Wenn aus kleinen Momenten grosse Entwicklung wird | W&O

Sozialtipp vor 7 Stunden

Wenn aus kleinen Momenten grosse Entwicklung wird

Übergänge gehören zum Alltag jedes Kindes. Ob der Wechsel vom Spielen zum Zu-Bett-Gehen, das morgendliche Anziehen oder der Eintritt in die Kita: Jeder dieser Momente fordert Kinder heraus und stellt sie vor neue Anforderungen.

Von Sonja Schädler *
aktualisiert vor 7 Stunden

Für Erwachsene oft selbstverständlich, bedeuten solche Veränderungen für Kinder intensive Entwicklungsphasen. Besonders deutlich wird dies bei grösseren Übergängen wie etwa dem Wechsel von der Familie in die Kindertagesbetreuung oder dem ersten Tag im Kindergarten.

Aber auch die kleinen Übergänge im Tagesverlauf – etwa vom wachen in den schlafenden Zustand oder vom Freispiel zum strukturierten Tagespunkt – verlangen viel von einem Kind. Damit Kinder Übergänge gut bewältigen können, brauchen sie vor allem eines: Sicherheit. Diese entsteht durch vertraute Personen, feste Abläufe und Rituale. Ein Lied vor dem Einschlafen, der immer gleiche Ablauf beim Anziehen oder ein gemeinsamer Start in den Kita-Tag helfen dem Kind, sich im Übergang zurechtzufinden. Wiederkehrende Rituale geben Struktur, Orientierung und Halt.

Ein zentrales Element gelungener Übergänge ist die Partizipation. Kinder sollen nicht einfach übergangen werden – sie sollen mitentscheiden und mitgestalten dürfen.

Mitentscheiden stärkt Selbstvertrauen

Das bedeutet nicht, dass Kinder alle Entscheidungen selbst treffen. Vielmehr geht es darum, dass sie gehört, beteiligt und ernst genommen werden. Einige Beispiele:

  • Das Kind darf selbst wählen, welches Kuscheltier es zum Einschlafen braucht.
  • Es hilft mit, den Tisch zu decken, oder entscheidet mit, was gekocht wird.
  • Es wählt selbst, welche Mütze es anziehen möchte oder mit wem es in der Kita spielen will.

Diese kleinen Entscheidungen haben grosse Wirkung: Kinder erleben Selbstwirksamkeit – sie spüren: «Ich kann etwas bewirken.» Das stärkt ihr Selbstvertrauen und hilft ihnen, Herausforderungen zu meistern.

Bewältigungskompetenz aufbauen

Übergeordnetes Ziel ist die Förderung der Bewältigungskompetenz. Diese beschreibt die Fähigkeit eines Kindes, mit neuen oder schwierigen Situationen gut umzugehen. Ein Kind mit hoher Bewältigungskompetenz traut sich etwas zu, bleibt auch bei Unsicherheit handlungsfähig und weiss: «Ich schaffe das – und ich darf um Hilfe bitten.» Erwachsene spielen dabei eine entscheidende Rolle. Indem sie den Kindern Zeit geben, sie ernst nehmen und ermutigen, eigene Wege zu finden, unterstützen sie deren Entwicklung zu selbstbewussten, widerstandsfähigen Persönlichkeiten.

Übergänge sind Lernchancen

Jeder Übergang – ob gross oder klein – ist eine Gelegenheit zum Wachsen. Wenn Kinder in diesen Momenten partizipieren dürfen, erleben sie nicht nur Sicherheit, sondern auch Selbstwirksamkeit. Sie lernen, neue Situationen zu bewältigen, und entwickeln Schritt für Schritt die Kompetenzen, die sie für ihr weiteres Leben brauchen. So werden alltägliche Übergänge zu wertvollen Lernmomenten – und aus Herausforderungen werden Entwicklungschancen.

* Sonja Schädler ist Stillberaterin und Leiterin der Mütter- und Väterberatung Werdenberg