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Gamprin vor 1 Stunde

Zwischen Verbot und Wandel: Homosexualität in der Armee im Fokus der Forschung

Wissenschaftler gaben Einblick in das Forschungsprojekt «Armee und Homosexualität»

Von pd
aktualisiert vor 1 Stunde

Auf Einladung des Liechtenstein-Instituts stellten Tina Büchler und Philipp Hofstetter letzte Woche die Untersuchung der Diskriminierung homosexueller Menschen in der Schweizer Armee von 1942 bis 2020 vor. Beide sind Forscher am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung IZFG der Universität Bern. Wie das Liechtenstein Institut in einer Mitteilung schreibt, war ihr Vortrag Teil der Reihe «Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz», die dann diesen Montag ihren Abschluss fand mit einem weiteren Referat von Ina Friedmann zur Verfolgung homosexueller Menschen während des Nationalsozialismus im Gau Tirol-Vorarlberg.

Das letzte Woche vorgestellte Projekt der Universität Bern geht auf ein Postulat der Nationalrätin Priska Seiler Graf zurück. Es verlangt, «das Unrecht, das Homosexuellen und anderen Minderheiten in der Armee zugefügt worden ist, in einem Bericht aufzuarbeiten, begangenes Unrecht anzuerkennen und geeignete Formen der Wiedergutmachung zu prüfen».

In der Armee bis 1992 verboten geblieben

Während in der Schweiz sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen des gleichen Geschlechts ab 1942 weitgehend nicht mehr strafbar waren, blieben sie doch in der Armee bis 1992 verboten. Die strafrechtliche Ahndung homosexueller Handlungen stellt aber nur eine von vielen Formen der Diskriminierung von Homosexuellen dar. Weitere mögliche Problemfelder sind die Pathologisierung von Homosexuellen sowie Ausgrenzung oder Gewalt. Auch kann sich bei Mitgliedern einer Milizarmee eine Ausmusterung oder ausgebliebene militärische Beförderung auf die berufliche Laufbahn auswirken. Entsprechend richten die Forschenden des IZFG ihren Blick auf die unterschiedlichen Erfahrungen, welche Betroffene im Militär machten und fragen dabei auch nach den Folgen von Diskriminierungen.

Wie die Ausführungen des Historikers Philipp Hofstetter und der Sozialwissenschaftlerin Tina Büchler zeigten, kann ein solch umfangreiches Projekt nur interdisziplinär angegangen werden. Schliesslich geht es darum, Dokumente aus verschiedenen Beständen (z. B. Militärärztlicher Dienst, Militärjustiz) auszuwerten, mögliche interessante Gesprächspartnerinnen und -partner zu suchen und Fragestellungen an Betroffene zu entwickeln.

Die Armee ist in der Schweiz gesellschaftsprägend

Beim Liechtenstein Institut ist man gespannt auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts. Es umfasse eine Zeitspanne, in der sich die Einstellung breiter Bevölkerungskreise gegenüber homosexuellen Menschen grundlegend veränderte, hält das Institut in seiner Mitteilung fest. Gesellschaftliche Vorstellungen über die Homosexualität fänden in einer Organisation wie der Armee zwangsläufig ihren Widerhall. Gleichzeitig handle es sich bei der Schweizer Armee um eine weit verzweigte Institution. Der Grossteil der Schweizer Männer verbringe viele Monate im Militärdienst. Deshalb sei die Armee für sie und die gesamte Gesellschaft damals wie heute prägend.

Wer Erfahrungen zum Thema Armee und Homosexualität gemacht hat, wird gebeten, sich bei den Forschenden der Universität Bern zu melden.