Dieses Jahr offerierte die Säntis-Schwebebahn AG seinem Aktionariat für einmal keine Gratisfahrt auf den Säntis. Stattdessen gab es Filmvorführungen und als GV-Imbiss Schinken mit Kartoffelsalat und Grillwürste. Der Grund: Die Kabinen sind abmontiert, verkauft und abtransportiert.
Am Berg laufen die Bauarbeiten für die neue Bahn. «Lueg, me gseht scho en Teil vom neue Mascht», sagt eine Frau am frühen Freitagnachmittag, als sie zum Gipfel hochschaut. Die Temperatur auf der Schwägalp kratzt an der 30-Grad-Marke. Zwei Ventilatoren im Festzelt wälzen die schwüle Luft um, die «Alderbuebe» musizieren – beides sorgt für gute Stimmung bei den angereisten 503 Aktionärinnen und Aktionären.
«Es get es paar Neuerige hüt», informiert Verwaltungsratspräsident Michael Auer die Presse, ehe er die 92. Generalversammlung eröffnet. Die Präsentation des neuen Kabinendesigns ist der Höhepunkt des Nachmittags. Ein Video wird auf der Grossleinwand eingespielt. Die dramatische Musik erhöht die Spannung – bis die visualisierte Kabine ins Bild schwebt. Die Form: geschwungen und leicht asymmetrisch. Die Farbe: leuchtend rot. Dazu am Kabinenboden und in einem Band über den Panoramafenstern viele Schweizer Kreuze. Das Design kommt an: Bravo-Rufe und Applaus im Festzelt.
Hans Höhener und Hansruedi Laich, ehemalige VR-Präsidenten, werden auf die Bühne gebeten. Sie drücken einen Buzzer. Der Vorhang fällt – zum Vorschein kommt ein Modell der neuen Säntisbahn. Die Kabinen, die hoch und runter fahren, werden nach der Versammlung zum beliebten Sujet für Fotos und Videos.
Ab 2027 keine Ermässigung mit Halbtax
Die zweite Neuerung betrifft die Tarife. Das Bergbahnunternehmen tritt per 2027 aus dem Tarifverbund Alliance Swisspass aus, verkündet Verwaltungsratspräsident Auer. Künftig wird es mit dem Halbtax-Abonnement keine Vergünstigung mehr geben für die Fahrt auf den Säntis. Eine Berg- und Talfahrt kostet neu 50 Franken (bisher 58). Kinder bis 6 Jahre fahren gratis, Jugendliche bis 16 Jahre für eine Zehnernote. Der Verwaltungsratspräsident stellt zudem drei Abonnements - Winter, Sommer und Saison - vor, die eingeführt werden. Für die neuen Tarife gibt es nur verhaltenen Applaus. «Als privat finanzierte Bahn ohne Subventionen müssen wir die Preisstrategie selbst an die Hand nehmen», erklärt Auer. Für Familien, Gäste aus dem nahen Ausland und für all jene, die mehrmals pro Saison auf den Berg wollen, sei das neue Angebot attraktiv.
Erneuerungsprozess im Verwaltungsrat
Mit der Eröffnung der neuen Säntisbahn läutet der Verwaltungsrat einen Erneuerungsprozess ein. In einer ersten Phase treten Daniela Merz, Herisau, und Gavin Schmid, Ennetbaden, aus dem Verwaltungsrat aus. Am Freitag wählen die Aktionäre Isabel Schorer, St.Gallen, als Verwaltungsrätin. Marcel Walker wird per Juli 2026 von Merz das Vizepräsidium übernehmen. Auf die kommende Generalversammlung hin werden Präsident Michael Auer und Roland Stump zurücktreten.
Arbeiten am Berg, Barbie und Yoga auf der Schwägalp
Jakob Gülünay stellt den Scheibenweg vor, der am 4. Juli auf der Schwägalp eingeweiht wird. Zudem weist der Geschäftsführer auf Events hin, welche in den Monaten bis zur Eröffnung der neuen Säntisbahn, Publikum anziehen sollen. Etwas absurd erscheinen möge das Barbiepuppen-Festival im Juli. Doch die ausgestellten 600 Exponate seien sehenswert und sollen Kindheitserinnerungen wecken. Ein weiteres neues Angebot sind Yoga-Retreats.
Die Arbeiten für die Bahninfrastruktur verlaufen planmässig und unfallfrei, ist Betriebsleiter Michael Wehrli zufrieden. Die Wiedereröffnung sei Anfang Dezember 2026 vorgesehen, vorausgesetzt, das Wetter ermögliche den eng getakteten Baufortschritt wie geplant. Für die Jungfernfahrt gibt es 50 goldene Tickets - versteckt in einem Set von Pins, das in den Verkauf kommt, kündigt Michael Auer an.
Dann geht Auer über zu den GV-Traktanden. Alle statutarischen Geschäfte werden mit wenigen Nein-Stimmen, alle vertreten durch die unabhängige Aktionärsvertreterin, angenommen. Der Bilanzgewinn von 419’280 Franken bestehend aus dem Jahresgewinn 2025 von 1109 Franken und dem Gewinnvortrag aus dem Vorjahr von 418’171 Franken wird auf die neue Rechnung vorgetragen. Der Umsatz des Unternehmens betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 22,3 Millionen Franken (+2,1 Prozent gegenüber 2024).
Kabinen, Tarife, Events: Mit diesen Neuerungen geht die Säntisbahn in die Zukunft