Halbes Dutzend Blasen, viel Spass und Hühnerhautmoment | W&O

Werdenberg vor 3 Stunden

Halbes Dutzend Blasen, viel Spass und Hühnerhautmoment

Die Werdenbergerinnen Laura Dal Santo und Miriam Cadosch legten am Viertagesmarsch in Nijmegen 200 Kilometer zurück.

Von PD
aktualisiert vor 3 Stunden

47'000 Läuferinnen und Läufer nahmen vergangene Woche am Viertagemarsch im niederländischen Nijmegen teil. Darunter die im Werdenberger Mädliquartier aufgewachsenen besten Freundinnen Laura Dal Santo (30) und Miriam Cadosch (30).

Für sie war es bereits die fünfte Teilnahme. Für diese haben sie sich was Spezielles einfallen lassen: Statt die Frauenstrecke über 40 Kilometer zu absolvieren, liefen sie täglich 50 Kilometer wie die Männer – «weil wir wissen, dass wir es können», äussert sich Dal Santo zu den täglichen Extrakilometern.

Stets in einer grossen Menschenmenge geht’s in Richtung Ziel
Stets in einer grossen Menschenmenge geht’s in Richtung Ziel
PD

Das nötige Selbstvertrauen und die Fitness holte sich das Duo an Trainingsmärschen, die man im Frühling absolviert hat. Cadosch erzählt:

Je mehr Kilometer man als Vorbereitung in den Beinen hat, desto leichter geht’s am Viertagemarsch.

Zudem wurde ihnen das Marsch-Talent in die Wiege gelegt: Laura Dal Santos Grossvater, aber auch ihr Götti nahmen als Armeeangehörige am Marsch teil. In Miriam Cadoschs Familie waren ihr Onkel, ihre Tante und ihr Vater mehrmals zivil dabei, ihr Vater sogar 14 Mal.

Gute Stimmung via Instagram verbreitet

Ihre Erlebnisse dokumentieren Dal Santo und Cadosch auf ihrer Instagramseite «road_to_nijmegen», wobei es sich um keine professionelle Seite handelt.

«Das hat mal aus Jux angefangen, damit wir unsere eigenen Profile nicht mit Marschinhalten zustopfen. Jetzt machen wir das für Familie und Freunde. Und es ist cool, weil wir alles spontan und ungestellt aufnehmen und damit auch unterwegs viel Unterstützung bekommen. Wir quasseln einfach, wie uns die ‹Schnorre› gewachsen ist», sagt Miriam Cadosch.

Letzter Tag, 14km vor dem Ziel, die Freude bereits in die Gesichter geschrieben
Letzter Tag, 14km vor dem Ziel, die Freude bereits in die Gesichter geschrieben
PD

Auch ihre Reise an den diesjährigen Viertagemarsch haben die beiden dokumentiert, von jedem Marschtag erzählten die beiden. Es fiel auf: Die Stimmung schien konstant sehr gut zu sein. «Das war tatsächlich so», sagt Laura Dal Santo. «Wir waren in diesem Jahr in einer Fünfer-Gruppe mit drei weiteren Freunden unterwegs, das hat für Abwechslung gesorgt. Zudem waren die täglichen Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad optimal, um körperlich keine grösseren Beschwerden davonzutragen.»

Abgesehen von einer kleinen Entzündung am Zeh hat sie die vier Tage ohne nennenswerte Beschwerden überstanden. Cadosch hat zwar ein halbes Dutzend Blasen, aber das sei ein Erfolgserlebnis, wie sie mit einem Lachen sagt: «Ich bin extrem anfällig und habe schon jeden Trick ausprobiert. Normalerweise sind es zwei- bis dreimal so viele. Also kaum der Rede wert in diesem Jahr.»

In sehr guter Verfassung und sehr erfahren

Und pünktlich zum Saisonhöhepunkt waren die beiden 30-Jährigen in Topform, wie Dal Santo festhält:

Früher waren wir noch froh, wenn wir eine Gruppe der Schweizer Armee trafen, die uns mit ihrem Tempo etwas mitziehen konnte. Heute ziehen wir immer öfter grinsend an ihnen vorbei. Wir merken, dass wir inzwischen sehr erfahren sind. Mittlerweile sind es wir, die anderen Tipps geben und helfen können.

So konnten die beiden die ganze Stimmung des Viertagemarschs ganz anders erleben. In den Dörfern, in denen die Läufer vorbeikommen, herrscht jeweils Partystimmung. «Wenn du zu kämpfen hast, bist du nur noch auf dich und deine Schmerzen fokussiert und kriegst das Rundherum kaum mit. Das war in diesem Jahr völlig anders, wir konnten jeden Moment geniessen und aufsaugen», so Cadosch.

Stolz präsentieren die Werdenbergerinnen Laura Dal Santo (links) und Miriam Cadosch ihre silbernen Viertageskreuze.
Stolz präsentieren die Werdenbergerinnen Laura Dal Santo (links) und Miriam Cadosch ihre silbernen Viertageskreuze.
PD

Auch am zweiten Marschtag, der als schlimmster gilt: Die ersten Wehwehchen machen sich bemerkbar, und man weiss, dass man noch nicht einmal Halbzeit hat. In diesem Jahr war er zwar noch immer der schlimmste Tag, aber nur mental, wie Dal Santo anmerkt: «Weil es geregnet hat. Das mag ich gar nicht.»

 

Danach blieb es trocken und mit zunehmender Anzahl der absolvierten Kilometer wussten die beiden: In diesem Jahr geht einfach alles auf!

Zukunft Viertagesmarsch: Lust auf mehr

Und so sind Laura Dal Santo und Miriam Cadosch am Freitag zum fünften Mal durch die sogenannte «Via Gladiola» ins Ziel des Viertagemarschs marschiert. Der Einmarsch ist ein Hühnerhautmoment. Tausende von Menschen stehen am Strassenrand und jubeln den eintreffenden Läuferinnen und Läufern zu. Cadosch hält fest:

Ohne Freudentränen geht es nie.

Im Ziel erhielten die beiden dann das heiss ersehnte silberne Viertageskreuz. Das Strahlen in ihren Gesichtern spricht für das Erlebte dieser Woche. Damit ist aber nur das diesjährige Kapitel abgeschlossen. «Wir laufen weiter, das ist klar», so Dal Santo. «Für die zehnte Teilnahme gibt es ein goldenes Kreuz, das wäre schon cool», fügt Cadosch grinsend hinzu.