Windkraft: Wie sauber ist sie? | W&O

Region • 16.10.2026

Windkraft: Wie sauber ist sie?

Wer grosse Energieprojekte plant, muss nicht nur deren Nutzen, sondern auch mögliche Umweltfolgen darlegen, findet Leserbriefschreiber Hans Moser.

Von Hans Moser
aktualisiert am 16.10.2026

Mikroplastik durch Windräder und ungelöste Umweltbelastungen verdienen mehr Aufmerksamkeit. Laut einer im September veröffentlichten Studie hat die EU-Kommission erstmals offiziell eingeräumt, dass Windkraftanlagen Kunststoffpartikel freisetzen und dieser Abrieb unkontrolliert in die Umwelt gelangen kann.

Damit rückt eine bislang wenig beachtete Umweltbelastung einer Technologie in den Fokus. Natürlich stossen Windkraftanlagen im Betrieb keine Verbrennungsabgase aus wie Kohle- oder Gaskraftwerke. Doch deshalb sind sie noch lange keine emissionsfreien Industrieanlagen. Auch die Rotorblätter unterliegen einem Verschleiss, bei dem Kunststoffpartikel freigesetzt werden können.

Die oft genannten 62 Kilogramm Abrieb pro Windkraftanlage und Jahr beruhen auf einer norwegischen Hochrechnung und sind bislang nicht abschliessend bestätigt. Dennoch sollte die grundsätzliche Freisetzung von Kunststoffpartikeln ernst genommen werden. Auch bei Wartungs- und Reparaturarbeiten können zusätzliche Emissionen entstehen: Werden beschädigte Oberflächen abgeschliffen und Verbundwerkstoffe bearbeitet, gelangen weitere Partikel in die Umwelt. Eine Studie der Technischen Universität Dänemark beziffert diese Emissionen auf 40 bis 160 Gramm pro Rotorblatt und Jahr.

Hinzu kommt ein weiteres Umweltproblem: die Belastung durch PFAS. Wie der W&O am 17. September berichtete, rechnet die St. Galler Kantonsregierung mit zehn Millionen Franken für Entschädigungen an PFAS-belastete Landwirtschaftsbetriebe. 

Entschädigungszahlungen mögen die finanziellen Folgen vorübergehend tatsächlich lindern, sie beseitigen allerdings nicht die Ursache. Belastete Böden bleiben belastet. Damit verbunden sind Fragen zur weiteren landwirtschaftlichen Nutzung und zur Sicherheit der Erzeugnisse für Mensch und Tier.

An der vergangenen Informationsveranstaltung wurde für die Windkraft geworben und sie als unproblematisch und sauber dargestellt. Angesichts solcher offenen Fragen fühle ich mich unzureichend informiert und in meinen Erwartungen enttäuscht. Wer grosse Energieprojekte plant, muss nicht nur deren Nutzen, sondern auch mögliche Umweltfolgen transparent und umfassend darlegen.

Eine verantwortungsvolle Energiepolitik darf mögliche Belastungen nicht ausblenden. Ich erwarte deshalb, dass die offenen Fragen zu Kunststoffabrieb, PFAS und den langfristigen Folgen für Böden und Landwirtschaft sorgfältig geklärt werden, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden.

Ich hoffe, dass auch eine breite Öffentlichkeit diese Fragen stellt und dass das geplante Windkraftprojekt nochmals kritisch überprüft wird.

Hans Moser, Hostetgass 9, 9470 Buchs