Hunde-Urin wird zum Problem: Ostschweizer Stadt kämpft mit Schäden und Beschwerden | W&O

Altstätten • vor 20 Minuten

Hunde-Urin wird zum Problem: Ostschweizer Stadt kämpft mit Schäden und Beschwerden

Mit Wasserflaschen und Bussen gehen Städte wie Wien, Barcelona oder Chiasso gegen Hunde-Urin vor. In der Ostschweiz kennt man solche Massnahmen nicht. Doch ausgerechnet in einer kleineren Stadt ist das Hunde-Pipi längst zum Ärgernis geworden.

Von Saskia Ellinger
aktualisiert vor 17 Minuten

Darum geht es

  • In Wien werden seit Mitte Oktober kostenlose Wasserflaschen verteilt, damit Hundehalter den Urin ihrer Vierbeiner wegspülen.
  • In St.Gallen, Wil, Kreuzlingen und Frauenfeld ist Hunde-Urin im öffentlichen Raum kaum ein Thema.
  • Anders in einer Stadt im Kanton St.Gallen: Dort beschädigt der Hunde-Urin die Gebäude der Altstadt – zum Leid der Ladenbesitzer.

«Sackerl fürs Gackerl» war gestern, jetzt kommt das «Flascherl fürs Bacherl»: Im Wiener Bezirk Neubau erhalten Hundebesitzerinnen und -besitzer seit Mitte Oktober kostenlos Wasserflaschen. Pinkelt der Vierbeiner an einen Baum oder eine Hauswand, soll mit Wasser nachgespült werden. Wie die Stadt Wien schreibt, soll das Wasser den Urin verdünnen und damit die Belastung für Pflanzen und Bäume reduzieren.

Was zunächst etwas kurios klingt, wirft die Frage auf: Braucht es das auch in der Ostschweiz?

In den grossen Ostschweizer Städten bleibt der Ärger aus

Bei der Stadtpolizei St.Gallen gehen wegen Hunde-Urin jährlich höchstens ein bis zwei Meldungen ein. Schäden an Gebäuden, Bäumen oder Grünflächen sind ihr keine bekannt. Deutlich häufiger beschwert sich die Bevölkerung laut der Stadtpolizei über liegengelassenen Hundekot. Sollten die Meldungen künftig zunehmen, würde die Stadtpolizei Massnahmen prüfen. Auch in Wil ist Hunde-Urin derzeit kein Thema, entsprechend gibt es keine Massnahmen.

Ähnlich klingt es aus dem Thurgau. Kreuzlingen wurde bislang weder mit Beschwerden noch mit Schäden an Gebäuden, Bäumen oder Grünflächen konfrontiert. Empfehlungen zum Wegspülen gibt es keine.

In Frauenfeld kommt der Werkhof hingegen durchaus mit Hunde-Urin in Berührung. Hunde benetzen etwa Abfalleimer und Unterflurcontainer, sagt Daniel Weishaupt, Abteilungsleiter Werkhof und Stadtgrün. Folgen würden erst nach Jahren und bei häufiger Belastung sichtbar. Unangenehm sei für die Mitarbeiter vor allem der Geruch. Beschwerden aus der Bevölkerung gebe es jedoch keine.

In Altstätten sieht es ganz anders aus

Im Rheintal kennt man das Problem hingegen bestens. Altstätten lancierte deshalb bereits 2024 eine Plakataktion. Aufgrund vieler ähnlicher Meldungen von Ladenbesitzern versucht die Stadt seitdem, Hundehalter für das Problem zu sensibilisieren. Verschwunden ist es bisher nicht. «Hunde markieren oft an denselben Stellen. Fängt einer an, muss der nächste drüber», sagt Altstadtkoordinatorin Astrid Rohrhirs.

Das Problem konzentriere sich vor allem auf einige Stellen in der historischen Altstadt – mit sichtbaren Folgen:

Der Hunde-Urin greift unsere historischen Sandsteinmauern an, und Metall beginnt zu rosten.

Auch Ladenbesitzer beschweren sich laut Rohrhirs, weil sie ihre Vorplätze schrubben und sauber halten müssten.

An manchen Hausecken im Altstätter Städtli hinterlässt der Hunde-Urin sichtbare Spuren.
Mit solchen Plakaten macht die Stadt auf das Problem aufmerksam und bittet Hundehalter um Rücksicht.

Dass Hunde-Urin nicht nur an Fassaden Spuren hinterlassen kann, zeigt ein Fall auf Teneriffa. Dort stürzte 2021 eine rund zehn Meter hohe Palme auf ein parkiertes Auto. Wie das deutschsprachige «Wochenblatt» berichtete , ergab eine anschliessende Untersuchung, dass Hunde-Urin die Palme über längere Zeit geschädigt hatte.

Einfache Lösung fehlt bislang

In Altstätten hängen die Plakate auch heute noch teilweise in den Läden oder an Bäumen. Die Reaktionen seien zu Beginn der Aktion gemischt gewesen, sagt Rohrhirs. Einige Personen hätten sich angegriffen gefühlt, gleichzeitig habe es viel positives Feedback gegeben. Sogar von ausserhalb Altstättens seien Plakate angefragt worden.

Eine einfache Lösung hat die Stadt bislang aber nicht gefunden. Sie sucht deshalb nach Orten, auf die sie Hundehalter verweisen können. In der dicht bebauten Altstadt seien solche Alternativen allerdings schwierig zu finden, so Rohrhirs.

Wasserflasche ja, Busse nein

Während Wien auf Freiwilligkeit setzt, geht eine Tessiner Kleinstadt weiter. In Chiasso müssen Hundehalter seit Mitte August Wasser mitführen und den Urin ihrer Tiere wegspülen.  Beim ersten Verstoss gibt es eine Verwarnung, im Wiederholungsfall drohen 100 Franken Busse. Soweit bekannt, ist Chiasso die einzige Schweizer Gemeinde mit einer solchen Wasserflaschenpflicht. Auslöser waren Beschwerden aus der Bevölkerung. Bei Hitze und Trockenheit waren die Gerüche insbesondere im Ortszentrum stärker wahrnehmbar geworden.

Könnte eines der beiden Modelle ein Vorbild für Altstätten sein? Der Ansatz aus Wien, Hundehalter zum freiwilligen Wegspülen zu bewegen, kommt bei Rohrhirs jedenfalls gut an. 

Das finden wir eine sehr coole Idee.

Es wäre schön, wenn es in Altstätten mit der Zeit selbstverständlich werde, den Hunde-Urin mit Wasser wegzuspülen, sagt Rohrhirs.

Eine Pflicht mit Bussen nach dem Vorbild von Chiasso kommt für die Altstadtkoordinatorin hingegen nicht infrage. Man wolle nicht, dass Hundehalter das Gefühl bekämen, in Altstätten nicht willkommen zu sein. Und eine solche Vorschrift müsste schliesslich auch jemand kontrollieren, sonst nütze sie nichts.