Leserbrief: «Zu PFAS und Windkraft», Ausgabe vom 28. Februar 2026
Als Bürger von Wartau verfolge ich die Entwicklungen im Rheintal – auch jenseits der Kantonsgrenze – mit besonderem Interesse. Die PFAS-Belastung im Nordosten unseres Kantons ist ein ernstes Problem. Wenn Böden auf Jahrzehnte hinaus verunreinigt sind, beunruhigt das. Mich auch. Der Leserbrief von Barbara Siegrist macht betroffen – allerdings aus anderen Gründen. Es ist problematisch, berechtigte Sorgen um unsere Böden mit nicht gesicherten Zahlen zu vermischen und daraus weitreichende Schlussfolgerungen zur Windkraft abzuleiten.
Frau Siegrist schreibt von 100 Kilo Abrieb pro Windrad und Jahr. Studien, etwa vom Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES, kommen jedoch auf um ein Vielfaches geringere Werte im Bereich weniger Kilogramm pro Jahr. Beim Abrieb handelt es sich um Partikel aus glasfaserverstärktem Kunststoff, nicht um PFAS. Eine grossflächige, gesundheitsschädliche Verseuchung von Landwirtschaft oder Gewässern ist nach meinem Kenntnisstand nicht belegt.
Auch das zitierte Gutachten von Rechtsanwalt Thomas Mock bedarf einer Einordnung. Mock ist Jurist und tritt seit Jahren öffentlich als Kritiker der Windenergie auf. Seine Thesen werden in der materialwissenschaftlichen Fachliteratur nicht als gesicherter Stand der Forschung geführt. In Fachkreisen wird darauf hingewiesen, dass die von ihm beschriebenen Szenarien zum Materialabrieb bislang nicht durch breit rezipierte empirische Studien bestätigt sind. Der Vergleich mit der PFAS-Problematik im Nordosten hinkt. Dort wurden Böden über Jahrzehnte durch Industrieabfälle und Klärschlamm belastet – nicht durch Windräder. Solche Altlasten als Argument gegen eine Technologie heranzuziehen, die uns unabhängiger von fossiler Energie machen soll, überzeugt nicht.
Gesundheit hat Priorität. Aber Angst ersetzt keine Fakten. Jede Energieform hat Auswirkungen. Fossile Energieträger verursachen nachweislich erhebliche Umwelt- und Gesundheitsfolgen, während Windenergie zu den emissionsärmsten Stromerzeugungsarten zählt. Umso wichtiger ist es, mit überprüfbaren Zahlen zu arbeiten und reale Risiken von Vermutungen zu trennen. Für meine Einschätzung habe ich neben klassischer Recherche auch KI-gestützte Übersichten zu wissenschaftlichen Studien über Windkraft und Rotorblattabrieb genutzt.
Hanspeter Schlegel, Bad 32B, 9104 Waldstatt
PFAS und Windkraft: bitte differenzieren