Die Rückkehr des Fischotters in die Schweiz und seine Ausbreitung im Kanton St.Gallen schreiten schneller voran als erwartet. Das schreibt das St.Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) in einem Communiqué. Im vergangenen Oktober war noch keine erfolgreiche Fortpflanzung dieser bedrohten Art im Kanton St.Gallen offiziell bekannt. Aufgrund der damaligen Medienmitteilung wurden dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei Videos von Fotofallen aus dem Jahr 2024 zugeschickt, in denen junge Fischotter in Sevelen zu sehen sind. Dies ist der erste Nachweis einer Reproduktion im Kanton St.Gallen.
Aufgrund verletzter Fische am Linthkanal mit mutmasslichen Bissverletzungen durch Fischotter hat sich ein Team von Spezialisten auf die Suche gemacht. Ein speziell ausgebildeter Artenspürhund fand im Dezember 2025 in kürzester Zeit mehrere Fischotterlosungen (Kot) am Ufer der Linth bei Benken und Umgebung. Sie konnten genetisch eindeutig dem Fischotter zugewiesen werden. Es handle sich im Kanton St.Gallen um die ersten Nachweise des Fischotters im Linthgebiet und westlich des Rheintals, heisst es in der Mitteilung.
Winter eignet sich für den Nachweis
Noch unklar ist, ob der Fischotter auch die Thur bereits besiedelt hat. Da es Indizien dafür gibt, sucht das Amt diesen Winter nach Fischotterspuren an der Thur. Der Winter sei die beste Zeit, diese sehr versteckt und unauffällig lebende Art nachzuweisen. Das Amt bittet die Öffentlichkeit darum, Fischotternachweise zu melden.
Der Fischotter wurde vor rund 50 Jahren ausgerottet. Der erste Fischotternachweis seither gelang 2021 im St.Galler Rheintal. Die neuen Nachweise an der Linth zeigten, dass der Kanton St.Gallen schweizweit offenbar eine besondere Rolle in der Rückkehr des Fischotters einnimmt, heisst es in der Mitteilung weiter.
Die Rückkehr des Fischotters bringe aber auch Herausforderungen mit sich. An der Linth befindet sich eines der letzten und stark geschrumpften Äschen-Laichgebiete von nationaler Bedeutung. Seit einigen Jahren versucht man, dieser stark bedrohten Fischart durch Lebensraumaufwertungen, stark eingeschränkte Fischerei und ein Kormoran-Management zu helfen. Wie sich die Rückkehr des Fischotters auf diesen Äschenbestand auswirken werde, sei dem Amt nicht bekannt. Grundsätzlich können negative Einflüsse von natürlichen Fischräubern wie Fischotter und Kormoran auf die Fische reduziert werden, wenn die Gewässer naturnah und strukturreich sind und den Fischen genügend Unterschlupfmöglichkeiten bieten.
Fischotter: Die Rückkehr der einst ausgestorbenen Art schreitet zügig voran