Übernahmen und Wachstum: Technologiefirmen im Vorwärtsgang | W&O

Haag/Ostschweiz vor 2 Stunden

Übernahmen und Wachstum: Technologiefirmen im Vorwärtsgang

Huber+Suhner und VAT wollen mit Firmenkäufen ihr Kerngeschäft ergänzen. VAT und Cicor legen ausserdem starke Zahlen beim Auftragseingang vor.

Von Thomas Griesser Kym
aktualisiert vor 1 Stunde

Der Technologiekonzern Huber+Suhner mit Sitz in Herisau und Pfäffikon ZH steht vor einer bedeutenden Übernahme. Für einen ungenannten Preis will das Unternehmen die familiengeführte Konstanzer Ingun-Gruppe mit über 400 Mitarbeitenden erwerben. Ingun, gegründet 1971, hat einen Produktionsstandort in Konstanz, seit 2025 einen zweiten in Vietnam sowie ein globales Vertriebs- und Servicenetzwerk. 2025 lag der Umsatz im «hohen zweistelligen Millionenbereich».

Produktion bei Huber+Suhner.
Produktion bei Huber+Suhner.
Bild: zvg

Ingun gilt als führender Anbieter hochpräziser Prüf- und Kontaktierlösungen, mit denen Huber+Suhner das eigene Geschäft in der Prüf- und Messtechnik ergänze und stärke. Das Angebot Inguns umfasst  Kontaktstifte, Prüfadapter-Kits und Zubehör. Es ermöglicht unter anderem die Prüfung von Leiterplatten, elektronischen Geräten, Steckverbindern und Batterien.

Die Transaktion soll bis Ende des dritten Quartals 2026 abgeschlossen werden. Die beiden Firmen arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen. Huber+Suhner beschäftigte 2025 weltweit gut 4200 Mitarbeitende.

VAT erwirbt neuartige Technologie

Vor einer Übernahme, notabene der ersten in der Firmengeschichte, steht auch VAT. Die Werdenberger Herstellerin von Vakuumventilen für die Halbleiterindustrie mit Sitz in Haag kündigt für 110 Millionen Franken in bar den Kauf der japanischen Firma Atonarp an. Das Unternehmen, das laut seiner Website 20 Mitarbeitende (per Ende 2025) beschäftigt,  entwickelt miniaturisierte, massenspektrometriebasierte Sensoren zur Echtzeitüberwachung von Halbleiter- und Industrieprozessen.

Mit den neuartigen Atonarp-Sensoren will VAT ihr eigenes Kerngeschäft der Vakuumventile ergänzen. Mit dem Fortschritt in der Halbleiterfertigung hin zu Strukturgrössen unter zwei Nanometern (zwei Milliardstel Meter) werde präzise Echtzeitüberwachung und -steuerung in Prozesskammern immer wichtiger, um Prozessabweichungen zu vermeiden und die Ausbeute in der Chipherstellung zu sichern, schreibt VAT.

Die Transaktion soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden. VAT will Atonarp vorerst als separates und unabhängiges Unternehmen weiterführen.

700 neue Mitarbeitende

Im Weiteren legt VAT die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Der Auftragseingang erreichte rekordhohe 500 Millionen Franken – 40 Prozent mehr als im ersten Quartal und doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Das Geschäft wird getrieben von Investitionen in neue Rechenzentren, die den Ausbau der Halbleiterproduktion befeuern, was die Nachfrage nach Vakuumventilen erhöht.

Der Umsatz betrug 291 Millionen Franken, 32 Prozent mehr als im ersten Quartal und 3 Prozent mehr im Vorjahresvergleich. Für das erste Semester betragen die Veränderungen gegenüber der Vorjahresperiode +75 Prozent beim Auftragseingang und – 8 Prozent beim Umsatz. Das Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda sank um 10 Prozent auf 148 Millionen Franken. Dahinter stecken höhere Kosten für den Kapazitätsausbau.

Im ersten Semester 2026 hat VAT 700 zusätzliche Mitarbeitende eingestellt, davon über die Hälfte am Standort Malaysia. Zur Jahresmitte zählte VAT fast 4000 Beschäftigte. Man erwarte, dass die Investitionen in Anlagen für die Halbleiterproduktion dieses und nächstes Jahr weiter zunehmen.

Cicor wächst dank Zukäufen

Dank Akquisitionen hat der Elektronikfertiger Cicor mit Sitz in Bronschhofen im ersten Halbjahr 2026 den Umsatz um 19 Prozent auf 334 Millionen Franken gesteigert und den Auftragseingang um 40 Prozent auf 400 Millionen. Dies vor allem dank starker Nachfrage der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie. Das Betriebsergebnis (Ebitda) sank wegen 3,3 Millionen Franken Restrukturierungskosten um 6,8 Prozent auf 24,7 Millionen. Vom geplanten Abbau von 220 Stellen seien 80 Prozent umgesetzt.

Leiterplattenfertigung bei Cicor.
Leiterplattenfertigung bei Cicor.
Bild: Ralph Ribi