Individualbesteuerung: Ein längst überfälliger Schritt | W&O

Grabs vor 2 Stunden

Individualbesteuerung: Ein längst überfälliger Schritt

Dimitri Hürlimann erklärt, weshalb es Zeit für die Individualbesteuerung ist.

Von Dimitri Hürlimann
aktualisiert vor 2 Stunden
Abo Aktion schliessen
News aus der Region?

Alle Geschichten, alle Bilder

... für nur 9 Franken im Monat oder 96 Franken im Jahr.

Wer als Zweitverdiener einmal die Möglichkeit hatte, sein Pensum zu erhöhen, kennt das ernüchternde Erwachen: Ein Viertel oder mehr des Mehrverdiensts fliesst direkt ans Steueramt. Diese Ungerechtigkeit ist kein Zufall, sondern System. Ein System, das auf einem Eherecht fusst, das die Ehefrau als rechtlos in Vermögensfragen betrachtete.

Unser Zivilgesetzbuch wurde vor 40 Jahren grundlegend reformiert. Seither gilt: Einkommen und Vermögen sind getrennt und stehen hauptsächlich jener Person zur Verfügung, die sie erarbeitet hat. Das Steuerrecht hinkt dieser Realität bis heute hinterher. Die Frage ist deshalb berechtigt: Sollen wir das Zivilgesetz wieder dem Steuerrecht angleichen oder mit der Individualbesteuerung den längst fälligen zweiten Schritt vollziehen?
Die Kantonsregierung beklagt durch die Individualbesteuerung einen Bundessteuerausfall von fünf Millionen Franken bei einem budgetierten Ertrag von sechs Milliarden. Das ist ein Bruchteil.

Was den administrativen Mehraufwand für die Steuerverwaltung betrifft: Er dürfte sich in Grenzen halten. Bis zur Umsetzung vergehen noch einige Jahre, und der Kanton St. Gallen wird seine Steuererklärungen bis dahin effizienter verarbeiten können. Der Kanton verkündet diese Effizienzgewinne erfreulicherweise jedes Jahr. Wem welches Vermögen gehört, lässt sich in vielen Fällen einfach klären: Ein Haus ist im Grundbuch eingetragen, und wer welches Auto fährt, ist im Alltag meist eindeutig.

Laut Bundesstatistiken würde eine Mehrheit der Paare – ob in Pension oder nicht – von der Individualbesteuerung profitieren. Ebenso würden zahlreiche Alleinstehende, die heute benachteiligt sind, spürbar entlastet werden. Ja, eine Minderheit der Paare fährt mit dem heutigen System in bestimmten Lebensphasen günstiger, aber das betrifft vielleicht 15 von 60 Jahren. Was ist mit den übrigen 45? Darum stimme ich Ja zur Individualbesteuerung.

Dimitri Hürlimann,
Werdenstrasse 34, 9472 Grabs