Mit Feingefühl zu gelungenen Reiterszenen | W&O

Rüthi/Oberriet vor 5 Stunden

Mit Feingefühl zu gelungenen Reiterszenen

Wenn die Pferde im Galopp die Freilichtbühne erobern, ist Nora Wüst immer mittendrin. Seit der ersten Inszenierung sitzt der 65-Jährige bei jeder Aufführung im Sattel. Mit seiner langjährigen Erfahrung trägt er massgeblich zu den beim Publikum sehr beliebten Szenen bei.

Von pd
aktualisiert vor 5 Stunden

Heiter, engagiert und pferdebegeistert: Das ist Nora Wüst. Seit er denken kann, sitzt der Oberrieter im Sattel. Mit 15 Jahren erhielt er sein erstes eigenes Pferd. Mittlerweile blickt er auf über 60 Jahre Reiterfahrung zurück. Rund 30 Pferde hat er im Laufe der Jahre gezüchtet, aktuell stehen acht bei ihm zu Hause im Stall. Ein Leben ohne Pferde gab es bei ihm nie – und wird es wohl auch nie geben.

Zur Freilichtbühne Rüthi kam Nora Wüst 1991, als der Reitverein Oberriet angefragt wurde, ob seine Mitglieder die berittenen Szenen der damaligen Tellspiele übernehmen könnten. Seither ist er fester Bestandteil der Produktionen – «Kurhotel Kamor» wird seine elfte sein. Insgesamt fünf verschiedene Pferde, allesamt aus eigener Zucht, hatte er auf der Bühne bereits unter dem Sattel.

Die 14-jährige Scheckstute meistert Auftritte souverän

Unter seinen Theaterpferden fällt besonders seine temperamentvolle Scheckstute Cora ins Auge. Am wohlsten fühlt sie sich an der Spitze des Feldes. Dies hat sie zum vierbeinigen Liebling vieler Zuschauerinnen und Zuschauer gemacht.

Feurige Pferde haben es Nora Wüst durchaus angetan. Wer jedoch meint, er wähle seine Bühnenpferde nach deren Temperament aus, irrt. «Auf der Bühne mag ich lieber ruhigere Pferde», so Wüst. «Aus organisatorischen Gründen hatte ich mich vor einigen Jahren für Cora entschieden. Ich habe einige Reitbeteiligungen, denen ich für das Theater bewusst gelassene Pferde zur Verfügung stellte. So blieb für mich die temperamentvolle Scheckstute übrig.» Dass Cora die Aufführungen so souverän meistern würde, hätte er anfangs nicht gedacht. Als Reiterobmann der Freilichtbühne Rüthi kann er jedoch seine langjährige Erfahrung in die Planung einbringen. Er prüft die Abläufe – und wenn eine Sequenz für Pferd oder Reiter nicht stimmig ist, wird sie angepasst oder verändert. Das Wohl der Tiere und die Sicherheit aller stehen dabei stets im Vordergrund.

Das Reiten auf der Bühne erfordert nebst Können auch Feingefühl. Musik, Lichtwechsel, Spezialeffekte und Applaus bedeuten für einige Pferde Neuland.

Proben geben Pferd und Reiter Sicherheit

«Sie müssen solche Situationen erst kennenlernen», erklärt Wüst. Schön sei, dass sich die Pferde bei der Freilichtbühne Rüthi schrittweise an die neuen Begebenheiten gewöhnen dürfen. So stehen bei den Proben anfangs nur die Kulissenbauten sowie die Schauspieler auf der Bühne. Danach folgen Proben mit Musik, Licht und Effekten.

Setzt die Musik ihrer Szene ein, erkennen die Pferde dies

Der Applaus kommt logischerweise erst bei der Premiere dazu. Dank der erprobten Bühnenpferde fühlen sich auch die Theaterneulinge rasch sicher, denn Ruhe wirkt ansteckend. Nach einigen Vorführungen sind die Pferde nicht nur routinierter, sie kennen auch die Abläufe auswendig. Setzt die entsprechende Szenenmusik ein, wissen sie oft vor dem Reiter, dass sie gleich über die Bühne preschen dürfen. So wird die Scheckstute Cora auch bei «Kurhotel Kamor» wieder mit den Hufen scharren und ihrem Reiter somit voller Vorfreude zu verstehen geben: «Ich wär dann mal bereit für unsere Galoppszene.»

Hinweis: Infos und Tickets zum aktuellen Stück: https://kurhotelkamor.ch