Wenn Vertrautes irritiert: Sinnliche Wahrnehmung als Experiment | W&O

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Wenn Vertrautes irritiert: Sinnliche Wahrnehmung als Experiment

Was empfangen Menschen mit ihren Sinnen – und was kreiert unser Geist daraus? Mit diesem subtilen Prozess beschäftigt sich der Vorarlberger Künstler Alexander Stark. Seine Ausstellung «The Obvious Unknown» ist kommenden Samstag im Museümli zu sehen.

Von pd
aktualisiert vor 7 Stunden

Alexander Stark interessiert sich für Momente, in denen die eigene Wahrnehmung irritiert wird. «Wir gehen mit einem Autopiloten durch die Welt», meint er, «ich schaffe extreme Momente, damit dieser abstellt. Es ist wie ein Erwachen. Ich unterstütze dabei, die eigene Sicht auf die Welt zu hinterfragen.»

Visuelle und akustische Experimente

Viele seiner Arbeiten sind geprägt von Mustern und Linienstrukturen, mit denen er sogenannte Moiré-Effekte erzeugt: Wenn sich zwei ähnliche Muster leicht versetzt überlagern, entstehen je nach Perspektive und Bewegung völlig neue Formen. «Was Menschen wahrnehmen und verspüren, empfinden sie als eigene Wirklichkeit. Diese entspricht aber nicht der Wahrheit», sagt Stark, «unser Geist empfängt Sinneseindrücke, ordnet sie ein, erkennt Muster und gibt den Erscheinungen Bedeutung.»

Im Museümli experimentiert Stark nicht nur mit visuellen Effekten, sondern er kombiniert diese mit Überlagerungen von Schallwellen. Dabei geht es ihm nicht nur um das Sehen oder Hören, sondern um das «Verspüren» – um die unmittelbare körperliche oder emotionale Empfindung, die entsteht, bevor der Verstand sie einordnet und benennt.

Rhythmus und Wiederholung

Rhythmus und Wiederholung prägen nicht nur seine Werke, sondern auch seine Arbeitsweise. Alexander Stark arbeitet und forscht in Werkserien, wobei jede Serie einen anderen, neuen Aspekt thematisiert. «So ist auch das Leben», meint er, «wir tun scheinbar immer wieder dasselbe. Aber wir erfahren es nie exakt gleich, sondern in abgewandelten Versionen und mit anderen Gefühlen. Alles ist dynamisch.»

Stark arbeitet multidisziplinär, zugleich intuitiv und konzeptionell, immer dem exakten Handwerk verschrieben. Mit allen Materialien und Werkzeugen fordert er sich zur Perfektion heraus, vom Schweissgerät bis zur Spraydose. Mit letzterer fand er als junger Graffitimaler den Einstieg in die künstlerische Arbeit. Im öffentlichen Raum schärfte er den Blick für grosse und kleine Gestaltungsmöglichkeiten, für Oberflächen und Untergründe, für Wirkung und Empfindung. Viele seiner Werke und Installationen – neben Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen und Galerien – zeigt er im öffentlichen Raum. Oder an Orten, die im Alltag durch unser Raster fallen. Für den Menschen Alexander Stark ist alles wichtig.

Die Ausstellung ist, wie im Museümli üblich, nur einen Tag lang zu sehen und somit Vernissage und Finissage zugleich: am Samstag, 5. September, von 10 Uhr bis 18 Uhr. Der Künstler ist anwesend. (pd)

Hinweis: Mehr zum Künstler und zum Ausstellungsort auf www.starkalexander.com respektive www.museümli.ch