«Olma – die schönsten elf Tage des Jahres»: So steht es auf der offiziellen Website der Publikumsmesse geschrieben. Dem dürften Zehntausende Menschen beipflichten, die jedes Jahr durchs Messeareal und den angrenzenden Jahrmarkt flanieren, vieles degustieren – und vielleicht sogar ab und an etwas kaufen. Bereits zum 83. Mal geht der Traditionsanlass heuer über die Bühne. Dies unter dem Motto «Olma – und Action!» sowie mit dem Gastkanton Schwyz , der seinen Auftritt unter das Motto «Schwyz liefert» gestellt hat.
Parmelin, ganz der Landwirt
Geliefert hat auch Guy Parmelin: Der aktuelle Bundespräsident eröffnete die Olma beim Festakt im Theater. Dies zum letzten Mal, zumal er vor wenigen Tagen seinen Rücktritt aus der Landesregierung angekündigt hatte . Sein Rücktritt ist denn auch der Auftakt seiner Rede: «Was für eine Woche», so Parmelin. «Nach einem turbulenten Wochenende mit vielen, nein, mit sehr vielen oder vielleicht noch besser gesagt mit extrem vielen SMS konnte ich mich am Sonntagabend wieder auf mein Amt als Bundespräsident und Wirtschaftsminister konzentrieren.»
In besagter Funktion reiste Parmelin diese Woche nach Indien für einen Staatsbesuch. Ein «unglaubliches Erlebnis», wie er sagt. Mit fast nichts könne man dies vergleichen. Aber halt eben nur fast. «Gastfreundschaft, Farben und Gerüche gibt es auch hier an der Olma.» Sie seien in der Nacht direkt vom grossen Flughafen in Neu-Delhi auf den «nur etwas kleineren» Flughafen von Altenrhein geflogen. «Und das, um heute mit Ihnen zusammen die Olma zu eröffnen», so Parmelin. «Vielen Dank für diesen Empfang.»
Für einen Waadtländer sei der Besuch der Olma grundsätzlich mit drei Prüfungen verbunden: den Röstigraben überwinden, eine St.Galler Bratwurst ohne Senf essen und sich mit einem kleinen «Söili» anfreunden. «Die erste Prüfung konnte ich mit dem Umweg über Indien geschickt umgehen», sagt Parmelin. Bei Prüfung Nummer zwei mit der Olma-Wurst habe er mit seinem zweiten Besuch bereits etwas Übung. «Und was die dritte Prüfung angeht, müssen Sie sich keine Sorgen machen: Wie Sie wissen, war ich Landwirt und kenne das ‹Söili› vom ‹Söischnörrli› bis zum ‹Ringelschwänzli›.»
Die grosse Bedeutung der Landwirtschaft
Guy Parmelin betont in seiner Rede, dass die Olma-Messe wahrlich eine Schweizer Institution sei. Zumal seit Jahrzehnten ein Mitglied der Landesregierung an deren Eröffnung teilnehme. «Glauben Sie mir: Die Anwesenheit eines Bundesrats, selbst wenn er kurz vor dem Abgang steht, ist häufig ein Gütesiegel.» Zudem erinnere dieses Protokoll an eine einfache Tatsache: Die Landwirtschaft sei für unser Land von Grosser Bedeutung. Während die Olma unter einem amerikanischen, beinahe hollywoodreifen Motto «Olma – und Action!» stehe, müsse er einräumen, habe es für viele Bauernfamilien dieses Jahr bereits genug «Action» gegeben.
«Der Sommer 2026 war geprägt von aussergewöhnlicher Trockenheit und grosser Hitze», sagt Parmelin. Das bedeute weniger grüne Wiesen. Mais, der schlecht wachse. Tiere, die unter der Hitze leiden. Wasser, das zur ständigen Sorge werde. «Landwirtinnen und Landwirte wissen allerdings, dass sie einen Beruf ausüben, der mitten in der Natur und im Einklang mit ihr steht.» Trotz des Einsatzes von Technologie seien es letztlich auch die Launen der Natur, die über Erträge und damit über Einkommen entscheiden.
Einen Weg für die Zukunft schaffen
«Der Bundesrat ist sich der Ernsthaftigkeit der Lage sehr bewusst», so Parmelin. «Zahlreiche Betriebe sind in Schwierigkeiten geraten.» Hinter jedem Ertragsausfall stehe auch eine Familie, manchmal die Arbeit mehrerer Generationen. «Auch wenn ich für heute Regen bestellt habe - der Bundesrat kann den Regen selbstverständlich nicht befehlen.» Aber der Staat könne dort handeln, wo er über Möglichkeiten verfüge. «Er kann die Branche unterstützen, indem er die Zukunft vorbereitet», so Parmelin.
Genau hier spiele auch die Olma eine zentrale Rolle. «Denn ihr gelingt etwas, das in der öffentlichen Debatte bisweilen schwierig geworden ist: Sie bringt Menschen, die sich nicht kennen, ins Gespräch.» Denn von der Landwirtschaft werde viel erwartet, die Frage sei deshalb einfach: «Was sind wir bereit zu tun, damit jene, die sie tragen, auch von ihr leben können?»
Im Herzen noch immer ganz der Landwirt beendet Parmelin seine Rede mit einer direkten Botschaft an die Bäuerinnen und Bauern, denen er nach diesem schwierigen Sommer «einen besseren Herbst, einen milden Winter und im kommenden Jahr gute Wetterbedingungen» wünscht. Und macht sich dann auf den Weg, den «kleinen Korkenzieher namens Vivienne» kennenzulernen.
Parmelins Olma-Dernière und das Säuli: Die Messe in St.Gallen ist eröffnet