«Klima der Verunsicherung und der Angst»: Schule Reute bleibt nach Drohungen geschlossen | W&O

Reute AR 22.01.2026

«Klima der Verunsicherung und der Angst»: Schule Reute bleibt nach Drohungen geschlossen

Die Schulverwaltung Oberegg hat die Primarschule in Reute für zwei Tage wegen «sicherheitsrelevanter Vorfälle» geschlossen. Auslöser sei ein Vorfall in Oberegg gewesen, schreibt die Gemeindepräsidentin. Der Kantonspolizei Ausserrhoden liegt allerdings noch keine Strafanzeige vor.

Von Jochen Tempelmann
aktualisiert am 22.01.2026
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Brisante Post für die Eltern der Schulkinder von Reute: Am Donnerstag und Freitag bleibt die Primarschule geschlossen. Dies teilte die Schulverwaltung per Brief mit. Grund dafür ist ein Vorfall mit einem Elternteil. Die Details sind noch unbekannt – doch der Vorfall muss beunruhigend gewesen sein. So beunruhigend, dass die Schule zum Schutz von Lehrkörper und Kindern bis zu den Skiferien in der kommenden Woche geschlossen bleibt.

Zuerst hatte der «Blick» einen Brief an die Eltern zitiert. Darin schreibt die Schulverwaltung, es sei in den letzten Tagen zu «Bedrohungen und konkreten sicherheitsrelevanten Vorfällen» gekommen. Zudem habe die Schulleitung mehrere Rückmeldungen von Eltern erhalten, dass sich Kinder auf dem Schulweg und im Umfeld der Schule bedroht fühlen und Angst haben. Einzelne Kinder seien deswegen bereits von der Schule genommen worden.

Auslöser war ein Vorfall in Oberegg

Im Laufe des Donnerstags wurden weitere Details bekannt. Die Gemeinde Reute schrieb in einer Medienmitteilung, dass die Bedrohungslage von einem Elternteil aus Appenzell Ausserrhoden ausgeht. Konkreter Auslöser sei ein Vorfall mit besagtem Elternteil im benachbarten Oberegg gewesen. Laut «Blick» handelt es sich um den Vater eines Kinds, der schon länger mit einer Lehrperson im Streit liegt. Was genau vorgefallen ist und wer neben dem Elternteil in den Vorfall involviert war, ist unbekannt.

 

Karin Steffen, Gemeindepräsidentin von Reute.
Karin Steffen, Gemeindepräsidentin von Reute.
Bild: PD/Marcel Steiner


Der Vorfall muss gravierend gewesen sein. Karin Steffen, Gemeindepräsidentin von Reute, sagt: «Alle Involvierten sind physisch unversehrt. Doch für die Kinder war es sicher ein Schock.» Schulleiter Steven Thoma ergänzt: «Lehrpersonen, Erziehungsberechtigte und Schulkinder – der Vorfall hat bei Vielen Ängste und Betroffenheit ausgelöst.» Steffen sagt weiter: «Es ist davon auszugehen, dass das eine Vorgeschichte hat.»

 

Schulleitung und Gemeinde zogen nach dem jüngsten Vorfall die logische Konsequenz und schlossen die Schule. Steffen sagt: «Wir mussten reagieren, bevor es zu spät ist. Die Sicherheit der Kinder liegt uns sehr am Herzen.» Und die Schulleitung schrieb an die Eltern:

Im aktuellen Klima von Verunsicherung und Angst ist ein Schulunterricht nicht möglich.

Noch keine Strafanzeige bei der Polizei

Der Vorfall war der Schulleitung und der Gemeinde von Dritten gemeldet worden. Bei den Kantonspolizeien beider Appenzell waren am Donnerstag allerdings noch keine Strafanzeigen hinsichtlich des Vorfalls eingegangen. Der Ausserrhoder Kantonspolizei-Mediensprecher Marcel Wehrlin sagt: «Bislang liegen keine detaillierten Angaben über die Geschehnisse vor.»

Für die Öffentlichkeit habe jedoch keine Gefahr bestanden. Schulleiter Steven Thoma ergänzt: «Ich habe mit einigen besorgten Eltern telefoniert und ihnen gesagt, dass ihre Kinder draussen spielen können. Es liegt keine akute Bedrohung vor.»

Bedrohliche Situation an der Primarschule Reute: Die Schulleitung hat den Unterricht für zwei Tage gestrichen.
Bedrohliche Situation an der Primarschule Reute: Die Schulleitung hat den Unterricht für zwei Tage gestrichen.
Bild: Niklas Thalmann

Da der Kantonspolizei aktuell keine Strafanzeige vorliege, habe die Polizei bislang nicht weiter aktiv werden können. Dessen ist sich Gemeindepräsidentin Karin Steffen bewusst. «Wir haben die Gefahrenlage so eingeschätzt, dass wir auch ohne Strafanzeige der Meinung waren, handeln zu müssen.» Die Frage, was strafrechtlich relevant sei, sei noch offen. Die Gemeinde und Schulverwaltung stünden diesbezüglich mit der Polizei im Austausch.

Während die Primarschülerinnen und -schüler frei hatten, hat sich der Lehrkörper am Donnerstag über die Situation ausgetauscht. Schulleiter Thoma sagt: «Wir haben besprochen, wie wir zur Ruhe kommen können und wie es weitergeht.» In der kommenden Woche sind Skiferien – die Behörden haben also etwas Zeit, sich das weitere Vorgehen zu überlegen. Die Eltern sollen entsprechend informiert werden. Steffen zeigt sich optimistisch, dass der Unterricht nach den Ferien wieder regulär aufgenommen werden kann.