noch von Eigenverantwortung reden? Ist das verpönt in einer Welt, die nach Halt ruft, weil Drohungen mit dem Klimawandel, Auseinanderfallen der Schweiz, Zölle, Krieg, Angst macht?

Wenn der kanadische Premier, M. Carney, von Respekt spricht (W&O 21.1.26), tönt das wie eine Erlöserformel. Doch Respekt ist ein altes Wort und meint Rücksicht, Achtsamkeit. Drohungen, Zuschreibungen wie Trottel, der Präsident ist dumm oder «keinen Respekt für den Rüpel von Davos» (Zitat W&O 24.01.26, S. Bühler) sind alles andere, nur nicht Respekt vor dem Menschen, der anders denkt und handelt.

Ich kann sagen, dass ich anderer Meinung bin, tolerant bin oder null Toleranz und null Verständnis für obige Aussagen habe. Respekt gegenüber Menschen abzuschwören führt zur Tücke, zu Hass und Mord. Sprache ist Ausdruck unserer Kultur und daraus folgt eine Haltung gegenüber dem Anderen, dem Fremden, der anderen Meinung. Wenn wir Erwachsenen in der Sprache nicht Vorbilder sind, sollten wir uns nicht wundern, wenn Hass, Mord unsere Gesellschaft prägt.

Dem andern Menschen begegnen heisst, seine, die andere Wahrheit verstehen lernen. Es braucht kein Einverständnis, das ist Toleranz. Drohungen, Angst führen dazu, dass wir wieder glauben, aufrüsten zu müssen, dass wir uns der EU, der Nato, dem Schweizer Fernsehen verpflichtet fühlen müssen. Die Suche nach Halt findet sich nicht in der Ansammlung von neuen Gesetzen, Regeln, Bürokratie und Kontrolle und alleinseligmachendem SRF.

In unserer Kultur hilft der Glaube, dass wir gehalten werden, respektvolle Persönlichkeiten sind mit Talenten für neue Ideen und gewaltlose Lösungen; in Beziehung sind, mit andersdenkenden Menschen, mit Gott. Und dass wir Verantwortung für uns, den andern und gegenüber der Schöpfung (Umwelt) tragen.

Es braucht mehr konsensdemokratische Schweiz in Europa, da bin ich mit A. Berset einverstanden. Jedoch nie mehr EU-Regel-Bürokratie für die Schweiz, das sehe ich per se anders. Mit Ihrer Aussage (W&O 24.1.26), Herr Bühler, bin ich nicht einverstanden, aber Ihnen gegenüber zolle ich Respekt.

Hubert Hürlimann,
Werdenstrasse 34, 9472 Grabs