Die sogenannte Heiratsstrafe ist ungerecht und soll beseitigt werden. Aber die Individualbesteuerung ist dafür der falsche Weg. Erstens schafft sie unnötige Bürokratie. Mit der Umstellung müssten schweizweit rund 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen verarbeitet werden – inklusive Kontrolle und Veranlagung. Das bedeutet mehr Aufwand für die Steuerämter und am Ende auch mehr Kosten für uns alle. Vor allem aber belastet es Familien zusätzlich: mehr Formulare, mehr Rückfragen, mehr Zeit.
Auch bei uns in der Region würden die kantonalen und kommunalen Steuerämter zusätzliche Dossiers bewältigen müssen. Das bindet Fachkräfte, verlängert Abläufe und schafft Rückstau – ausgerechnet dort, wo man heute schon effizient arbeiten muss. Zweitens trifft die Individualbesteuerung ausgerechnet jene Haushalte, die heute schon viel tragen: Familien mit Einverdiener-Modell oder stark unterschiedlichen Einkommen, oft weil ein Elternteil zugunsten der Kinderbetreuung weniger arbeitet. Damit wird nicht einfach eine Ungerechtigkeit beseitigt, sondern eine neue geschaffen.
Die Vorlage setzt klare Anreize, dass beide Elternteile möglichst viel ausser Haus arbeiten. Wer sich bewusst entscheidet, Zeit in Betreuung und Erziehung zu investieren, wird steuerlich bestraft statt wertgeschätzt. In Interviews lese ich dann Aussagen wie: «Leistung soll sich lohnen.» Das klingt geradezu polemisch, wenn man bedenkt, was für eine Leistung die Kindererziehung für die gesamte Gesellschaft darstellt. Wenn wir Eltern jedoch systematisch Richtung Vollzeitarbeit drängen, steigt auch bei uns der Druck auf Kitas und Schulen.
Wir sehen schon heute, wie schwierig es ist, genügend Personal zu finden – und wie sehr Schulen belastet werden, wenn Erziehungsarbeit zunehmend ausgelagert wird. Die Heiratsstrafe lässt sich auch ohne Systemwechsel beseitigen, etwa mit der Fairness-Initiative von Der Mitte und EVP – eine faire, alternative Steuerberechnung, die Verheiratete nicht schlechter stellt, egal welches Familienmodell sie wählen. Darum stimme ich am 8. März überzeugt Nein zur Individualbesteuerung.
Timon Hofmänner, Churerstrasse 101, 9470 Buchs
Heiratsstrafe abschaffen – aber nicht mit mehr Bürokratie