Die Mitte Werdenberg führte ihre Neujahrsbegrüssung dieses Jahr im Antoniusstübli in Sennwald durch. Wie die Partei in einer Mitteilung schreibt, hielt Co-Parteipräsident Luca Frei in seinen Begrüssungsworten einen kurzen Rück- und Ausblick auf das vergangene respektive aktuelle Jahr. Er ging dabei auch auf die Brandkatastrophe von Crans-Montana ein und betonte, dass kaum ein schrecklicherer Beginn des Jahres vorstellbar gewesen wäre. Im Namen der gesamten Partei entbot er allen, die von dieser Katastrophe betroffen sind, sein Beileid, wünschte ihnen viel Kraft und Trost und gedachte der Opfer.
Besorgt zeigte Frei sich über die aktuelle politische Lage. Dass die freiheitliche Weltordnung nun auch von Staaten, die diese einst massgeblich mitbegründet hatten, offen infrage gestellt wird, bezeichnete er als bedrohlich. Der Schweiz könne diese Entwicklung nicht egal sein, letztlich sei sie als kleiner Staat darauf angewiesen, dass die Grossmächte sich an das Völkerrecht halten.
Frei schloss mit einem Appell an die Mitglieder, sich noch vehementer für die Werte der Mitte – Freiheit, Solidarität und Verantwortung – einzusetzen. Die Mitte als Partei des Ausgleichs und des Zusammenhalts sei stärker gefordert denn je.
Gesundheitsgesetz als entscheidende Vorlage
Ehrengast des Abends war Regierungsrat Bruno Damann. Ihm sowie den beiden parteieigenen Kantonsräten Barbara Dürr und Friedrich von Toggenburg fühlte Luca Frei in einem Talk auf den Zahn. Im Zentrum des Gesprächs zwischen Bruno Damann und Friedrich von Toggenburg stand das Gesundheitsgesetz. Bruno Damann bezog dabei auch Stellung zur aktuellen Impfkontroverse. Dies sei eine Regelung aus einem Bundesgesetz, St.Gallen sei bei Weitem nicht der erste Kanton, der sie nachvollziehe; der Thurgau oder Appenzell Ausserrhoden kennten sie schon lange. Dort sei der Artikel noch nie angewendet worden; er glaube auch nicht, dass er in St. Gallen je angewendet werden würde. Das Gesetz befinde sich jetzt im Vernehmlassungsverfahren, die Regierung werde die Vernehmlassungsantworten auswerten und dann dem Kantonsrat einen definitiven Gesetzesentwurf vorlegen.
Wichtig war es Bruno Damann zu betonen, dass der Impfartikel nur ein kleiner Teil des Gesundheitsgesetzes ist. Diesen könne man notfalls auch separat zur Abstimmung bringen. Insgesamt erachtet er das Gesundheitsgesetz aber als nötig. Das aktuelle Gesetz ist über 45 Jahre alt. Dank dem neuen Gesundheitsgesetz sollen die Prävention gefördert, die Langzeitpflege gestärkt und die Gesundheitsversorgung insgesamt verbessert werden.
Auch Friedrich von Toggenburg betonte, dass das Gesetz für ihn als Arzt Verbesserungen bringe, die letztlich auch den Patienten dienten. Neu werde zum Beispiel ausdrücklich festgehalten, dass Patienten das Recht auf die Herausgabe ihrer Akten haben. Zudem werden grosse Schritte in Richtung Digitalisierung gemacht, was die Ärzte und das Gesundheitspersonal von Bürokratie entlaste, damit sie sich stärker auf ihre eigentliche Arbeit – die Behandlung der Patienten konzentrieren können.
Rückblick auf Präsidialjahre
In einer zweiten Talkrunde blickten Bruno Damann und Barbara Dürr auf ihre jeweiligen Präsidialjahre zurück. Bis im Juni 2025 hatte Barbara Dürr den Kantonsrat präsidiert. Als «höchste St. Gallerin» vertrat sie den Kanton bei zahlreichen Anlässen. Sie traf Bundesräte, Sportler und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft. Besonders beeindruckte der Langstreckenläufer Dominic Lokinyomo Lobalu sie.
Einen kleinen Schreckensmoment erlebte sie, als sie auf dem Weg zur Eröffnung der Kantonsratssession war und der Zug auf dem Weg nach St.Gallen ausfiel. Sie strandete in Rorschach, wo es kein Weiterkommen gab. Sie begann, die Liste ihrer Kollegen und Bekannten, die in der Nähe wohnten, abzutelefonieren und konnte schliesslich Kantonsrat Dominik Gemperli organisieren, der sie nach St. Gallen mitnahm.
Bruno Dammanns Präsidialjahr 2020/2021 war geprägt von Corona. Als Regierungspräsident und Gesundheitsdirektor war er das Gesicht der St.Galler Coronapolitik und stand im Fokus. Eine Zeit, die Bruno Damann als sehr intensiv und fordernd erlebte. Zu vielen Begegnungen mit der Bevölkerung kam es coronabedingt nicht, in Erinnerung geblieben ist ihm aus dieser Zeit jedoch ein Treffen mit den Bundesräten Guy Parmelin und Alain Berset in St. Gallen. Bei diesem Treffen zeigte sich, welch unterschiedliche Persönlichkeiten die beiden sind; Parmelin sei bescheiden aufgetreten, begleitet nur von ein paar Mitarbeitenden, während Berset mit einer grossen Entourage angereist sei.
Nach den Talkrunden gab es für die Teilnehmenden ein reichhaltiges Abendessen und ein feines Dessert. Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch den Gospelchor Gofra unter der Leitung von Hans Köppel.
Als Partei des Ausgleichs stärker gefordert denn je