An der Abendveranstaltung HR-Update kürzlich am Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs Sargans BZBS referierte Daniel Grünenfelder, Präsident des Arbeitgeberverbands Sarganserland Werdenberg, Mitglied der Verbandsleitung von Hotellerie Suisse sowie Kantonsrat. Er sprach in Buchs über Herausforderungen im betrieblichen Gesundheitsmanagement und gab Handlungsempfehlungen.
Alarmierende Zunahme psychischer Erkrankungen
Immer längere Krankenstände durch psychische Erkrankungen seien nicht nur bei der jungen Generation zu beobachten, doch in seinem Referat betonte Grünenfelder insbesondere die drastische Zunahme solcher Erkrankungen seit 2010. Die Lebensumstände und Perspektiven der jungen Leute seien heute völlig andere als je zuvor. «Heute muss man auf alles vorbereitet sein», so Grünenfelder. Früher habe bereits der Grossvater gewusst, wie die Zukunft des Enkels aussehe – der eigene Weg war zu einem grossen Teil definiert. Heute hingegen sei alles möglich und die Zukunft ungewiss.
Dies wirke sich gerade in der Adoleszenz als komplexer Entwicklungsphase auf die Psyche der jungen Menschen aus: «Das reifende Gehirn ist eine neurobiologische Grossbaustelle», betonte Grünenfelder und sprach über die zentralen Entwicklungsaufgaben und wie sie durch die digitale Welt verändert wurden. Die Adoleszenz sei die Zeit, in der die eigenen Werte und Haltungen entwickelt, die eigene Zukunft definiert und neue soziale Rollen gefunden würden. Zusätzlich müsse heute eine Balance zwischen digitaler und realer Welt gefunden werden, wobei Grünenfelder insbesondere den Ersatz realer Vorbilder durch virtuelle Helden hervorhob.
Verstehen statt verurteilen
Grünenfelders Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber lauteten: Verstehen, motivieren, Strukturvorgaben geben, Freude vermitteln. Darüber waren sich in der von Daniela Ospelt (Lehrgangsleiterin HR-Lehrgänge am BZBS) moderierten Podiumsdiskussion alle Teilnehmenden einig.
Heribert Lechner, Arbeitsmediziner und Vertrauensarzt, bestätigte die verstärkte psychische Belastung bei jungen Menschen aus seiner eigenen Erfahrung. Daniella Lützelschwab, Ressortleiterin Arbeitsmarkt beim Arbeitgeberverband Schweiz, betonte jedoch, dass die psychische Belastung nicht am Arbeitsplatz entstehe: «Studien zeigen, dass viele heute bereits im Kleinkindalter erste Probleme haben.» Ihrer Meinung nach sind Führungskräfte oft überfordert. Es fehle am Wissen, wie mit psychisch erkrankten Mitarbeitenden umgegangen werden soll. Detaillierte Arbeitszeugnisse könnten helfen, die Situation eines Arbeitnehmers besser einzuschätzen und einen leidensadaptierten Wiedereinstieg zu ermöglichen.
Prävention in jeder Lebensphase
Monika Tomio-Büchel erzählte aus ihrer Erfahrung als Casemanagerin der Concordia Liechtenstein. Gerade in Fällen von Langzeitkrankheit sei es wichtig, den Austausch zwischen Arzt und Arbeitgeber zu ermöglichen, um die bestmögliche Lösung zu finden, denn es gebe viele Möglichkeiten, einen Wiedereinstieg zu erleichtern.
Heribert Lechner sieht den Handlungsbedarf bereits vor dem Krankheitsfall: «Prävention flächendeckend leben, in jeder Lebensphase.» Er sprach über die Verantwortung der Führungskräfte, sich an der Prävention zu beteiligen und frühzeitig beim Arbeitnehmer nachzufragen. Viele Arbeitnehmer seien offen, über ihre Situation zu sprechen, doch wenn niemand nachfrage, wisse man nicht, was los sei.
Die Podiumsteilnehmenden waren sich einig – Arbeitgeber sollen Gesundheitsprävention und Gesundheitsförderung priorisieren, auf die Arbeitnehmenden zugehen und die Beziehung mit ihnen pflegen. «Die Lösung ist eine gute Beziehung mit dem Arbeitnehmer, und diese beginnt nicht erst im Krankheitsfall.» (pd)
«Was ist los mit den Jungen und allen anderen?»