Man hat ja etwas Hemmungen, heutzutage, da so viel Bedeutsames in der Zeitung steht, auch einmal etwas eher Unscheinbares aufzugreifen. Es geht hier um die Beschreibungen, die das regionale Brauchtum rund um den Funkensonntag in der Presse erfährt, wo dem kundigen Leser gewisse Irrtümer auffallen.
So bezeichnet das Mundartwort «d Flaggele» in Wirklichkeit ausschliesslich die tragbare Fackel – ein Stock, an dem vorn ein brennbares Bündel (aus Holz, Stoff, Reisig, Schilf) befestigt ist. Die «Flaggele» ist nur so schwer, dass sie in die Luft gehalten und geschwenkt werden kann. Auf die grossen Fasnachtsfeuer, wie sie da und dort an weithin sichtbaren Stellen nach dem Eindunkeln angezündet und nun auch als «Flaggele» betitelt werden, aber lässt sich das Wort keinesfalls anwenden (entsprechend ist auch eine Unterscheidung «grosse Flaggala» und «Mini-Flaggala» überflüssig). Die oft meterhohen, jeweils mit viel Einsatz aufgetürmten Holzstösse nannte man früher «Huffe», neuer auch Funken. (Und von einem Böögg wusste man hier früher natürlich nichts, der ist übers Fernsehen zu uns gekommen.)
Dass die Sicherheit im mundartlichen Ausdruck überhaupt stark nachlässt, kann man auch an den oft improvisiert wirkenden, ungebräuchlichen Ortsangaben ablesen, wie etwa «auf dem Grist» (statt «auf Grist»), oder ein noch nie gehörtes «Kiesfänger» oder «Kiesfänger-Seeli» statt des guten alten Kiesfangs.
Die Ortsmundarten verlieren immer mehr an Substanz und Einheitlichkeit, willkürliche Neuerungen breiten sich aus. Unaufhaltsam, aber schade.
Hans Stricker,
Leversberg, 9472 Grabs
Rund um den Flaggelesunntig