Kinderheim St. Paul: Erfolge und Herausforderungen | W&O

Wangs/Grabs/Nairobi vor 4 Stunden

Kinderheim St. Paul: Erfolge und Herausforderungen

Mit Betreuung und Zugang zu Bildung wird im Kinderheim St.Paul sehr viel für die Zukunft der Kinder gemacht.

Von PD
aktualisiert vor 4 Stunden

Seit dem Jahr 2007 engagiert sich der Verein Kinderheim St.Paul aus Wangs für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Kenia. Beim jüngsten Besuch der Projekte vor Ort wurde deutlich: Die Herausforderungen sind gross – gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie viel mit gezielter Unterstützung erreicht werden kann.

«Wir erleben vor Ort immer wieder, wie viel bereits mit kleinen Beiträgen verändert werden kann», sagen Albin und Linus Schumacher, Wangs und Grabs, vom Verein Kinderheim St.Paul.

Reduktion der Kinderheime in Kenia

Auf die Verantwortlichen im Kinderheim St.Paul in Bulbul bei Nairobi kommt nun eine enorme soziale und finanzielle Herausforderung hinzu. Denn die Regierung Kenias verfolgt das Ziel, die Zahl der Kinderheime stark zu reduzieren. Rund 70 Prozent der Kinder sollen in den kommenden Jahren wieder bei Verwandten oder Pflegefamilien leben. Für das Heim bedeutet dies, dass innerhalb von drei Jahren etwa 30 der heute 40 Kinder auswärts platziert werden müssen.

Zusätzliche Mahlzeiten: Oft fehlen die nötigen Mittel dazu.
Zusätzliche Mahlzeiten: Oft fehlen die nötigen Mittel dazu.
PD

Viele Angehörige wären bereit, ein Kind aufzunehmen, verfügen jedoch kaum über die nötigen Mittel dazu. Schuluniformen, Schulgelder, Bücher oder zusätzliche Mahlzeiten übersteigen oft die Möglichkeiten. Der Verein Kinderheim St.Paul unterstützt deshalb nicht nur die Kinder direkt, sondern finanziert unter anderem Krankenversicherungen, Löhne von Mitarbeitenden sowie die Ausbildung von Jugendlichen nach dem Heimaustritt.

Kinderheim entwickelt sich zum Begegnungszentrum

Trotz der schwierigen Situation blickt das Team in Kenia zuversichtlich nach vorne. Das Kinderheim soll schrittweise zu einem Gemeindezentrum für ältere Menschen und Jugendliche umgestaltet werden. Bereits heute treffen sich dort mehrmals pro Woche ältere Frauen und Männer zum gemeinsamen Essen, Spielen, Nähen oder für Gesundheitskontrollen. Auch die eigene Farm entwickelt sich erfreulich. Dank moderner Bewässerungssysteme und biologischem Anbau kann Gemüse nicht nur für das Heim produziert, sondern auch verkauft werden. Damit entstehen wichtige Einnahmen für die Zukunft.

Grosse Sorgen bereitet derzeit die Forest Edge Faith Academy (FEFA), in der rund 260 Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis zur Sekundarschule unterrichtet werden. Viele Eltern können das Schulgeld weiterhin nicht bezahlen. Deshalb übernimmt der Verein einen grossen Teil der Kosten – unter anderem für Lehrerlöhne und das tägliche Mittagessen. Hinzu kommt ein akutes Bauproblem: Weil beim Bau mangelhafte Materialien verwendet und Arbeiten unsachgemäss ausgeführt wurden, dringt Wasser in zahlreiche Schulzimmer ein. Das Dach sowie mehrere Decken müssen ersetzt werden, damit der Unterricht weiterhin sicher stattfinden kann.

Erfolgreiche Ausbildung schafft Perspektiven

Sehr erfreulich entwickelt sich das Projekt für Jugendliche nach dem Heimaustritt. Von 25 Jugendlichen, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, fanden bereits 22 eine feste Arbeitsstelle. Viele von ihnen unterstützen das Projekt weiterhin und motivieren jüngere Jugendliche, ebenfalls einen Ausbildungsweg einzuschlagen.

Spielerisches und aktives Lernen mit Holzbausteinen.
Spielerisches und aktives Lernen mit Holzbausteinen.
PD

Mit dem Projekt «Swiss School System» unterstützt der Verein 23 Kindergärten mit insgesamt 67 Klassen und rund 1900 Kindern. Einfache Lernmaterialien aus lokaler Produktion – ähnlich den bekannten Kapla-Holzbausteinen – fördern spielerisches und aktives Lernen. Zusätzlich erhalten die Lehrpersonen vorbereitetes Unterrichtsmaterial online. Die Rückmeldungen von Schulleitungen, Lehrpersonen und Eltern sind äusserst positiv. Die Kinder machen sichtbare Fortschritte und lernen mit grosser Freude.

Die zahlreichen Projekte zeigen Wirkung – gleichzeitig steigen die Anforderungen laufend. Um die Kinder, Jugendlichen und Familien weiterhin begleiten zu können, ist der Verein Kinderheim St.Paul auf zusätzliche Gönnerinnen und Gönner angewiesen. Auf der Homepage des Kinderheims, kinderheimstpaul.com, ist festgehalten, wie man den kenianischen Kindern zwecks Schulbildung, Betreuung, medizinischer Versorgung sowie der Ermöglichung einer Zukunftsperspektive mit einer Spende helfen kann.