«Wer auf die Berge steigt, ist dem Himmel näher» – Diese Anzeige über die letzte Bergtour vom legendären Bergpionier Peter Diener traf mich wie ein Donnerschlag. Noch im vergangenen Dezember traf ich mein Vorbild – in allen Belangen, also nicht nur im Bergsportlichen – in seinem so gastlichen Heim im Schönenboden.
Ein weiterer Farbtupfer in der gut 55-jährigen Bergfreundschaft. Wir schwelgten einmal mehr in herrlichen Erinnerungen; die Erzählgabe von Peter war ja immer sprichwörtlich. Wobei ich klarerweise meist der animierte Zuhörer seiner unglaublich spannenden Besteigungsgeschichten war.
Und doch gab es auch für mich diesen oder jenen Berührungspunkt. Wie zum Beispiel als ich ihm von meinem Klettererlebnis Anfang der 1980er-Jahre am Südgrat des Bergseeschijens mit Marcel Rüedi erzählte. Worauf Peter wohlwollend schmunzelnd erwiderte, dass er diesen Mitte der 1950er-Jahre mit dem bekannten Max Eiselin als Einlauftour für spätere Expeditionen beging. Derselbe Eiselin, der als Expeditionsleiter 1960 das erfolgreiche Buch «Erfolg am Dhaulagiri – Eine Erstbesteigung im Nepal-Himalaya» herausgab.
Die Toggenburger Spitzenkletterer Peter Diener und Ernst Forrer spielten dabei bekanntlich eine wesentliche Rolle in dieser spektakulären Erstbesteigung des 8157 Meter hohen «Berges der Stürme» am Freitag, den 13. Juli 1960.
Zudem wagten sie mit einem vierplätzigen Pilatus Porter einen waghalsigen Langstreckenflug nach Kathmandu mit 17 Zwischenlandungen. Eine einmalige Gesamtleistung. Oder als ich eine meiner schönsten Genusstouren, die Begehung des Biancogrates am Bernina, erwähnte, schilderte Peter seine kleine aber besondere Bianco-Story: Er war mit dem ebenfalls legendären Seth Abderhalden genusshalber am Biancograt.
Plötzlich glitt Seth auf einer Eisblase aus und rutschte auf die eine Gratseite. Peter reagierte instinktiv und sprang auf die Gegenseite. Diesen unglaublichen Vorfall beobachtete Hüttenwart Morf von der Tschiervahütte – zusammen mit Ernst Neeracher. Morf: Ernst, sie sind abgestürzt. Ein paar Momente später: Ernst, sie sind wieder am Grat aufgetaucht!
Obwohl ich ein Hobbykletterer bin, gelang es Peter durch seine empathische Art, mich auch in seiner «etwas höheren Welt» echt zu Hause zu fühlen. Und obgleich er eine fast unglaubliche Lebensleistung in Bergsport, Beruf und Gemeinschaft aufwies, blieb er immer auf dem Boden und im Vergleich zu den heutigen oft lautstarken Selbstdarstellern angenehm zurückhaltend. Eine wunderbare Persönlichkeit ist von uns gegangen, die Erinnerung an den grossartigen Gentlemen-Bergsteiger bleibt lebhaft. Ruhe in Frieden.
Gallus Erne, Kerbelstrasse 20, 9470 Buchs
In Gedenken an Peter Diener