Hinweis: Eine Übersicht über die Abklärungen zum Windpark gibt es unter diesem Link.
Herr Domenig, wo stehen die Abklärungen zum Wartauer Windpark aktuell?
Rolf Domenig: Es laufen drei Prozesse gleichzeitig: die Abklärungen zum Bauprojekt, zur Umweltverträglichkeit und zu einem Sondernutzungsplan. Diese Prozesse sind jeweils voneinander abhängig.
Je nachdem, welchen Windradtyp wir wählen, gibt es andere Einflüsse auf die Umwelt. Je nachdem, welche Umwelteinflüsse es gibt, müssen wir einen anderen Typ wählen. Und je nachdem, welche Auflagen für eine Genehmigung des Sondernutzungsplans gelten, beeinflusst das die anderen beiden Faktoren.
Also ein Ei-Huhn-Problem.
Schon, ja. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Plan auszurollen und an allem gleichzeitig zu arbeiten. Dies vor dem Hintergrund, dass alle drei Prozesse ergebnisoffen sein sollten. Man muss dennoch aufpassen, dass man nicht den Überblick verliert.
Worin liegen aktuell denn die Schwierigkeiten?
In der Wahl einer geeigneten Windkraftanlage. Es gibt keinen Katalog, aus dem wir uns eine aussuchen können. Auch macht es keinen Sinn, verschiedene Offerten einzuholen und dann die günstigste zu nehmen.
Ein möglicher Lieferant braucht Windmessdaten – die wir bereits haben –, um sie mit seinem Produktportfolio abzugleichen. Es muss eine Anlage sein, die mindestens für die geplante Lebensdauer verfügbar ist. Wenn er kein solches Windrad im Angebot hat, müssen wir unser Projekt anpassen.
Können Sie beim aktuellen Stand des Projekts überhaupt schon einen Windradtyp auswählen?
Dank der Voruntersuchung können wir die Abklärungen schon so weit eingrenzen, dass es für einen ersten Projektentwurf reicht.
In der Juni-Ausgabe des Wartauer Gemeindeblatts schreiben Sie, dass die Hauptuntersuchung wohl noch zweieinhalb Jahre dauert. Wieso?
Es gibt Naturereignisse, die nur einmal jährlich stattfinden. Etwa der Herbstvogelzug. Damit wir verlässliche Ergebnisse haben, müssen wir diesen möglicherweise zweimal erfassen. Weil sich die vielen Faktoren gegenseitig beeinflussen, müssen wir deshalb viel Zeit einplanen.
Wir waren selbst überrascht, dass es noch so lange dauert. Ursprünglich gingen wir davon aus, dass die UVB-Hauptuntersuchung Ende 2026 abgeschlossen sein könnte.
Wer ist am Hauptbericht beteiligt?
Wichtig zu unterscheiden ist, dass wir als Windpark Wartau AG den Bericht verfassen und der Kanton ihn anschliessend prüft. Wenn ich von «wir» spreche, dann meine ich allen voran ein Ökobüro, das sich auf solche UVBs spezialisiert hat, sowie ein Raumplanungsbüro für den Entwurf des Sondernutzungsplans.
Ersteres zieht für seine Arbeit Fachspezialisten bei, idealerweise solche mit Lokalkenntnissen. Die Windpark Wartau AG ist Auftraggeberin und Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren.
Was ist Ihre Rolle als Projektleiter?
«Tätschmeister» ist wohl der treffendste Begriff. Die Vertreter der Trägerschaft, also die Ortsgemeinde, die Politische Gemeinde, die EW Wartau und die TBB Immobilien AG, treffen sich regelmässig zu Sitzungen. Meine Aufgabe ist es, diese Sitzungen vorzubereiten und zu leiten. Anschliessend setze ich die Themen um, die aufkommen, und bringe die Resultate wieder vor das Gremium.
Und Ihr persönliches Ziel?
Ein bewilligungsfähiges und wirtschaftliches Windkraftprojekt zu entwickeln. Daran arbeite ich nicht allein, sondern mit den zahlreichen Beteiligten. Wie das Projekt dann politisch umgesetzt wird und wie es finanziert wird, ist Aufgabe der Trägerschaft.
Stichwort «politisch»: Welchen Einfluss haben Abstandsinitiativen und andere kritische Kampagnen auf das Projekt?
Es ist wichtig für eine Demokratie, dass es solche Mittel gibt. Jeder soll die Möglichkeit haben, solche Projekte zu kritisieren oder zu hinterfragen. Natürlich sind Windkraftanlagen sichtbar. Wie alle menschlichen Eingriffe in die Natur sind sie ein Störfaktor. Deshalb ist es wie gesagt mein Anspruch, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.
Das ist letzten Endes der einzige Grund, für die vielen Abklärungen. Wir wollen die Frage beantworten, ob die Windverhältnisse und die heute zur Verfügung stehenden Produkte einen wirtschaftlichen Betrieb eines Windparks auf Wartauer Boden umweltverträglich zulassen.
Zur Person
Rolf Domenig studierte Energietechnik und Betriebswirtschaft. Das prädestinierte ihn dafür, Projektleiter zu werden. In dieser Funktion war er so lange international tätig, bis er eine Familie gründete. Mit dieser liess er sich im Werdenberg nieder.
Zehn Jahre lang war er Chef der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke SAK. Danach machte er sich in der Kunststoffverarbeitung selbstständig, hatte aber bis heute immer nebenamtlich Ämter in der Energiebranche inne. Dieses Geschäft gab er vor einigen Jahren weiter und übernahm die Leitung des Altersheims Mösli in Gams.
Vor zwei Jahren zog sich Domenig aus dem aktiven Berufsleben zurück und arbeitet seither nur noch im Mandatsverhältnis.
Domenig zu Windparkabklärungen: «Wir waren selbst überrascht»