«Die Geschichte begann am 13. März 2024. Es war der Tag, als ich mich zum ersten Mal mit Abbas, einem 27-jährigen Afghanen, auf dem Sozialamt der Gemeinde traf.» So beginnt das Vorwort des neuen Buches «Mein Haus soll deine Heimat sein» von Peter Sutter. Das Buch, das als Tagebuch verfasst ist, erzählt davon, wie Peter Sutter zuerst Deutschlehrer von Abbas war, bis die Familie schliesslich bei ihm einzog und sich daraus eine Freundschaft entwickelte.
Lesung zwischen harter Realität und Familienalltag
An der Lesung vom vergangenen Samstag fanden sich zahlreiche Interessierte ein. Peter Sutter wählte einige Textpassagen aus, darunter auch fröhliche Geschichten aus dem Familienalltag, die die anwesenden Besucherinnen und Besucher zum Lachen brachten. Bis die Erzählung dann auf Nazanin zu sprechen kam, die Schwägerin von Abbas. Ihre Flucht führte durch den Iran, die Türkei und Griechenland, stets begleitet von Angst vor Gewalt, Abschiebung und ihrem gewalttätigen Ex-Mann, vor dem sie sich retten wollte. Die Stimmung im Saal wurde ruhig, die Schilderungen berührten die Anwesenden sichtlich.
Besonders berührend: Abbas und Nazanin, die beiden Hauptfiguren aus dem Buch, waren an der Lesung persönlich anwesend. Das machte die Erzählungen noch greifbarer und verlieh der Buchpräsentation eine besondere Nähe. Was im Buch eindrücklich geschildert wird, bekam dadurch ein Gesicht und eine direkte Präsenz im Raum.
Mehr als nur eine Fluchtgeschichte
Auch im anschliessenden Gespräch kam die Asylpolitik zur Sprache. Peter Sutter machte deutlich, dass hinter jeder politischen Entscheidung über Aufnahme oder Rückweisung immer auch ein Einzelschicksal steht. Gerade an Nazanins Geschichte zeige sich, wie hart die Realität für viele Geflüchtete sei: Nach der Ablehnung ihres Asylgesuchs in der Schweiz musste sie in ein Land zurückkehren, in dem sie weder eine sichere Perspektive noch ein soziales Umfeld hatte.
Die Diskussion machte deutlich, dass das Buch weit über eine persönliche Familiengeschichte hinausgeht. Es ist auch ein Statement über Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortung. Gleichzeitig stellt es die Frage, wie eine Gesellschaft mit Menschen umgehen will, die ihre Heimat verlassen mussten und dennoch auf ein Leben in Sicherheit hoffen.
Mit seinem Buch gelingt Peter Sutter ein eindrückliches Porträt einer Familie, deren Alltag von Verlust und Unsicherheit geprägt ist und die dennoch ihre Würde bewahrt. Und dass das Thema Flüchtlinge nicht nur eine politische Debatte ist, sondern vor allem auch immer eine menschliche Geschichte.
Über den Autor
Peter Sutter, Jahrgang 1950, war während Jahrzehnten Oberstufenlehrer in Buchs. Er engagiert sich seit vielen Jahren gesellschaftspolitisch und kulturell, unter anderem als Mitgründer des Kleintheaters fabriggli in Buchs. Zudem war er mehrere Jahre Mitglied des Buchser Gemeinderats.
Ein Buch über Heimat und Flucht