Das Prinzip ist simpel: Man schneidet von einem Trieb ein höchstens daumenlanges Stück ab und kürzt die Spitze bis auf ein paar Millimeter oberhalb eines gut ausgebildeten Blatts ein. Dann entfernt man alle unteren Blätter und lässt nur zwei, drei Blätter stehen. Diesen Trieb steckt man in lockere Anzucht- oder Kräutererde, die ab jetzt nie mehr austrocknen darf. Das geht am besten, wenn man sie mit Plastikfolie, einer Anzuchthaube oder einem Folientunnel abdeckt und die Stecklinge im Schatten aufstellt.
Mit Weidenwasser lässt sich der Anzuchterfolg noch vergrössern. Dazu braucht man nur ein paar frisch geschnittene Weidenruten, die man mit dem Messer schält. Die Rinde und die kurz geschnittenen Ruten legt man dann circa 24 Stunden in Wasser und siebt danach ab. Mit diesem Weidenwasser tränkt man die Pflanzerde der Stecklinge und giesst die Stecklinge in den ersten ein bis zwei Wochen damit.
Wachstumshormone machen die Weiden stark
Dass Weiden extrem gut wurzeln, wissen alle, die schon mal einen Weidenstock als Pflanzenstütze in den Boden gesteckt haben. Am Ende muss man froh sein, wenn man ihn wieder aus der Erde bringt. Das liegt an den Wachstumshormonen, darunter zum Beispiel Auxine, die sich vor allem in den Triebspitzen und unter der Rinde befinden. Auxine werden im Obst- und Gartenbau eingesetzt, um beispielsweise den Fruchtansatz zu verbessern.
Das zweite Pflanzenhormon, das der Weide entlockt werden kann, ist die Indolessigsäure. Dieser Stoff ist in den meisten käuflichen Bewurzelungsmitteln enthalten. Neben Weidenwasser und regelmässigem Giessen braucht es aber immer noch eines: Zeit. Es dauert nämlich auch mit Weidenwasser lange, bis die Stecklinge anwachsen.
Doch der Anzuchterfolg ist grösser, sodass sich das Warten lohnt.
Eveline Dudda, Hinterforst, www.spriessbuerger.ch
Stecklingen auf die Sprünge helfen