Ohne Gegenstimme im Kantonsrat – mit dieser eindrücklichen Empfehlung aus der Kantonshauptstadt geht es am 30. November an die Urne. Die St. Galler Bevölkerung ist dann dazu aufgerufen, über den Sonderkredit für die Erneuerung und den Ausbau sowie für den Betrieb des Reinraums am Campus Buchs abzustimmen.
Wie es heisst, genügen die heutigen Anlagen und Geräte in den Räumlichkeiten der Ostschweizer Fachhochschule (OST) in Buchs nicht mehr und müssen auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Kostenpunkt: 22 Millionen Franken – 2,5 Millionen übernimmt das Fürstentum Liechtenstein.
Der St. Galler Regierungspräsident Beat Tinner betont, dass es bei einer Erneuerung nicht damit getan sei, eine neue Maschine anzuschaffen oder mit Bastelarbeiten ein neues Optimum zu schaffen:
Ein Reinraum ermöglicht eine kontrollierte Umgebung, in der Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Reinheit der Luft exakt reguliert werden können. Der Betrieb und die Wartung eines Reinraums sind sehr aufwendig und teuer.
Wie an einer Medienorientierung festgehalten wurde, seien für den Reinraum, der aus mehreren getrennten Räumen besteht, spezielle und deshalb auch teure Filter im Einsatz.
Exportregion Rheintal weiter stärken
22 Millionen Franken – wahrlich kein Pappenstiel. Weshalb ist sich der Kantonsrat von links bis rechts einig, dass diese Investition getätigt werden muss? An dieser Stelle bringt Beat Tinner den Wirtschaftsstandort ins Spiel: «Der Reinraum hat insbesondere für die Präzisionsfertigungsindustrie im Kanton St. Gallen eine grosse und bedeutende Rolle. Sie ist ein zentrales Standbein unserer Wirtschaft. Das Rheintal ist nach Basel die zweitgrösste Exportregion der Schweiz. Wenn wir das aufrechterhalten wollen, müssen wir attraktiv bleiben.»
Mithilfe von modernsten Geräten können Unternehmen der Region innovative Produkte entwickeln. Zur Fertigung von diesen sind KMU und Start-ups darauf angewiesen, dass man ihnen einen Reinraum zur Verfügung stellt. Davon profitiert bereits die Feinwerkoptik Zünd AG in Werdenberg.
CEO René Zünd erläutert den Prozess der Beschichtung, durchgeführt bei der OST, bei einer von ihr vorbereiteten Fläche: «Der zylindrische Rand und ein Teil der vorhandenen Planparallelflächen wird beschichtet. Das Material, welches aufgedampft wird, muss sehr rein sein, ebenso die Luft des Raums.»
Dazu erklärt Prof. Dr. Daniel Seelhofer, Rektor der Ostschweizer Fachhochschule, indem er einen kleinen Gegenstand hochhält:
Wenn auf so ein Teil dieser Grösse nur ein kleines Stäubchen fällt, dann funktioniert das Ganze nicht mehr. Das eigentlich Teure an einem Reinraum ist, diesen wirklich rein zu halten.
Vier Millionen Franken Einnahmen pro Jahr
Für 22 Millionen Franken erhält also die Präzisionsfertigungsindustrie einen Raum im Rheintal zur Verfügung gestellt, um einen Teil des Herstellungsprozesses durchzuführen. Der nahe gelegene Reinraum auf dem Campus Buchs trägt dazu bei, dass man neben der Produktion auch in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovation im internationalen Vergleich konkurrenzfähig bleibt. Beat Tinner nennt den OST-Reinraum deshalb eine «Grundinfrastruktur» und hebt hervor: «Mit der Investition in den Reinraum stärken wir den Unternehmen den Rücken, damit Arbeitsplätze und Forschungsmöglichkeiten bei uns im Kanton bleiben.»
Als ein Geschenk an die Industrie sei die Erneuerung des Reinraums aber nicht zu sehen, hält Tinner weiter fest. Wer die Einrichtung samt spezialisierten Fachkräften der OST nutzen will, hat eine Art Miete zu bezahlen. Wie OST-Rektor Prof. Dr. Daniel Seelhofer beschreibt, habe man zuletzt pro Jahr vier Millionen Franken Einnahmen generieren können und ergänzt: «Die Wertschöpfung für die Region beträgt pro Jahr allerdings 40 bis 80 Millionen Franken.»
Raum für die Ausbildung
Eine nicht zu unterschätzende Wertschöpfung des Reinraums ist die Ausbildung von Fachkräften. «Es ist wichtig, in der Ostschweizer Fachhochschule gute Leute auszubilden. Wir müssen an diesem Standort attraktiv bleiben für die jungen Leute», argumentiert Tinner. «Wenn die jungen Leute keine gescheiten Forschungsmöglichkeiten hier haben, gehen sie irgendwo anders studieren.»
Dies sieht auch René Zünd so:
Für uns ist es wichtig, dass wir Ausbildungs- und Weiterbildungsstandorte haben. So können wir die ausgebildeten Leute bei uns in der Firma integrieren und dazu bringen, die Prozesse selbstständig durchzuführen.
Abstimmung Erneuerung Reinraum: «Wir müssen attraktiv bleiben»