IHK: Durch gute Nachbarschaft zur wirtschaftlichen Stärke | W&O

Gams vor 2 Stunden

IHK: Durch gute Nachbarschaft zur wirtschaftlichen Stärke

Rund 350 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik trafen sich am Mittwoch zur Generalversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell bei der Schöb AG in Gams.

Von PD
aktualisiert vor 2 Stunden

In ihrer Präsidialansprache zeichnete Andrea Berlinger Schwyter das Bild einer Welt, deren Rad sich immer schneller dreht: Die geopolitischen Gewichte verschieben sich, und die Rückkehr der Machtpolitik stellt bewährte Handelsregeln infrage. Entscheidend sei nicht, wie sich dieses Rad anhalten lasse, sondern wie man die Orientierung behalte. Genau darin sieht Berlinger Schwyter die Aufgabe der IHK: Entwicklungen einzuordnen, mit Blick auf die nächsten Jahre statt auf die nächste Schlagzeile, wird sie in der Mitteilung zitiert.

Andrea Berlinger Schwyter bei ihrer Präsidalansprache.
Andrea Berlinger Schwyter bei ihrer Präsidalansprache.

 

Deutliche Worte fand sie zur Europapolitik. Die Initiative zur 10-Millionen-Schweiz hätte auf bestehende Herausforderungen mit Stillstand reagiert, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen. Gefragt sei stattdessen ein Umgang mit der demografischen Alterung und eine bessere Nutzung des Arbeitskräftepotenzials. Mit Blick auf die Bilateralen III bekannte sich die Präsidentin klar zum bilateralen Weg als beste Option für die Schweiz: «Offenheit heisst nicht, die eigene Identität aufzugeben.»

Grenzüberschreitende Partnerschaft als Alltag

Im Anschluss an die statutarischen Geschäfte diskutierten Christine Egger-Schöb (CEO und Miteigentümerin der Schöb AG), Fabian Frick (Vizepräsident der Liechtensteinischen IHK) und Daniel Grünenfelder (Präsident des AGV Sarganserland-Werdenberg) mit IHK-Direktor Markus Bänziger über die Frage, was gute Nachbarschaft zur echten Partnerschaft macht. Einig waren sich die Gäste: In der Region Sarganserland-Werdenberg ist die Nähe zum Fürstentum Liechtenstein gelebter Alltag, wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

Volle IHK-GV in den Produktionshallen der Schöb AG.
Volle IHK-GV in den Produktionshallen der Schöb AG.

Beim Verkehr verwies Daniel Grünenfelder auf die zu Stosszeiten überlasteten Brücken und Knotenpunkte und forderte gemeinsames Handeln: «Jeder Wirtschaftsraum braucht ein brauchbares Verkehrskonzept, und wenn wir die Region als einen Wirtschaftsraum begreifen, können wir das meistern.» Fabian Frick ergänzte, dass sich der grenzüberschreitende Pendlerstrom nur zusammen entlasten lasse: «Eine Brücke verbindet zwei Seiten, deshalb müssen auch beide Seiten miteinander reden.»

Wie hoch die bürokratischen Hürden für hiesige Betriebe in Liechtenstein sind, schilderte Christine Egger-Schöb anhand ihres Arbeitsalltags: «Ob Anmeldefristen für Arbeitnehmende oder zwei Jahresabschlüsse: Bürokratische Hürden entstehen für uns, unabhängig davon, ob wir von der Schweiz aus oder über eine Zweigniederlassung in Liechtenstein operieren. Gerade für Schweizer KMU ist das ein Wettbewerbsnachteil.»

Einblicke in die Industrie der Region

Ein Grossteil der Teilnehmenden nahm vor den statutarischen Geschäften an Firmenbesichtigungen teil. Die Gastgeberbetriebe Schöb AG, Verdunova AG, VAT Vakuumventile AG, Körber Pharma Packaging AG und Hoval AG öffneten für die IHK-Mitglieder ihre Tore und gewährten inspirierende Einblicke. Die nächste IHK-Generalversammlung findet am 16. Juni 2027 bei der Högg AG im Toggenburg statt.

Apéro vor der Produktionshalle.
Apéro vor der Produktionshalle.