Wartau weist den Weg für Windenergie vor Ort. Der Hintergrund ist klar: die Erderwärmung infolge zusätzlicher Treibhausgase aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Der Treibhauseffekt ist keine politische Angstmacherei, sondern Atmosphärenphysik. Sonnenstrahlung erwärmt die Erdoberfläche. Diese gibt die Energie als Wärmestrahlung wieder ab. Treibhausgase wie Wasserdampf (H₂O), Kohlendioxid (CO₂) oder Methan (CH₄) bestehen aus verschiedenatomigen Molekülen und speichern einen Teil dieser Wärme. Dieser natürliche Effekt macht die Erde erst bewohnbar: Statt −18 °C liegt die globale Durchschnittstemperatur bei rund +15 °C. Normalerweise halten sich im globalen Mittel ein- und ausgehende Energie die Waage.
Seit der Industrialisierung wurde dieses Gleichgewicht jedoch gestört: Der Treibhauseffekt verstärkte sich durch den Ausstoss zusätzlicher Treibhausgase (anthropogen). Der CO₂-Gehalt stieg von rund 280 ppm auf über 420 ppm. Um eine vergleichbar hohe Konzentration zu finden, muss man laut der CenCO2PIP-Studie (2023) rund 14–16 Millionen Jahre zurückblicken. Während der letzten 2,7 Millionen Jahre (Pleistozän-Eiszeitphase) schwankte der Wert zwischen rund 180 ppm in Kaltphasen und etwa 280–300 ppm in Warmphasen. Seit Beginn der aktuellen Warmzeit (Holozän) vor 11'700 Jahren blieb der Anteil ungefähr stabil bei 280 ppm – die klimatische Grundlage unserer Zivilisation.
Die Folgen des CO2-Anstiegs sind messbar: Die Globaltemperatur stieg seit 1900 um 1,3–1,5 °C, im Alpenraum stärker (2.5–3.0 °C). Neue Temperaturrekorde treten immer häufiger auf. Letztmals war es in der Eem-Zwischeneiszeit vor rund 125'000 Jahren ähnlich warm. Die PhanDA-Studie (2024) belegt, dass die heutige Erwärmung erdgeschichtlich aussergewöhnlich schnell verläuft. Analysen von Stefan Rahmstorf (PIK) weisen aktuell auf eine weitere Beschleunigung in den letzten Jahren hin.
Der Temperaturanstieg zeigt Auswirkungen: Hitzewellen, Trockenperioden, Brandereignisse und Starkniederschläge häufen sich; Gletscher schmelzen, Permafrost taut auf. Ökosysteme geraten unter Druck. Die Migration nimmt zu. Einzelereignisse sind nicht immer eindeutig zuzuordnen, aber die Gesamtentwicklung ist klar.
Führende Klimaforschende (ETH, Universitäten Bern und Zürich, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK) sind sich einig: Der Handlungsdruck ist hoch – aber es ist noch nicht zu spät. Zugegeben: Die drei Windräder beeinträchtigen das Landschaftsbild. Ihr Nutzen verleiht ihnen jedoch eine positive Perspektive. Ein Rückbau ist jederzeit möglich. Frühere Eingriffe wie Rheineindämmung oder Autobahnbau waren prägender.
Aktuelle geopolitische Lagen schüren negative Gedanken – der Klimaschutz verliert in der öffentlichen Diskussion an Bedeutung. Regierungen reduzieren Massnahmen. Doch lokal sind Lösungen möglich: Der Windpark Wartau könnte rund 70 % des lokalen Strombedarfs decken – ein starkes Zeichen für die Eigenversorgung, für die Energiewende und für kommende Generationen. Wartau zeigt, wie es geht.
Hanspeter Schlegel, Bad 32b, 9104 Waldstatt
Wartau zeigt einen möglichen Weg hin zur Energiewende