Das olympische Feuer brennt: Mit Teamwork will Andreas Vetsch das grosse Ziel erreichen | W&O

03.03.2022

Das olympische Feuer brennt: Mit Teamwork will Andreas Vetsch das grosse Ziel erreichen

Es ist ein langer und steiniger Weg zu den Olympischen Spielen 2024 nach Paris. Der Grabser Andreas Vetsch freut sich aber auf die Challenge und ordnet diesem Ziel alle unter. Unterstützung erhält er von einem schlagkräftigen vielschichtigem Team.

Von robert.kucera
aktualisiert am 28.02.2023
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In der Sporthalle Bildstöckli in Oberriet fand vor einer Woche erstmals das Treffen des Teams rund um den Ringer Andreas Vetsch statt. Die Tätigkeiten und Funktionen unterscheiden sich stark. Doch gemeinsam verfolgt die Gruppe ein Ziel: Alles Erdenkliche tun, um dem Grabser die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu ermöglichen. Initiator ist Daniel Steiger, der bis Frühjahr 2021 14 Jahre lang als Präsident die Geschicke des Ringerclubs Oberriet-Grabs leitete. In seiner Amtszeit reifte Andreas Vetsch vom Talent zum möglichen Olympioniken. Ihn beschreibt Vetsch als sehr wichtiges Puzzleteil: «Er ist der Kopf des ganzen Teams.» Der Ringer ist dankbar über das grosse Netzwerk Steigers, welches bei der Sponsorensuche enorm hilft.

Detailpflege punkto Technik, Körper und Geist

Auf der Matte kann er sich auf seine Trainer Jurek Szeibinger und Andrii Vishar verlassen. Vetsch sagt:
Sie sind wichtig, wenn es darum geht, die kleinen Details zu finden.
Für diese, so der 26-Jährige, sei in einem Trainingslager oft zu wenig Zeit. «Umso wichtiger ist es, dass man im Heimtraining an der richtigen Technik feilt.» Mit Götti und Mentor Peter Vetsch hat er einen weiteren Experten auf dem Gebiet des Ringens. «Er ist meine grösste Bezugsperson. Mit ihm kann ich über alles reden und er ist vielfach auch der Erste, den ich wegen eines Rats aufsuche», hält Andreas Vetsch fest. Doch ohne gesunden Körper und Geist läuft auf der Matte nichts. Deshalb schätzt der Ringer die Arbeit seiner Physiotherapeutin Angela Worni: «Sie ist sehr wichtig für mich, wenn es irgendwo zwickt oder weh tut. Angela bringt mich wieder auf Vordermann.» Und da ist noch Mentalcoach Gregory Custodia:
Gregory Custodia sorgt dafür, dass ich frisch und locker bin im Kopf und dass ich zu 100 Prozent parat bin, wenn ich parat sein muss.
Grösste Einsatzbereitschaft ist auch von Social-Media-Supporter Nicolas Steiger gefragt. «Er kümmert sich um meine Homepage. Die Präsentation in der Öffentlichkeit muss gepflegt werden.» Vetsch weiss um die Wichtigkeit seines Erscheinungsbilds abseits der Matte. Auf Christian Lippuner (Finanzberater) und Natalia Worni (Freundin) kann er sich im administrativen Bereich verlassen. «Sie halten mir den Rücken frei», sagt Vetsch. So muss er sich nicht um offene Rechnungen kümmern und schwärmt: «Natalia ist mein Mädchen für alles. Sie steht voll hinter dem, was ich mache und ist meine Stütze, wenn es mir nicht läuft.»

Die Liebe zum Sport ist wichtig

Bis zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris dauert es noch zwei Jahre und etwas weniger als fünf Monate. Doch das olympische Feuer brennt bei Andreas Vetsch schon jetzt. «Es brennt eher noch mehr als vorher», zieht er den Vergleich zu den Spielen in Tokio, welche er verpasst hat. «Tokio kam für mich wohl noch etwas zu früh», sagt der Grabser rückblickend. Ausserdem sei die Qualifikation für die Spiele in der japanischen Hauptstadt stets ein Traum gewesen. «Paris dagegen war von Anfang an das Ziel.»
 In jedem einzelnen Training fordert und fördert Greco-Trainer Jurek Szeibinger (links) seinen Schützling Andreas Vetsch, um das Beste aus ihm herauszuholen.
In jedem einzelnen Training fordert und fördert Greco-Trainer Jurek Szeibinger (links) seinen Schützling Andreas Vetsch, um das Beste aus ihm herauszuholen.
Bild: Robert Kucera
Neben der Challenge, sich für die Olympischen Spiele in Paris zu qualifizieren, stellt es ebenfalls eine Herausforderung dar, dieses Feuer stets am lodern zu halten. Für Vetsch kein Problem. Der 26-Jährige erklärt:
Ich lebe zwar aus dem Koffer und bin selten daheim. Aber ich lebe meinen Traum.
Die Liebe zum Sport, hält Vetsch weiter fest. hilft ihm, das Wunschszenario zu erfüllen: Teilnahme und Geschichte schreiben. «Für dieses Ziel ordne ich alles unter.»

