Mit den ersten Schneetagen taucht alljährlich in Stammtischdiskussionen oder journalistischen Beiträgen die Frage auf, ob es sinnvoll oder sogar schädlich ist, Gartenvögel mit Futterhäuschen zu unterstützen. Man könnte annehmen, dass unsere einheimischen Vogelarten, die den Winter bei uns verbringen, von der Natur ausreichend ausgerüstet sind, um diese Zeit zu überstehen. So vertreten es die meisten Ornithologen.
Andere Vogelfreunde hingegen sind überzeugt, dass unsere heimischen Vögel heute nicht mehr in der Lage sind, mit dem natürlichen Nahrungsangebot auszukommen, das sie in einer zunehmend ausgeräumten Landschaft vorfinden. Die Gartenvögel zu füttern, ist daher eine beliebte Möglichkeit, etwas für die Natur und besonders für die Kleinvögel zu tun.
Wer hat also recht – eventuell beide oder gar keiner? Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Tatsächlich ist unsere Natur stark ausgeräumt. Sträucher, vor allem einheimische Beerenträger wie Eberesche, Schlehe, Schneeball und Liguster, werden häufig zugunsten exotischer Blüten wie Forsythien und Kirschlorbeer entfernt.
Ich habe mich einmal in zeitgenössischen Werken informiert, welche Ansichten früher und heute verbreitet sind: «Brehms Tierleben» (1864) warnt davor, Vögel vom Menschen abhängig zu machen. Für Gartenvögel im Winter gilt: «Massvolle, artgerechte Fütterung ist erlaubt – Hauptsache sauber und verantwortungsvoll.» Google (1989) schreibt: «Wildtiere sollte man besser nicht füttern, vor allem nicht mit menschlicher Nahrung wie Brot oder Essensresten. Gartenvögel sind mit artgerechtem Futter erlaubt.» ChatGPT (2022) meint: «Im Winter ist Vogelfütterung im Garten sinnvoll, wenn sie artgerecht, sauber und massvoll erfolgt.»
Damit hätten wir fast eine gemeinsame Meinung: Gartenvögel darf man in Notzeiten wie Trockenheit oder strengen Wintern füttern. Auch für Eichhörnchen, Igel, Waldmäuse und anderes kleines Getier ist dies erlaubt, wenn das richtige Futter angeboten wird. Stadttauben und Enten am See zu füttern, halte ich persönlich für problematisch und ein No-Go.
Gartentipp: Vögel füttern – ja oder nein?