Die Trockenheit im Kanton St.Gallen nimmt rasch zu. Das teilt die St.Galler Staatskanzlei in einem Communiqué mit. Nach zwei schneearmen Wintern in Folge habe es auch im vergangenen Frühling ein deutliches Niederschlagsdefizit gegeben. «Im letzten Halbjahr fielen im Kanton St.Gallen nur 50 bis 75 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagssumme», so der Kanton. Das Jahr 2026 sei damit bisher insgesamt viel zu trocken. Rund die Hälfte der Flüsse und Bäche führen Niedrigwasser. Sie sinken ebenso wie die Grundwasserstände kontinuierlich weiter. Die Seepegelstände sind laut dem Kanton für die Saison ebenfalls sehr tief.
Die Wassertemperaturen der Bäche und Seen liegen gemäss dem Communiqué der Staatskanzlei 3 bis 5 Grad über den saisonal üblichen Werten und erreichen an rund der Hälfte der Messtationen täglich Werte über 20 Grad. Ein Fünftel der Messstationen messe kritische Werte über 25 Grad.
Für Wasserlebewesen bedeutet zu wenig und zu warmes Wasser mit geringer Sauerstoffsättigung Lebensgefahr. Besonders betroffen sind kälteliebende Fischarten wie Bachforelle und Äsche.
Die Trockenheitslage im Kanton St.Gallen habe sich in den letzten Wochen schnell und deutlich verschlechtert, so der Kanton weiter. Sie sei mittlerweile mit der Situation in den Rekordsommern von 2003 und 2018 vergleichbar. «Ohne flächendeckende und regelmässig wiederkehrende Niederschläge werden die Abflüsse, Seewasserstände und Grundwasserstände weiter sinken. Lokale Gewitter geben keine Entspannung der Trockenheitssituation.»
Bei den grösseren öffentlichen Wasserversorgungen sind derzeit keine Versorgungsengpässe bekannt, wie der Kanton weiter schreibt. Ebenso sei der Bodensee trotz tiefer Wasserstände ein genügend grosser Trinkwasserspeicher.
Im Werdenberg herrscht jetzt Stufe 3 – erhebliche Gefahr
Der Fachstab Trockenheit des Kantons St.Gallen hat die Naturgefahrenstufe für Trockenheit in den Gefahrenregionen St.Gallen-Rorschach, Rheintal, Werdenberg, Untertoggenburg und Linthgebiet auf Stufe 3 (erhebliche Gefahr) erhöht. Das Neckertal und das Fürstenland bleiben ebenso auf Stufe 3. Im Obertoggenburg, Sarganserland und Seetal besteht Gefahrenstufe 2 (mässige Gefahr).
Aus Binnenkanal darf weiterhin Wasser entnommen werden
Per sofort ist per Allgemeinverfügung der Gemeingebrauch von öffentlichen Oberflächengewässern im gesamten Kanton eingeschränkt. Das heisst, dass Wasserentnahmen auf dem gesamten Kantonsgebiet ohne Bewilligung untersagt sind. Vom Verbot ausgenommen sind Bodensee, Walensee und Zürichsee; der Alpenrhein, der Vilterser-Wangser-Kanal ab Sargans, der Rheintaler und Werdenberger Binnenkanal, der Alte Rhein bei Diepoldsau und der Alte Rhein ab St.Margrethen, die Linth und der Linthkanal.
Feuerverbot bis jetzt nur ennet dem Rhein
Die anhaltende Trockenheit und die grosse Hitze verschärfen auch die Waldbrandgefahr, wie der Kanton weiter schreibt. Das Kantonsforstamt hat am vergangenen Freitag im ganzen Kanton die Waldbrandgefahr Stufe 3 (erhebliche Gefahr) eingeführt. Von einem kantonalen Feuerverbot in Wald- und Waldesnähe sieht der Kanton aktuell ab, jedoch mahnt er zum vorsichtigen Umgang mit Feuer in der Natur. Schon brennende Streichhölzer und Funkenflug eines Grillfeuers können einen Brand entfachen.
Im Fürstentum Liechtenstein hingegen gilt ab Mittwoch, 24. Juni, ein absolutes Feuerverbot im Wald und Waldesnähe. Dort dürfen Grillstellen, auch festeingerichtete, im Wald und in Waldesnähe, nicht
benützt werden.
Trockenheitslage deutlich verschlechtert