Schritt für Schritt an die Weltspitze

Quoten- oder Startplätze für die Schweiz gibt es im Ringen nicht. Man muss sich international behaupten und kann sich nur mit Top-Ergebnissen für Olympia qualifizieren. «Es wird bestimmt viele Tränen, Blut und Schweiss brauchen», äussert sich Vetsch. «Aber ich freue mich auf diese Challenge.» Das Ziel für Andreas Vetsch muss sein, sich der Weltspitze zu nähern und in einem weiteren Schritt Teil dieser Weltspitze zu sein. An den Europa- und Weltmeisterschaften dieses Jahr will der Grabser eine gewisse Konstanz reinbringen.
Ich will mich an der Spitze festsetzen. Top 5 der Welt oder Europa – das ist mein Anspruch.
Erreicht er dies, so seine feste Überzeugung, wird er sich für die Olympischen Spiele in Paris qualifizieren können. Dass er dazu in der Lage ist, hat er an der WM 2019 in Nur-Sultan (Kasachstan) mit bewiesen, als er den Halbfinaleinzug knapp verpasst hat. Erstmals gilt es im Herbst 2023 ernst für Vetsch. Denn an jenen Weltmeisterschaften werden die ersten Olympia-Tickets vergeben.

Ringer und Team haben viel gelernt

Um sich eines der begehrten Tickets zu sichern, wurde rund um Andreas Vetsch ein schlagkräftiges Team aufgestellt. «Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in unserem Verein ein so gutes Umfeld haben, welches einen Sportler unterstützen will», sagt der Kämpfer vom RC Oberriet-Grabs. «Ich hoffe, ich kann es mit der Olympia-Qualifikation oder sogar noch mehr zurückzahlen.» Die breite Unterstützung ist für ihn elementar. So kann er den Fokus voll auf den Sport setzen. «Es braucht ein grosses Team mit vielen Leuten. Sie wissen, wovon sie reden, sie sind vom Fach.» Nicht nur für Vetsch war der Weg in Richtung Tokio ein Lernprozess. Sein Umfeld hat wertvolle Erfahrungen sammeln können und weiss, was im Hinblick auf Paris zu tun ist.

Die Suche nach Teammitgliedern war leicht

Daniel Steiger, ehemaliger Präsident des Ringerclubs Oberriet-Grabs, hat ein Team geformt, welches ein klares Ziel verfolgt: Andreas Vetsch an die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu bringen. Mit Überzeugung in der Stimme sagt Steiger:
Wenn wir einen Ringer in unseren Reihen haben, der das Potenzial und die Möglichkeit hat, sich auf einen solchen Weg zu begeben, dann ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir ihn so gut es geht unterstützen.
Die Suche nach Teammitgliedern stellte sich als leicht heraus : «Ich bin hoch erfreut. Eine Anfrage hat jeweils gereicht, schon kam die Zusage.» Er ist überzeugt, dass mit dem vielschichtigen Team gute Voraussetzungen geschaffen wurden, dass sich Vetsch voll auf sein Ziel konzentrieren kann.

Greco-Trainer Jurek Szeibinger

Die Matte ist das Tätigkeitsgebiet von Jurek Szeibinger. Hier formt er Andreas Vetsch zu einem besseren Ringer. «Vom technischen her ist Andreas fast perfekt», verteilt der Pole viel Lob. «Die Herausforderung besteht darin, an den kleinen Sachen zu arbeiten.» Auf dem Weg nach Paris steckt der Teufel also im Detail. Es gilt, die verschiedenen Techniken zu 100 Prozent korrekt auszuführen. «Wir wiederholen die Übung so lange, bis er es richtig macht», hält Szeibinger fest und nennt ein Beispiel aus dem letzten Training: «Andreas musste die Hüfte noch etwas mehr drehen. Tut er dies im Kampf nicht, kann er den Gegner nicht richtig werfen.» Nur mit Perfektion in den Bewegungsabläufen kommt Vetsch seinem Ziel näher.
 Einen guten Eindruck will Andreas Vetsch auch in den sozialen Medien machen. Hier hilft ihm Nicolas Steiger (links).
Einen guten Eindruck will Andreas Vetsch auch in den sozialen Medien machen. Hier hilft ihm Nicolas Steiger (links).
Bild: Robert Kucera

Support Social Media Nicolas Steiger

«Ich sorge dafür, dass Andreas Vetsch online optimal vertreten ist», sagt Nicolas Steiger. Zurzeit wird die Homepage auf Vordermann gebracht, so dass diese professionell rüberkommt. «Die Website ist eine Herausforderung. Denn sie ist nie fertig und wird ständig weiter entwickelt», ergänzt Steiger. Auf welchen Social-Media-Kanälen Andreas Vetsch gepusht wird und in welchem Umfang, werde man noch diskutieren. «Die Möglichkeiten sind gross. Wir werden eine genaue Analyse machen.»

