Zurzeit wird die Säntis-Schwebebahn erneuert. Bis Spätherbst ist der höchste Berg der Ostschweiz daher nur zu Fuss erreichbar. Ob die anderen Bergbahnen im Alpstein davon profitieren, lässt sich noch kaum abschätzen – auch bei der Kastenbahn nicht. Bei dieser sind aber Anfragen für Gruppenangebote aus Regionen eingegangen, die bis anhin nicht zu den Zielmärkten gehörten, wie Verwaltungsratspräsident Jonny Dörig am Samstagmorgen an der Generalversammlung der Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG sagte.
Sein Unternehmen wird in wenigen Jahren in der gleichen Situation sein, wie es die Säntisbahn im Augenblick ist. Denn zwischen Brülisau und dem Hohen Kasten soll die Seilbahn ebenfalls ersetzt werden. Dörig erläuterte den 447 anwesenden Aktionären, wie es um die Planung für das Projekt steht.
Erste Arbeiten werden 2027 ausgeführt
Noch vor den Sommerferien wird der Entscheid des Bezirksrates Schwende-Rüte zum Quartierplan erwartet. Vorgesehen ist, danach beim Bund das Gesuch für das sogenannte Plangenehmigungsverfahren einzureichen. Läuft alles nach Plan, sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 erste Arbeiten an der Tal- und der Bergstation durchgeführt werden.
Gemäss heutigem Fahrplan wird die Kastenbahn ab November 2028 den Betrieb für einige Monate einstellen. In dieser Zeit werden die bestehende Anlage zurückgebaut und die neue Seilbahntechnik montiert. Die neue Bahn könnte ab Sommer 2029 im Einsatz stehen.
An der Linienführung wird sich nichts ändern. Allerdings gibt es künftig nur noch einen Masten. Dieser wird mit 96 Metern etwa doppelt so hoch sein wie die heutigen beiden Stützen. Gemäss Dörig führt diese Lösung zu tieferen Investitions- und Betriebskosten. Zudem können so die Eingriffe ins Gebiet unterhalb des Hohen Kasten, das zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler gehört, möglichst gering gehalten werden. Die neue Kastenbahn soll abgesehen davon auch mit Windgeschwindigkeiten von 80 km/h noch fahren können.
Dass die bestehende Seilbahn ersetzt wird, hat verschiedene Gründe. Zum einen erreichen die Tragseile in den nächsten Jahren das Ende ihrer Nutzungsdauer. Ferner muss der Tragseilpoller in der Bergstation ausgetauscht werden. Dazu kommt, dass aufgrund eines Windgutachtens die bestehenden Stützen früher oder später verstärkt werden müssen. Das wäre jedoch nicht einfach, da der Mast in einem Gelände mit Hangbewegungen steht. Deshalb hat der Verwaltungsrat bereits 2024 entschieden, die gesamte Seilbahntechnik zu erneuern. Dörig betonte:
Wir möchten nicht zuwarten, bis wir gezwungen sind, zu handeln.
Die Investitionen für den Neubau belaufen sich auf schätzungsweise 20 Millionen Franken. Es werde eine grosse Herausforderung, das zu stemmen, sagte der Verwaltungsratspräsident. «Umso mehr sind wir auf eine gute finanzielle Grundlage angewiesen.» Denn eine Aktienkapitalerhöhung ist nicht geplant. Nach Angaben von Dörig wird sich bis Ende Jahr in Gesprächen mit Fremdkapitalgebern zeigen, ob die Finanzierung ohne Aufstockung des Eigenkapitals gelingt.
2025 war das beste Jahr der Geschichte
Was hilft, das Vorhaben zu tragen, ist das gute letztjährige Ergebnis. Mehr noch: 2025 war das erfolgreichste Geschäftsjahr seit Bestehen der Seilbahn im Jahr 1964. Insgesamt wurden 216'374 Personenfahrten verzeichnet, was einem Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und den viertbesten Wert der Unternehmensgeschichte darstellt. Das Bergbahnunternehmen profitierte insbesondere von idealen Wetterbedingungen in den Monaten April, Mai und Juni. Stark entwickelte sich das Geschäft zudem im Dezember.
Insgesamt nutzten im vergangenen Jahr 130'457 Gäste für mindestens einen Weg auf den Hohen Kasten die Bergbahn, zwei Drittel davon als Ausflugsgäste und der Rest als Wandernde. Letzterer Teil habe zuletzt abgenommen, sagte Dörig. Das müsse bei der Erarbeitung der Strategie berücksichtigt werden.
Nächste Airshow könnte 2027 stattfinden
Die Airshow führte im Mai 2025 mit 3867 Fahrten zum am stärksten frequentierten Betriebstag des Jahres. Der Anlass ist allerdings in Umweltschutzkreisen umstritten. Ob er 2027 wieder stattfindet, ist offen. Das wird sich im Herbst entscheiden und hängt von der Bewilligung und den Finanzen ab.
Die Jahresrechnung wurde einstimmig genehmigt. Sie weist nach ausserordentlichen Abschreibungen einen Gewinn von rund 137'000 Franken aus. Der Bahnumsatz erreichte mit 3,16 Millionen Franken einen neuen Höchstwert und lag 20 Prozent über dem Vorjahr.
2029 soll sie in Betrieb gehen: Wie es beim geplanten Neubau der Kastenbahn weitergeht