Hall und Widerhall: Musikalisches Highlight der zehnten Schlossmediale | W&O

13.06.2022

Hall und Widerhall: Musikalisches Highlight der zehnten Schlossmediale

Die letzten Stunden des Grossevents auf dem Schloss Werdenberg boten nochmals kulturellen Genuss in Überfluss.

Von Martina Bocek
aktualisiert am 28.02.2023
Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher betraten voller Vorfreude den Eingang des Schlosses Werdenberg. Nachdem jede einzelne der steinernen Treppenstufen belegt war, füllte eine fantastische Stimme den Raum. Der Countertenor David Feldman verstand es sehr gut, mit perfektem Gesang das Publikum bereits beim Eintritt musikalisch zu verwöhnen. Sich ins Innere des Schlosses begebend, folgte die Besucherinnen und Besucher ehrfürchtig dem fortgeführten Gesang, was für eine ganz spezielle Atmosphäre sorgte. Im zweiten Stockwerk angekommen, zeigten der Countertenor David Feldman und die Kontrabassklarinettistin Gaia Gaibazzi ein sehr harmonisches Zusammenspiel.
 Effekt mit Wirkung: Lichtblitze während des Konzerts.
Effekt mit Wirkung: Lichtblitze während des Konzerts.
Bild: Anja Koehler
An den Wänden um sie herum erzeugten effektvolle schwarz-weiss bewegte Bilder in atemberaubender Geschwindigkeit eine effektvolle Inszenierung, welches ergänzt durch aus dem Gebälk hervortretenden Lichtblitzen dem Ganzen eine künstlerisch wertvolle Note einbrachte. Der darauffolgende Applaus zeigten, wie sehr die Darbietung gefiel.

Stilvielfalt und Virtuosität auf der Marimba

Die Besucherinnen und Besucher begaben sich daraufhin in das Dachgeschoss des Schlosses Werdenberg. Die Bühne erstrahlte edel vor einer grossen Leinwand, welche in sattem Blauton und perfekt beleuchtet für ein stimmungsvolles Ambiente sorgte. Was nun folgte, war eine Inszenierung vom Feinsten. Jessica Porter und Vanessa Porter begeisterten als «Porter Percussion Duo» das Publikum durch Stilvielfalt, Virtuosität und musikalischem Ausdruck auf der Marimba
 Kleine Räume - grosse Töne.
Kleine Räume - grosse Töne.
Bild: Anja Koehler
Sie taten dies gemeinsam mit dem stilistisch einzigartigen Musikensemble Cordis in Custodia. Dieses besteht aus den Countertenören David Feldman und Doron Schleifer zusammen mit Ziv Braha an der Theorbe, Daniel Rosin am Violoncello und Tobias Lindner an der Orgel. Auch die Kontrabassklarinettistin Gaia Galbazzi zeigte eine beeindruckende musikalische Leistung. 1231 Menschen erlebten eine echovolle Jubiläums-Schlossmediale Hall und Widerhall, Realität und Imitation, Spiegelung und Doppelung, Zwiesprache und Zwiegesang: Zehn Tage lang machte die 10. Schlossmediale, das Festival für Alte Musik, Neue Musik und audiovisuelle Kunst im Schloss Werdenberg, von 3. bis 12. Juni das Jahrethema ECHO auf vielfältige und eindrückliche Art und Weise hörbar und sichtbar. 1231 Besucher folgten den Lockrufen des Werdenberger Echos und kamen zu Konzerten und Performances, zur Aussenstelle im Toggenburg und in die Ausstellung. Zum zehnjährigen Jubiläum des Festivals standen zwei äusserst renommierte Schweizer Künstler im Fokus: der 1938 in Appenzell geborene Bildhauer, Zeichner, Aktions- und Konzeptkünstler Roman Signer und der 1954 in Schaffhausen geborene Komponist Beat Furrer. Beide entwarfen für das Schloss Werdenberg Arbeiten und Auftragswerke. Roman Signer beglückte das Schloss Werdenberg sogar mit einer permanenten Installation, indem er mittels Spiegelung den Himmel in den Brunnen im Schlosshof holt. «Es war eine würdige, wundervolle Jubiläums-Schlossmediale», sagt die künstlerische Leiterin des Schloss Werdenberg, Mirella Weingarten. «Roman Signer tatsächlich als Künstler im Fokus im Schloss empfangen zu dürfen – zehn Jahre nachdem ich ihn das erste Mal gefragt hatte –, war ein wundervolles Geburtstagsgeschenk für unser Festival», äussert sie sich erfreut. Weiter hält sie fest: «Aber auch die Rückkehr zahlreicher grossartiger Schlossmediale-Künstlerinnen und -Künstler in den Konzerten und in der Ausstellung – darunter etwa Gambistin Hille Perl und Fotografin Donata Wenders, aber auch die Sopranistin Olivia Stahn und die Luftakrobatinnen von öff öff – hat uns grosse Freude bereitet.» Der Gesang und die Musik wurden nicht einfach vorgetragen und gespielt – nein, die Künstlerinnen und Künstler lebten es in voller Kraft und mit Freude vor. Sie waren eins mit Gesang und Musik, sie performten sich und Ihr Können einfach perfekt. Der darauffolgende Applaus würdigte dies sehr.
 Ein Highlight des Jubiläums waren die Auftritte des Künstlers Roman Signer.
Ein Highlight des Jubiläums waren die Auftritte des Künstlers Roman Signer.
Bild: Anja Koehler

Tänzerische Meisterleistung

Zum Abschluss inszenierte das Porter Percussion Duo, Jessica Porter und Vanessa Porter, auf den Pipes melodische perfekte Klänge An den Seiten der Bühne stehend, gaben sie den beiden nun auftretenden Tänzerinnen Laura Siegmund und Manon Greiner den perfekten Raum. Als die beiden Tänzerinnen die Bühne betraten, war deren Eleganz sofort spürbar. Mit scheinbarer Leichtigkeit, ausgedrückt in langsamen Bewegungen, welche absolut synchron ausgeführt wurden, war es wahrlich eine Freude, den Tänzerinnen zu folgen. Die graziöse Darbietung der beiden Tänzerinnen, welche perfekt aufeinander abgestimmt ihre Performance zeigten, beindruckte sehr.
 Vielfältige Ausstellung anlässlich der Schlossmediale.
Vielfältige Ausstellung anlässlich der Schlossmediale.
Bild: Anja Koehler
Einer kurzen Darbietung mit eigenen Elementen folgte erneut die absolut synchron gehaltene tänzerische Meisterleistung. Die Pipes-Klänge des Porter Percussion Duos wirkte dabei in sich stimmig, frisch und melodiös zugleich. Der anschliessende langanhaltende Applaus, der sich noch steigerte, als alle Künstlerinnen und Künstler des Abends die Bühne betraten, würdigte diesen besonders schönen Anlass. Jetzt betrat auch Beat Furrer die Bühne. Er zählt zu den erfolgreichsten Komponisten unserer Zeit. Sein Wirken war während des gesamten Anlasses spürbar, auf der Bühne war er dann auch sichtbar. Das Publikum würdigte seine Leistung mit begeistertem Applaus.