Hans und sein Tenorsaxophon: Die Geschichte einer fast unglaublichen Vereinstreue | W&O

25.07.2022

Hans und sein Tenorsaxophon: Die Geschichte einer fast unglaublichen Vereinstreue

72 Jahre spielte Hans Tischhauser in der Musikgesellschaft Sevelen. Der 89-Jährige blickt auf eine tolle Zeit zurück.

Von heini.schwendener
aktualisiert am 28.02.2023
Abo Aktion schliessen
News aus der Region?

Alle Geschichten, alle Bilder

... für nur 9 Franken im Monat oder 96 Franken im Jahr.

Seit 1950 sind unzählige Musikantinnen und Musikanten der Musikgesellschaft (MG) Sevelen beigetreten und auch wieder gegangen. Eine Konstante gab es jedoch während all dieser Jahre: Hans Tischhauser, der Tenorsaxophonist. 72 Jahre – das ist kein Tippfehler! – blieb er seiner Musikgesellschaft treu, bis Frühling dieses Jahres.

Viele und sehr unterschiedliche Dirigenten erlebt

Wie viele Dirigenten er dabei wohl erlebte? «Ou, mänge», sagt er nur. Man spürt, dass es darunter bessere und weniger gute gab, solche, die es mit den Musikerinnen und Musikern konnten, und eben auch andere. Deswegen aufzuhören, war für Hans Tischhauser kaum ein Thema. Zu stark hat ihn das Musizieren und das Vereinsleben in der MG Sevelen geprägt. Er erzählt:
Am besten gefallen hat mir immer die Kameradschaft – beim Proben, bei Auftritten, an Musikfesten und bei gemeinsamen Ausflügen.

Dienstags waren die Ferien jeweils zu Ende

Mehrfach wurde Hans Tischhauser als einer der fleissigsten Probenbesucher ausgezeichnet. Der heute 89-Jährige war Bauer. Ferien gab es fast nie, weil ja immer Arbeit anstand. «Wenn es dann doch einmal für einige Tage gereicht hat, dann immer nur bis am Dienstag, wegen der Musikprobe.» Unglaubliche 72 Jahre lang waren seine Dienstagabende also verplant.
 Das langjährige Vereinsmitglied wurde im Laufe der vielen Jahrzehnte häufig beschenkt.
Das langjährige Vereinsmitglied wurde im Laufe der vielen Jahrzehnte häufig beschenkt.
Selbst 2020 und 2021, wenn die Schutzmassnahmen wegen der Corona-Ppandemie überhaupt Proben erlaubten. Die Erinnerungen daran, als sie teils nur zu sechst in einer Turnhalle üben durften, fasst er trocken zusammen:
Da isch denn numma gad schöa gsi.

Als junger Musikant bereits am Eidgenössischen

Tischhausers Treue zur MG Sevelen mag auch mit dem grandiosen Einstieg zu tun haben. «Heiri Schlegel, Richi Schwendener und ich wurden angefragt, ob wir nicht ein Instrument lernen möchten», erinnert er sich. Die drei haben zugesagt, wurden von einem Liechtensteiner etwas in ihre Instrumente eingeführt und dann, im Jahr 1950, im Verein aufgenommen. Nach nur drei Jahren staunten die Jungmusikanten, dass sie mit ans Eidgenössische nach Freiburg und dort mit der MG Sevelen auch auftreten durften. Das hatten sie nicht erwartet, denn als Neulinge hätten sie den Auftritt vor der Jury auch vermasseln können. Die Seveler erreichten jedoch den ersten Rang. Hans Tischhauser bezeichnet dies als eines der schönsten Erlebnisse seiner Jugend.

Seite an Seite mit seinem Enkel in der MG Sevelen

Während seines ganzen Lebens blieb das Musizieren Tischhausers Hobby. Der Verein wurde zu einer Art zweiter Familie. Von seinen eigenen drei Kindern hat übrigens nur die Tochter ein Instrument gelernt und auch einige Zeit zusammen mit ihrem Vater in der MG Sevelen gespielt. Zuletzt hat Hans Tischhauser, inzwischen längst der Dinosaurier des Vereins, noch Seite an Seite mit seinem Enkel in der MG Sevelen musiziert. Das erfüllt ihn mit besonderem Stolz. Auch, weil er sich manchmal beim Enkel, der musikalisch besser ausgebildet ist, einen Rat holte. Der leidenschaftliche Musikant könnte wohl stundenlang Geschichten seiner MG Sevelen zum Besten geben. Schliesslich war er ja auch schon deren Präsident, Vizepräsident und OK-Präsident für einen Kreismusiktag und eine Uniformenweihe.
 Der Tenorsaxophonist hat sein Instrument stets gut gepflegt.
Der Tenorsaxophonist hat sein Instrument stets gut gepflegt.
Viele hat Hans Tischhauser kommen und gehen sehen, im Musikcorps, hinter dem Dirigentenpult, im Vereinspräsidium und in anderen Chargen. Doch das Tenorsaxophon blieb immer dasselbe. In drei Uniformen hat Tischhauser sieben Jahrzehnte lang gespielt. Auf die Schwarze folgt die Rote und schliesslich die Blaue. Diese hat er im Frühling chemisch gereinigt und dem Verein zurückgegeben, wie es die Statuen verlangen.

Das Instrument hätte er gerne weiter gegeben

Sein Instrument, dass immer der MG gehörte, wurde ihm anlässlich seines Abschieds geschenkt. Gerne hätte er es allerdings auch abgegeben – an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Doch leider fehlt der MG im Moment jemand am Tenorsaxophon. Den Zeitpunkt des Rücktritts hat Tischhauser nicht nur aufgrund seines Alters, sondern auch mit Rücksicht auf seine Kolleginnen und Kollegen gewählt.
Ich habe richtig Freude, dass die Musikgesellschaft heute so gut ‹binenand isch›. So konnte ich ohne schlechtes Gewissen aufhören.