Hinter jeder Wegbiegung wartet Neues | W&O

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Hinter jeder Wegbiegung wartet Neues

Um die 450 Naturbegeisterte kamen an den Tag der offenen Schollenmühle des Vereins Pro Rheintal im Riet zwischen Altstätten und Oberriet.

Von pd
aktualisiert vor 1 Stunde

Über den Wiesen lag noch Tau, als sich letztes Wochenende am frühen Samstagmorgen die ersten Velolichter durch die Dämmerung bewegten. Aus allen Richtungen kamen sie: Naturfreunde, Vogelliebhaber, Frühaufsteher und Familien. Manche gemütlich radelnd, andere zügig zu Fuss. Doch alle hatten dasselbe Ziel – die Schollenmühle im Riet zwischen Altstätten und Oberriet.

Mit einem solch grossen Andrang hatte kaum jemand gerechnet, schreibt der auch im Werdenberg aktive Verein Pro Riet Rheintal, der den Tag der offenen Schollenmühle jeweils organisiert, in seiner Mitteilung. Rund 120 Personen kamen zur Vogelexkursion. Jung und Alt standen erwartungsvoll zusammen und teilten die Vorfreude. Vier Gruppen wurden gebildet, und es ging hinaus in die erwachende Rietlandschaft.

Ein herrliches Morgenkonzert

Die ersten Sonnenstrahlen tauchten das Gebiet in warmes Licht, und die Natur spielte ihr Morgenkonzert. Der Ruf des Kuckucks hallte durch die Luft, aus den Bäumen erklang der Pirol, Rohrammern und Sumpfrohrsänger liessen sich hören. Rund um die Schollenmühle klapperten die Störche. Über 30 Brutpaare haben hier ihre Nester gebaut, und in vielen reckten bereits die Jungen neugierig ihre Köpfe in die Höhe.

Doch nicht nur Vögel zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Feldhasen huschten durchs Gras, Frösche quakten am Wegesrand, und immer wieder blieben die Gruppen stehen, um die Spuren eines besonderen Landschaftsgestalters zu entdecken: des Bibers. So wurde die Exkursion zu einer kleinen Entdeckungsreise, bei der hinter jeder Wegbiegung etwas Neues wartete.

Was zappelt da im Netz?

Am Nachmittag verwandelte sich das Gelände rund um die Schollenmühle in einen bunten Natur-Erlebnisraum. Rund 330 Besucherinnen und Besucher belebten das Areal. Besonders am Teich herrschte reger Betrieb. Mit Keschern in der Hand machten sich Kinder auf die Suche nach den geheimnisvollen Bewohnern der Teichwelt. Kaum war ein Netz aus dem Teich gehoben, versammelten sich neugierige Augen um die Becherlupen: Libellenlarven, Wasserläufer, Wasserschnecken oder Gelbrandkäfer wurden bestaunt. Manchmal begeisterte auch ein Frosch oder ein Molch.

Auch Frösche gingen ins Netz und wurden gespannt betrachtet, bevor sie wieder zurück ins Wasser hüpften.
Auch Frösche gingen ins Netz und wurden gespannt betrachtet, bevor sie wieder zurück ins Wasser hüpften.
Bild: PD

Gleichzeitig boten Kurzführungen spannende Einblicke in die Geschichte der Schollenmühle. Die Besucherinnen und Besucher erfuhren, wie hier früher Torf abgebaut wurde – in harter Handarbeit, Scholle für Scholle aus dem nassen Boden gestochen.

Als Torf noch die Häuser heizte

Wo heute Familien zur Erholung herkommen, standen früher Familien im Riet und stachen Torf. Dieser diente als Brennmaterial und wärmte im Winter die Stuben. Beim traditionellen Schollenstechen wurde diese Geschichte greifbar.

Während rund um die Schollenmühle beobachtet, gespielt und gestaunt wurde, lief im Hintergrund die Klangkulisse des Riets weiter. Das Klappern der Störche, der Ruf des Pirols und das unverwechselbare «Kuckuck» aus der Ferne begleiteten durch den Tag. Viele der 450 Besucherinnen und Besucher dürften mit einem Lächeln und vielen neuen Eindrücken aus der Natur nach Hause gegangen sein. (pd)