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Sevelen vor 3 Stunden

Fair vergleichen, statt schönfärben

Hugo Räber vom Verein «Windkraft ja, mit Anstands-Abstand» entgegnet Leserbrief-Autor Bruno Gasser, dass die Windkraftanlagen Österreichs nicht mit den im Rheintal angedachten Projekten vergleichbar seien.

Von Hugo Räber
aktualisiert vor 3 Stunden
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Leserbrief «Replik zum ‹Anstandsabstand›», Ausgabe vom 31. Januar

Im Leserbrief von Bruno Gasser wird Österreich als Vorbild für die Windkraft angeführt – mit dem Hinweis, die Topografie sei «sehr ähnlich». Genau das trifft nicht zu. Über 88 % aller österreichischen Windräder stehen in Niederösterreich und im Burgenland, also im Wiener Becken bzw. der pannonischen Tiefebene. Dort gibt es viel Platz und konstanten Wind. Mit dem engen, dicht besiedelten Rheintal hat diese Landschaft nichts gemein.

In den tatsächlich mit unserer Region vergleichbaren Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Salzburg steht bis heute kein einziges Windrad – ebenso wenig im alpin geprägten Südtirol. Das ist kein politischer Entscheid, sondern eine Folge der physikalischen Realität: In alpinen Tälern fehlt es oft an Wind und geeigneten Standorten.

Auch die Leistungsdaten sprechen eine klare Sprache. In Ostösterreich erreichen Windkraftanlagen Kapazitätsfaktoren von 25 – 35 %. Für Sevelen hingegen wurde anhand der präsentierten Daten an der Infoveranstaltung ein Wert von lediglich 14,6 % prognostiziert – weniger als die Hälfte.

Hinzu kommt ein Aspekt, der im Leserbrief unerwähnt bleibt: In Niederösterreich gelten Mindestabstände zu Wohngebäuden von 2000 Metern, reduzierbar auf 1200 Meter. Mit der hohen Siedlungsdichte im Rheintal wären solche Abstände schlicht nicht einhaltbar.

Fazit: Wer Österreich als Vorbild nennt, muss die realen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Das Rheintal ist windschwach, eng und dicht besiedelt; seine alpine Topografie steht im starken Kontrast zu den offenen Ebenen Ostösterreichs. Während das Wiener Becken eine weitläufige Tiefebene mit 50 bis 150 Einwohnern pro Quadratkilometer ist, zählt das Schweizer Rheintal 300 bis 1000 Einwohner pro Quadratkilometer. Unter den niederösterreichischen Mindestabstandsregeln wäre hier bei uns kein einziger Standort zulässig – und wirtschaftlich wäre das Projekt ohne Subventionen nicht tragfähig. Der Vergleich mit Österreich hält einer sachlichen Prüfung nicht stand.

Auf die Frage «Sind die Österreicher etwa einfach pragmatischer?», lautet die Antwort: Nein – sie verfügen schlicht über bessere Voraussetzungen in Bezug auf Wind, Topografie und Siedlungsstruktur. Oder anders gesagt: Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht, weil die Rahmenbedingungen es zulassen.

Verein «Windkraft ja, mit Anstands-Abstand»,
Hugo Räber, Grüelstrasse 22, 9475 Sevelen