Eklat bei den Sozialen Diensten Werdenberg: Wie das System versagte und was künftig verbessert werden soll | W&O

24.10.2021

Eklat bei den Sozialen Diensten Werdenberg: Wie das System versagte und was künftig verbessert werden soll

Ein umfangreicher Bericht der Vitalba GmbH über die aufsehenerregenden Vorgänge bei den SDW, unter anderem zwei missbräuchliche Kündigungen, liegt vor.

Von Heini Schwendener
aktualisiert am 28.02.2023
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Seit langem stecken die Sozialen Diensten Werdenberg (SDW) in der Krise: Sie manifestierte sich durch die riesige Personalfluktuation bei der Berufsbeistandschaft und schliesslich beim Eklat um missbräuchliche Kündigungen zweier langjähriger verdienter Mitarbeitenden, wobei im Fall des KOJ-Leiters Markus Büchel in der Öffentlichkeit eine Solidaritätswelle für ihn ausgelöst wurde.

Inzwischen hat die für die SDW zuständige GPK der Gemeinde Sennwald die Vitalba GmbH aus Lenzburg mit einer Studie beauftragt, um die Vorfälle bei den SDW aufzuarbeiten. Zusammenfassend hat die nun vorliegende Studie festgestellt, dass sich das systemische Versagen der SDW über mehrere Jahre abgezeichnet habe, bevor es Ende 2020 zur Eskalation mit der ersten missbräuchlichen Kündigung gekommen sei.

Die Verantwortung dafür einzelnen Protagonistinnen oder Protagonisten zuzuschanzen, wäre darum nicht korrekt. Im Bericht wird vorgeschlagen, die Organisationsstruktur der SDW, deren Reputation beträchtlich gelitten habe, zu professionalisieren. Zentral sei die Schaffung klarerer Kompetenz-, Verantwortungs- und Aufgabenzuteilungen.

28000 Franken kostete der externe Bericht

Der Bericht ist sehr umfangreich, wie Hansjakob Bohl, Präsident der GPK, auf Anfrage des W&O sagte. Der Budgetrahmen von 28000 Franken habe eingehalten werden können. Der Bericht habe nicht nur die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet, sondern enthalte auch Elemente einer Organisations- und Unternehmensberatung, sagte Bohl. Der Bericht liegt dem W&O nicht vor, nur eine Medienmitteilung der GPK, die ihn kurz zusammenfasst.

Die externe Analyse der Vitalba-Fachleute kommt zum Schluss, dass ein «Systemversagen in einer schwierigen Übergangssituation» zu den Ereignissen bei den SDW geführt habe. Dieses systemische Versagen hat sich offenbar über mehrere Jahre hinweg abgezeichnet, was aber nicht erkannt wurde beziehungsweise keine gegensteuernden Massnahmen ausgelöst hat. Eskaliert sind die Ereignisse mit zwei missbräuchlichen Kündigungen. Im Bericht heisst es:

Die Verantwortung einzelnen Protagonistinnen und Protagonisten zuzuschanzen wäre nicht korrekt.»

Struktur, die einer Krisensituation nicht stand hielt

Der Bericht dokumentiert das Zustandekommen einer Krise in der Abteilung Berufsbeistandschaft, die in ihrer Bedeutung zu spät erkannt wurde. Die Situation wurde durch die unzureichende Einführung der neuen Führungskraft sowie den Rochaden bei Vorstandsmitgliedern und Präsidium verstärkt. «Unsere Analyse zeigt primär eine Organisation, die sich aufgrund ungenügender Strukturen, Prozessanweisungen und Standards für den Umgang mit bestimmten Arbeitssituationen in einer aktuellen Krisensituation ungenügend für Lösungen gewappnet sah», heisst es.

Diese ungenügenden Strukturen in Kombination mit Fehleinschätzungen hätten auch zu Fehlern bei den Kündigungen verdienter und langjähriger Mitarbeitenden geführt.

Ungenügend geplant und kommuniziert

Zwar seien ein Wechsel der Führungskultur und Anpassungen in der Organisation der SDW gewünscht gewesen, aber als Ganzes ungenügend geplant und kommuniziert worden. Die Abteilungsleitungen waren zu wenig involviert, sodass gar kein geordneter Reorganisationsprozesses erkennbar war.

Organisations- und Führungsstruktur überdenken

Aus Sicht der Projektverfasser muss die Organisations- und Führungsstruktur überdenkt, angepasst und mit entsprechenden Führungshilfsmitteln ausgestattet werden. Im Bericht heisst es:

Wir betrachten unsere Empfehlungen als Aufforderung, die gesamte Organisationsstruktur zu professionalisieren.»

Der Bericht zeige auf, dass die Auswirkungen auf die Organisation und ihre Reputation beträchtlich waren und sind, heisst es in der Medienmitteilung der GPK. Durch die stufenweise Eskalation habe es viele «Verlierer» gegeben. Damit es künftig bei den SDW nicht mehr zu solchen Situationen kommen kann, hat das Expertenteam der Vitalba GmbH verschiedene Empfehlungen zur Verbesserung der Organisationsstruktur gemacht.

Im Vordergrund stehen die Schaffung klarer Kompetenz-, Verantwortungs- und Aufgabenzuteilungen. «Es muss eine klare und transparente Organisationsstruktur aufgebaut, respektive die bestehende Struktur umfassend angepasst werden», heisst es im Management Summary.

Grundlage für Verbesserungen

Zudem wird die Wichtigkeit der Einführung eines umfassenden Qualitätsmanagements betont. Die unabhängige Analyse könne dem SDW-Vorstand als Grundlage dienen, um Verbesserungen der Strukturen vorzunehmen. Mit der Übergabe des Schlussberichts ist für die GPK die Aufarbeitung der letzten Jahre abgeschlossen.