Mentor und Götti Peter Vetsch

Für die ringerische Aussenansicht hat Andreas Vetsch seinen Mentor und Götti Peter Vetsch an seiner Seite. Er verfolgt die Kämpfe per Livestream und gibt ihm Feedbacks. Da Vetsch Schiedsrichter ist, kann er aus einer anderen Optik heraus als der Trainer den Ringer besser machen. Dazu nennt er ein Beispiel:
Andreas muss mehr machen. Sein Ringerstil ist für Schiedsrichteraugen nicht aktiv. Der Schiedsrichter will Aktionen sehen, wie er den Gegner versucht, aus der Position zu bringen.»
Von aussen betrachtet fehlt Andreas Vetsch zuweilen hier die letzte Konsequenz. Die Absicht, einen Angriff zu lancieren, punkten zu wollen, müsse noch klarer ersichtlich sein. Andernfalls erhält sein Gegner den Vorteil im Bodenkampf.

Physiotherapeutin Angela Worni

Im Anschluss an ein Turnier oder Trainingslager ist der Gang zur Physiotherapeutin unumgänglich geworden. «Hauptsächlich löse ich Spannungen», erzählt Angela Worni. «Ich brauche bestimmt mehr Kraft als bei einem Büroangestellten», berichtet sie lachend. «Doch ich quäle ihn auch.» Besonders, wenn es irgendwo zwickt und Vetsch sie wegen Schmerzen aufsucht.
 Physiotherapeutin Angela Worni weiss, wo es zuweilen zwickt.
Physiotherapeutin Angela Worni weiss, wo es zuweilen zwickt.
Bild: Robert Kucera
So hält sie fest, dass der untere Rücken die Problemzone von Vetsch sei. «Er kann mega gut beschreiben, was ihm weh tut, wie sehr es schmerzt. Das macht es einfacher für mich», so Worni. Die Zusammenarbeit funktioniert ebenfalls aus der Distanz. So übermittelte sie auch schon Übungen mit Bildern, so dass Vetsch auswärts seinem Körper was Gutes tun kann.

Finanzverwalter Christian Lippuner

Treuhänder Christian Lippuner ist der Buchhalter von Andreas Vetsch. «Meine Aufgabe ist das Aufstellen des Budgets und ob wir im Plan sind», hält er fest. Während Daniel Steiger sich darum kümmert, viele Sponsoren an Bord zu holen, ist Lippuner der Garant, dass das Geld zweckentsprechend eingesetzt wird. «Von Monat zu Monat müssen wir schauen, ob man mit den finanziellen Mitteln zurecht kommt. Der Geldfluss darf nie abebben.»

Mentalcoach Gregory Custodia

Im Ringen ist nicht nur Muskelstärke gefragt. Deshalb ist Gregory Custodia mit von der Partie:
Ich sorge dafür, dass Andreas Vetsch mental topfit ist.
Der Mentalcoach hält fest, dass man nur mit einem gelösten, lockeren Kopf die Kräfte für den Sport optimal nutzen kann. An den Sitzungen werden Themen angesprochen, die Vetsch beschäftigen. «Ich gebe ihm dann verschiedene Werkzeuge in die Hand, wie er damit umgehen kann.» Custodia gibt ihm Übungen mit auf dem Weg, die er daheim oder unterwegs machen kann. Besonders wichtig ist die geistige Entspannung zwischen den Trainings und Wettkämpfen. Da helfen beispielsweise Atemübungen.
 Auch der Kopf ist im Ringen gefordert. Hier bereitet Mentalcoach Gregory Custodia (rechts) Andreas Vetsch auf eine Atemübung vor.
Auch der Kopf ist im Ringen gefordert. Hier bereitet Mentalcoach Gregory Custodia (rechts) Andreas Vetsch auf eine Atemübung vor.
Bild: Robert Kucera
Auch für die optimale mentale Vorbereitung auf ein Training oder einen Kampf wird ein Fahrplan erstellt. In einem Bereich muss Andreas Vetsch besonders Fortschritte machen, um seinen Kopf zu leeren. «Wenn er schon weit im Voraus weiss, wer der nächste Gegner ist – auch wenn er nicht weiss, wie dieser kämpft – bringt ihn das zum Nachdenken. Dieses Versteifen auf den Gegner müssen wir angehen.»

Freundin und Zuhörerin Natalia Worni

Last but not least ist Freundin Natalia Worni eine wichtige Komponente auf dem Weg nach Paris. «Bei mir kann Andreas Dampf ablassen», sagt Worni. Sie hat stets ein offenes Ohr, unterstützt ihn mit Rat und Tat, sorgt dafür, dass er in den eigenen vier Wänden abschalten kann. Es hilft Vetsch, dass seine Freundin viel Verständnis hat. «Er ist sehr viel unterwegs. Doch ich kenne es nicht anders seit wir zusammen sind.»