Im Mittelalter wurde die Jagd zu einem Privileg des Adels. Im Zentrum stand das Sammeln von Trophäen. Diese Zeiten sind vorbei. Heute gehen Menschen unterschiedlichen Alters sowie aus verschiedenen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen auf die Jagd. «Meine Motivation für die Jagd ist die Freude an der Natur», sagt Andrea Schönenberger. Die 28-Jährige ist schulische Heilpädagogin und nahm vor gut zehn Jahren erstmals an einer Gesellschaftsjagd teil, damals als Treiberin.
Inzwischen hat sie die Jagdprüfung abgelegt und verbringt viel Zeit in ihrem Revier. «Ich bin naturnah aufgewachsen. Dank eines Arbeitskollegen meines Vaters haben wir häufig Wild gegessen», erzählt sie.
Irgendwann interessierte mich, woher dieses Fleisch kommt.
Rothirsch nicht nur als Schädling betrachten
Die Nutzung des gesunden Fleisches, aber auch das Interesse an den verschiedenen Tierarten und deren Lebensräumen sowie die daraus entstehenden Konflikte beschäftigten Peter Eggenberger früher beruflich. Als Wildhüter und ehemaliger Förster sah er sich als Anwalt der Tiere und versuchte, zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu vermitteln.
«Mir war es wichtig, dass der Rothirsch nicht nur als Schädling betrachtet wird», sagt der 74-jährige Naturfreund. Gerade im Forst und der Landwirtschaft sei dies aufgrund von Wildverbiss oft der Fall. Zum Teil konnte Peter Eggenberger bei Beschwerden mit geringfügigen Massnahmen Konflikte zwischen Landwirtschaft, Forst und Wild entschärfen.
Den Zugang zu Wildtieren fand Peter Eggenberger als Erstklässler. Vom Schulzimmer aus konnte er ein paar Hirsche im Schnee beobachten und war fasziniert vom grössten Säugetier der Schweiz. Dieses Erlebnis dürfte der Grundstein für die spätere Karriere als Wildhüter gewesen sein.
Auch Wildtiere suchen Ruhe
Die Jagd ist weit mehr als ein Schuss. Zur Jagd gehört das Beobachten der Tiere, das Verstehen ihres Verhaltens und das Erkennen von Entwicklungen und Veränderungen. «Das Rotwild reagiert sensibel auf Störungen», weiss Andrea Schönenberger. Sie stellt fest, dass der Freizeitdruck in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.
Bessere Erschliessungen der Gebiete, neue Mobilitätsformen mit E-Bike, Ski und Fluginstrumenten sowie besser werdende Ausrüstungen für Outdoor-Aktivitäten dürften Gründe sein. Immer mehr Menschen suchen Erholung in der Natur, oft abseits der Wege und inzwischen auch nachts, ausgerüstet mit Stirnlampe und Navigationsgerät. Andrea Schönenberger sagt:
Die Natur ist für alle da. Der respektvolle Umgang scheint mir wichtig.
Dazu gehört das Mitnehmen des Abfalls und die Einhaltung der Wildruhezonen. Denn auch Wildtiere brauchen Ruhe. Genau diese Ruhe ist es, die der Rothirsch heute vielerorts sucht.
Aufklärung schafft Verständnis
Neben dem Menschen beeinflusst auch die Rückkehr des Wolfs das Verhalten des Rothirschs. «Er lernt schnell, wo er sich zeigen kann und wo nicht», sagt Peter Eggenberger. Deshalb ist sein Anblick vielerorts seltener geworden.
Um die Bedürfnisse der Wildtiere zu vermitteln, leisten Jägerinnen und Jäger viel Aufklärungsarbeit. Einerseits direkt im Wald bei persönlichen Begegnungen, andererseits in der Öffentlichkeit. «Mein Umfeld erlebe ich als äusserst interessiert. Zudem finden immer mehr junge Menschen zur Jagd und führen diese auch verantwortungsbewusst aus», sagt Andrea Schönenberger.
Es gibt aber auch andere Bevölkerungsschichten, die sich kaum mit der Thematik des natürlichen Lebensraums befassen. Peter Eggenberger staunt:
Manchmal ist es erschreckend, wie wenig Menschen über die Natur und das Vorkommen von Wildtieren bei uns wissen.
Angesprochen auf ihr schönstes Erlebnis im Zusammenhang mit dem Rothirsch sind sich Andrea Schönenberger und Peter Eggenberger einig: «Das laute Röhren der männlichen Hirsche in der Brunftzeit ist sehr eindrücklich. Das live beobachten zu können, geht unter die Haut.»
Mit Vertretenden der Jagd ins Gespräch kommen
Wer einen Blick auf die Zusammenhänge werfen und mehr über die Entwicklung des Rothirschs und die Rothirschjagd erfahren will, findet am 7. März ab 9 Uhr an der Jubiläums-Hegeschau in der «Halle am See» in Walenstadt eine gute Gelegenheit.
Der öffentliche Anlass findet zum 50. Mal statt und dient einerseits dem Erfahrungsaustausch unter Jägerinnen und Jägern, als gesellschaftlicher Treffpunkt, aber auch als Chance für Interessierte, mit Vertretenden der Jagd in den Austausch zu kommen.
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