Mit der Ausstellung «Lichtung und Verdichtung» verbindet Gertrud Kohli diesen Samstag, 24. Oktober, Kontraste. Feinstes Japanpapier trifft im industriell geprägten ehemaligen Generatorenhaus auf wuchtiges Eisen. «Die Installation ist ein Plädoyer für Behutsamkeit im Umgang mit der Schöpfung in dieser materiell befrachteten Welt», meint Gertrud Kohli und erzählt von dünnen Häuten, Licht und Wasser, von Vergänglichkeit. «Alles hat einen Sinn, alles hat eine Bedeutung.»
Kohlis Arbeitsprozess ist forschend. Ihre Bilder und Installationen entstehen im Dialog mit dem Trägermaterial – Holz, Papier, Gewebe. Es sind Prozesse intuitiven Ringens um Farbe und Form. Offener Raum, Bewegung und Zeit sind immer wichtig:
Die Werke brauchen Luft zum Atmen. Und auch die Betrachterinnen und Betrachter brauchen Leerstellen, die sie füllen können.
Das Innere im Blick: Wie Kunst reich macht
Für Gertrud Kohli ist Kunst existenziell; sie ermöglicht geistigen Reichtum. «Wer sich einlässt und auseinandersetzt, kann erfahren, wie die eigene Wahrnehmung der Welt sich verändert.» Ihre Bilder und Installationen ermutigen zum Nachdenken. Über die Spuren, die wir auf dieser Erde hinterlassen, über kulturelle Prägungen, über Fülle und Einfachheit.
Die Themen entwickeln sich entlang Gertrud Kohlis engagiertem Leben für die Gemeinschaft, stets in Reibung mit ihrer Herkunft und Identität als Frau, als Künstlerin in einer materialistisch geprägten Umgebung. Über die Jahre zentral geblieben ist die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Landschaft. Ihre Arbeiten sprechen über Schönheit und Verbundenheit und lenken die Wahrnehmung zugleich auf deren verborgene Verletzlichkeit. Diese Hinwendung zum Kern der Dinge zeigt sich in ihrem Werk formal als Prozess der zunehmenden Verdichtung: Auf frühe, farbintensive und oft grossformatige abstrakte Landschaftsbilder folgten Reduktion und Wiederholung. Schwarz-Weiss, Tusche, Papier, Zeichen und geschwungene Linien gewannen an Bedeutung. In dieser Konzentration auf das Wesentliche kommt eine stille und zugleich kraftvolle Haltung zum Ausdruck.
Aufgewachsen ist Gertrud Kohli in einer Ruggeller Stube mit christlichen Deckenmalereien aus dem 16. Jahrhundert. «Da übte ich das genaue Hinschauen, das Wahrnehmen von Licht, von Farben und Formen, das Spüren des Feinstofflichen», meint sie.
Inspiriert vom abstrakten Realismus
Später führte ihr Weg sie in die USA, wo sie an der S. Fleisher Art Memorial School in Philadelphia studierte. Dort bewegte sie sich im Umfeld der Künstlerinnen und Künstler des abstrakten Realismus – besonders inspiriert wurde sie von Helen Frankenthaler, die grossformatig und mit rohen Leinwänden arbeitete.
Gertrud Kohli zeigte ihre Werke in unzähligen Einzel- und Gruppenausstellungen. 2025 wurde sie zu ihrem 80. Geburtstag mit der Doppelausstellung «Eine Lebensspanne für die Kunst» im alten Pfarrhof Balzers und im Küefer-Martis-Huus Ruggell geehrt. «Es geht weiter. Ich habe noch viele grosse Projekte in meinem Kopf», sagt sie, «und ich freue mich extrem aufs Museümli.» Mit ihr freuen sich die Bureauvulkanmaschinenfreunde und -freundin; sie laden alle zum Ausstellungstag ein. Wie immer: von 10 Uhr bis 18 Uhr, im Museümli bei der Mühle Senn an der Altendorferstrasse. (pd)
Hinweis: Mehr auf https://gertrudkohli.li und https://www.museümli.ch
Licht, Wasser und ganz dünne Haut: Ausstellung im Generatorenhaus