Am Montag sollten allein am Vormittag 20 Flugzeuge am Airport St.Gallen-Altenrhein landen, doch der Nebel hat den Vorhaben mehrheitlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Etwa der ersten Maschine, die am frühen Morgen von Indien kommend landen will. Der Pilot fliegt eine halbe Stunde lang Runden zwischen Konstanz und Romanshorn, in der Hoffnung auf eine Wetterbesserung, muss dann aber doch abdrehen.
Gleich ergeht es einer Bombardier Global 5000, ein leistungsstarker Langstrecken-Privatjet, der aus den USA an den Bodensee fliegt. Der Pilot dreht sechs Warteschleifen (Holding), versucht dann zu landen, startet aber durch. Nach einer weiteren Runde fliegt er nach Friedrichshafen und landet dort.
Schmerzhafte und ärgerliche Situation
Nur wenn sich ein Wetterfenster auftut und eine sichere Landung gewährleistet ist, setzen doch noch Maschinen in Altenrhein auf. Am Montagvormittag sind dies gerade einmal vier Jets. Nach dem Mittag klart es etwas auf, dennoch entscheidet sich die Mehrheit der Piloten gegen eine Landung in Altenrhein. People’s-Geschäftsführer Thomas Krutzler ist hin- und hergerissen:
Einerseits kann man das Wetter nicht ändern und man muss es nehmen, wie es ist, andererseits ist es sehr ärgerlich, wenn sich Nebel ausgerechnet in der WEF-Woche festsetzt. Aus kaufmännischer Sicht ist es auf jeden Fall ein Desaster.
Dass einige der Jets lange kreisen und auf eine Landemöglichkeit in Altenrhein warten, zeige laut Krutzler, dass der Airport in Altenrhein von den Business-Passagieren sehr geschätzt werde. Er vermutet aber auch, so wie im Fall der Maschine aus Indien, dass oft lange gekreist wird, um die Bodenlogistik am Ausweichairport organisieren zu können.
Leid täten ihm die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die der WEF-Woche jeweils entgegenfiebern würden. Es geht dann jeweils auch hoch zu und her am People’s-Airport, wenn sich in Davos beim World Economic Forum Industriekapitäne, Hightech-Milliardäre und Politiker treffen. Die Frauen und Männer weisen dann Piloten ein, führen Fluggäste durch den Sicherheitsbereich oder geleiten sie auf dem Flugfeld zu auf Hochglanz polierten Limousinen. WEF-Passagiere reisen in der Regel per Helikopter oder mit der Limousine weiter nach Davos.
Auf Flightradar24 ist gut zu sehen, wie der Jet (rot) über dem Thurgau kreist, aber schliesslich doch in Friedrichshafen landet.
Mitarbeitende und Planespotter sind enttäuscht
Tino Dietsche ist seit 20 Jahren Ramp-Mitarbeiter beim Airport. Er sagt, er habe mit Spannung den Wetterbericht verfolgt und gehofft, dass es aufklart, doch am Morgen, beim Blick aus dem Fenster, habe sich leider ein frustrierendes Bild gezeigt. «In den vergangenen Jahren hatten wir entweder schönes Wetter oder Hochnebel, was kein Problem bei Landungen und Starts ist. Erst seit dem vergangenen Jahr hängt der Nebel wieder hartnäckig am See. «Schade, denn die WEF-Woche ist eine absolut spannende Zeit, die ich immer sehr geniesse. Vor allem unsere jungen Mitarbeiter hatten im Vorfeld schon glänzende Augen vor Aufregung und freuten sich auf diese Tage.»
Während des Weltwirtschaftsforums in Davos landen zahlreiche Businessjets und Staatsmaschinen auf Schweizer Flughäfen. Wie in den Vorjahren gehen Fachleute von rund 1000 zusätzlichen Flugbewegungen aus. Das lockt Aviatik-Fans aus nah und fern an. Auch nach Altenrhein. Die Flugzeugspotter sind auf der Suche nach aussergewöhnlichen Maschinen, seltenen Modellen sowie Sonderlackierungen und dem perfekten Bild davon. Aus Deutschland ist Helmut Becker angereist. Er steht mit seinem Kameraequipment am Zaun beim Airport-Restaurant und ärgert sich: «Seit ich hier bin, nur Nebel.» Er hofft auf mehr Wetterglück in Zürich und verfrachtet seine Utensilien knurrend ins Auto.
Kein Planespotter, aber bekennender Aviatik-Fan ist Lucian Oertle aus Appenzell. «Ich habe es bisher über die Medien verfolgt. Nun bin ich erstmals hierhergekommen, weil es mich interessiert, welche Flieger landen, wie viele Leute aussteigen und wie das Ganze hier während dem WEF abläuft.» Vom Nebel lässt er sich nicht entmutigen. Ein paar Jets seien ja gelandet und vielleicht werde das Wetter noch besser.
Eine Mindestsichtweite von 300 Metern
Moderne Flugzeuge sind computergesteuert. Im Fall von Nebel verlassen sich die Piloten auf das Instrument Landing System oder ILS. Wenn es aktiv ist, orientiert sich die Steuerung der Landung an den elektronischen Signalen des Flugzeugs und am Boden. Wie kann also Nebel eine Landung in Altenrhein verhindern? Laut Krutzler muss in Altenrhein trotz ILS eine vertikale Mindestsichtweite von 300 Metern und eine horizontale von 1,5 Kilometern vorhanden sein und Bodensicht bestehen.
Für den Flugplatz in Altenrhein ist die WEF-Woche die wichtigste des Jahres. Eine «Überlebensfrage» ist sie jedoch nicht. In diesen Tagen finden zwischen 200 und 220 zusätzliche Flugbewegungen statt. In Spitzenjahren waren es schon gegen 400. «Das WEF macht zwischen fünf und acht Prozent unseres Jahresumsatzes aus», räumt Krutzler ein.
«Geschäftlich ein Desaster»: Nebel verhindert WEF-Landungen in Altenrhein