Noch wissen wir nicht, wo der Krieg im Nahen Osten enden wird. Und was Donald Trump will, weiss er auch noch nicht. Dass der Angriffskrieg von Israel und den USA als völkerrechtswidrig bezeichnet wird, erscheint offenbar vernachlässigbar. Nirgends wird thematisiert, dass Donald Trump diesen Krieg wie ein Diktator begonnen hat und mit einer begrenzten «Spezialoperation» in die Fussstapfen Putins tritt. Oder wurde er bloss als Gehilfe von Netanjahu über den Tisch gezogen?
Die getöteten Mullahs waren zweifelsohne Terroristen, dennoch ist die brutale Tötung einer ganzen Regierung im Wild-West-Stil letztlich auch ein Mord, eine weitere Eskalation in der Ermordung politischer Feinde durch Israel, in einem Ausmass, zu dem ich in der Neuzeit keine Parallele sehe. Wenn Chamenei Terrorist ist und war, so sind der mutmassliche Kriegsverbrecher Netanjahu und seine Regierung ebenso Terroristen, die seit Jahren Dutzende von Politikern ausserhalb Israels ermorden liessen.
Netanjahus Ankündigung, dass dieser neue Angriffskrieg lange und verlustreich sein werde, zeigt erschreckend die gleiche Sprache, mit der er am Tage nach dem Massaker die Zerstörung des Gaza-Streifens und die (noch nicht abgeschlossene) Vertreibung der Palästinenser ankündigte. Es werden nun Pläne umgesetzt, die seit Jahren vorbereitet waren. Und Israel tut, was es schon seit Jahren tut: Zerstörung von Infrastrukturen in den benachbarten Ländern, grauenhaft effizient und gründlich, jetzt auch noch Beirut. Erneut fordert ein israelischer Minister, dass man mit Beirut gleich vorgehe wie im Gaza-Streifen mit Zerstörung und Massenfluchten: Israelischer Staatsterror, nur darf er nicht beim Namen genannt werden.
All das brachte und bringt dieses Land keinen Millimeter näher zu einem Frieden und einer Akzeptanz des Staates Israel und der Juden. Niemand steht auf der Seite des schiitischen Gottesstaates mit seinen Hinrichtungen und Tötungen von Demonstranten. Wer aber wagt es, die Vertreibungen und Morde an den Palästinensern im völkerrechtswidrig besetzten, faktisch annektierten Westjordanland durch den nationalreligiösen jüdischen Gottesstaat entsprechend einzuordnen?
Wenn dieser Angriffskrieg der zwei mächtigsten Armeen der Welt dazu noch als Selbstverteidigung deklariert wird, ist das wohl der Gipfelpunkt der Verlogenheit. Dazu gehört, dass der angegriffenen Nation Iran das Recht der Selbstverteidigung abgesprochen wird: Das ist eine völlige Verdrehung des Begriffs Verteidigung. Es ist zu befürchten, dass der israelische Staatsterror sich ausweitet zu einem Weltkrieg, wenn Staat der Israel nicht bereit ist, sich in die internationale Staatengemeinschaft einzuordnen.
Otto Ackermann, Profasonweg 7, 9476 Fontnas
Naher Osten: Verdrehte Begriffe