Wie kann sich die Schweiz in neuer Weltordnung zurechtfinden? Suche nach Antworten am Wifo | W&O

Rheintal vor 6 Stunden

Wie kann sich die Schweiz in neuer Weltordnung zurechtfinden? Suche nach Antworten am Wifo

Europa und die Schweiz drohen, zum Spielball der Grossmächte zu werden. Am Rheintaler Wirtschaftsforum diskutierten Fachleute aus Wirtschaft und Politik über mögliche Lösungen.

Von pd
aktualisiert vor 5 Stunden
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Das Rheintaler Wirtschaftsforum (Wifo) ist immer auch ein Spiegel der Zeit. Ging es bei vergangenen Ausgaben um Themen wie «Wohlstand», «Erfolgsmodell Schweiz» oder «Spitzenleistungen», liess bereits der Titel der diesjährigen Ausgabe «Sicherheit und Stärke in turbulenten Zeiten» erahnen, dass die Lage derzeit angespannt ist.

Dass mit Martin Pfister der Verteidigungsminister zu Gast war, entbehrte somit nicht einer gewissen Symbolik. Grossmächte wie die USA, China und Russland setzen nicht nur in globalen Konflikten ihre eigenen Interessen rücksichtslos durch, sondern auch die freie Marktwirtschaft steht unter Druck. Das Recht des Stärkeren gilt zunehmend auch in der Wirtschaft. Für eine kleine, im globalen Markt wenig bedeutende Nation wie die Schweiz stellt dieser Paradigmenwechsel eine grosse Herausforderung dar. Es gilt, sich zu verteidigen und zu behaupten.

Die Schweiz sucht ihren Platz

Sowohl Bundesrat Martin Pfister als auch Claudia Major, Senior Vice President for Transatlantic Security und Mitglied der Geschäftsführung German Marshall Fund, betonten, dass Europa und die Schweiz in den aktuell unsicheren Zeiten Resilienz beweisen müssten. Pfister sprach von einem «epochalen Umbruch» und einer deutlichen Verschlechterung der sicherheitspolitischen Lage. Die internationalen Regeln, die Stabilität schufen und so auch die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz förderten, seien infrage gestellt und teilweise aufgehoben. Europa müsse im Kampf der Grossmächte um Einflusssphären nach seinem Platz suchen. «Die Rolle der Schweiz in diesem neuen Europa kann uns nicht egal sein.»

Um in unsicheren Zeiten Stabilität zu finden, seien internationale Kooperationen sowie verlässliche und solide Partnerschaften entscheidend. «Die Wahrung unserer Freiheit gelingt nur im Miteinander, nicht im Alleingang», so Pfister, der dabei auch die Bilateralen III erwähnte. Staat, Gesellschaft und Wirtschaft müssten gemeinsam Resilienz beweisen. «So schaffen wir eine Ordnung, die dem Chaos trotzt.»

Claudia Major skizzierte eine Weltordnung, die durch die «Verrohung der internationalen Beziehungen» ins Wanken geraten ist. Wie Pfister zeigte sie auf, dass Kriege heute nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld stattfinden, sondern alle Bereiche der Gesellschaft durchdringen, und erwähnte dabei Cyberangriffe, gezielte Desinformation und wirtschaftlichen Druck. Europa und die Schweiz seien auf diese neue Ordnung zu wenig vorbereitet. Jetzt gehe es darum, die veränderten Umstände zu akzeptieren und sich dafür zu rüsten.

Zu glauben, dass wenn wir nichts machen, nichts passiert, ist naiv.

Lieferketten als Risikofaktor

Wie verletzlich globale Lieferketten sind, zeigte der Talk mit Jens Breu und Matthias Wolf. Diskutiert wurden globale Risiken und lokale Antworten. Der Fokus lag auf Verantwortung, Transparenz und regionaler Stärke. Deutlich wurde: Sicherheit beginnt oft weit vor dem eigentlichen Produkt. Die Diskussion wurde von Sonja Hasler moderiert und sorgte für klare Einordnung und offene Worte aus der Praxis.

Ein neuer Partner im Osten?

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor CAR-Center Automotive Research, beleuchtete die Herausforderungen der Autoindustrie, zeigte dabei auch Wege auf, die für andere Branchen eine mögliche Perspektive bieten könnten. Er sprach die veränderten Vorzeichen aufgrund geopolitischer Machtkämpfe ebenfalls an, nahm dabei aber einzig die USA ins Zentrum seiner Kritik und warb für eine andere Grossmacht als neuen Partner.

Die Welt, die wir kannten, wurde durch Trump zerstört.

Jetzt müsse sich Europa neu orientieren. In China sei man sehr an einer Zusammenarbeit interessiert.

Wenn wir mit China zusammenkommen, werden wir nicht ausgeraubt, sondern belohnt.

Preisverleihung mit Premiere

Ein besonderer Moment war die Verleihung des Preises der Rheintaler Wirtschaft. Der Preisträger wurde erstmals direkt am Forum bekannt gegeben. Preisträger 2026 ist die Pemat AG aus Oberriet. Die Jury würdigte das Unternehmen als Hidden Champion mit hoher technischer Kompetenz, internationaler Ausrichtung und starker regionaler Verankerung im Rheintal.

Das nächste Rheintaler Wirtschaftsforum findet am Freitag, 15. Januar 2027 statt.

Preis der Rheintaler Wirtschaft geht an die Pemat AG

Die Metallbaufirma Pemat AG aus Oberriet hat den «Preis der Rheintaler Wirtschaft 2026» erhalten. Jurypräsident Klaus Brammertz übergab die Auszeichnung am Rheintaler Wirtschaftsforum an Pemats Geschäftsführer und Inhaber Peter Mattle, der sein Unternehmen 1992 in Hinterforst gegründet hatte.

Pemat beschäftigt 20 Mitarbeitende und stellt individuell gebogene Profile und Walzteile aus Metall her. Mit dem 2012 lancierten Verfahren des Freiformbiegens verfüge Pemat über ein weltweites Alleinstellungsmerkmal.

ei der Preisübergabe: Moderatorin Sonja Hasler, Peter Mattle, Romana Mattle, Roger Schläpfer und AGV-Präsident Klaus Brammertz (von links).
ei der Preisübergabe: Moderatorin Sonja Hasler, Peter Mattle, Romana Mattle, Roger Schläpfer und AGV-Präsident Klaus Brammertz (von links).
Bild: PD

Zu den Prestigeprojekten des Betriebs zählen etwa die Realisierung der Festspielbühne Bregenz für das Musical «West Side Story» 2003, die Bühne für die Auslosung der Fussball-EM von 2012 oder konische Rohre für eine Strassenbeleuchtung in Dubai.

Mit dem Freiformen lassen sich Rohre und ausgesuchte Profilsysteme in fast jede Richtung und Radius biegen. Seit 2003 sitzt Pemat in Oberriet, und 2019 wurde dort ein Neubau bezogen. (T.G.)