Windpark Sennwald: Unvollständige Messdaten, hohe Risiken | W&O

Sennwald vor 3 Stunden

Windpark Sennwald: Unvollständige Messdaten, hohe Risiken

Mirco Keller kritisiert das Vorgehen beim potenziellen Windpark in Sennwald.

Von Mirco Keller
aktualisiert vor 3 Stunden
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In Sennwald wird über den geplanten Windpark diskutiert. Während über Klimaziele und Versorgungssicherheit viel gesprochen wird, bleiben zentrale Fragen zu Investorenstruktur, Effizienz und dem Nutzen für die Bevölkerung offen.

Genau hier beginnt das Problem. Die politische Gemeinde hat mit dem EW Sennwald, der SAK und Groupe E Greenwatt einen 100 Meter hohen Messmast installiert. Dieser liefert während bis zu 18 Monaten Daten und soll die Grundlage für die Planung bilden.

Auffällig ist jedoch: Die Messhöhe beträgt nur 100 Meter – obwohl moderne Windkraftanlagen Nabenhöhen von 180 bis 220 Metern erreichen. Die entscheidenden Windverhältnisse werden damit gar nicht erfasst. Physikalisch ist klar: Je höher, desto stärker und gleichmässiger der Wind. In Bodennähe gibt es mehr Turbulenzen und Hindernisse, in 150–220 Metern Höhe hingegen stabilere und effizientere Bedingungen. Die Windgeschwindigkeit steigt typischerweise um 20 bis 40 Prozent, was aufgrund der dritten Potenz der Leistung bis zu 73 Prozent mehr Energie bedeuten kann.

Wer verlässliche Aussagen zum Energieertrag machen will, muss in der relevanten Höhe messen. Ein 100-Meter-Messturm reicht dafür nicht aus. Und selbst ein höheres Windrad produziert keinen Strom, wenn der Wind nicht bläst. Hätte der Messturm von Beginn an in dieser Höhe gemessen, könnte man später belegen, ob dort überhaupt genügend Wind für einen wirtschaftlichen Betrieb vorhanden wäre.

Hinzu kommt: Die Ortsgemeinde hat angekündigt, enger mit der politischen Gemeinde zusammenarbeiten zu wollen. Eine konkrete Vereinbarung über Rollen, Zuständigkeiten, Landnutzung oder finanzielle Aspekte existiert jedoch noch nicht. Die Bevölkerung weiss bis heute nicht, wie diese Zusammenarbeit aussehen soll und wer welchen Nutzen erhält.

Problematisch ist auch die Investoren- und Akteurskonstellation. Es gibt keine Mechanismen, die sicherstellen, dass die Menschen in Sennwald tatsächlich profitieren. Weder EW Sennwald noch SAK oder Greenwatt sind verpflichtet, Gewinne auszuschütten, Stromtarife zu senken oder Bürger finanziell zu beteiligen. Die Einwohnerinnen und Einwohner tragen jedoch die lokalen Auswirkungen wie Sichtbelastung, Schattenwurf und mögliche Wertminderungen von Immobilien.

Wenn die Vorteile primär bei den Betreibern liegen, entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht. Solange weder die Windverhältnisse in der relevanten Höhe gemessen noch die Rollen, finanziellen Vorteile und Risiken transparent offengelegt werden, bleibt das Projekt ein Vorhaben von Energieunternehmen – nicht eines, das der Bevölkerung einen klaren Mehrwert bringt.

Mirco Keller,
Bifig 19, 9466 Sennwald