Am Mühlbachweg 14, im Haus für das kleine Kind, in dem sich Grosses abspielt, wird gefeiert. Bereits zwanzig Jahre sind seit der Vereinsgründung vergangen. Der Verein Storchennest ist den Kinderschuhen damit schon lange entschlüpft und steht nun an der Schwelle zum frühen Erwachsenenalter.
Ins Leben gerufen wurde der Verein, damals noch Spiel-Lebensraum, von Maria Luisa Nüesch. Sie brachte die Pikler-Pädagogik nach Grabs und begleitete schon im Jahr 2004 junge Mütter. Zwei von ihnen, Margrit Meier und Jeannette Berger, sind geblieben und haben den Verein weiter mitgestaltet und geprägt.
Vor 20 Jahren habe es wenige Spielgruppen, das Muki-Turnen, das Babyschwimmen und eine Krabbelgruppe gegeben, blicken die aktuelle Präsidentin, Marianne Schmid, und Jeannette Berger, Präsidentin in den Jahren 2014 bis 2023, in einer Mitteilung des Vereins auf die Frühbildungslandschaft von damals zurück. Eine Begleitung für Eltern mit Babys und Kleinkindern habe es nur in der Form der Mütter- und Väterberatung gegeben. Mit der Wiegenstube wollte die Gründerin etwas für Familien mit Kindern ab acht Monaten anbieten, also möglichst früh.
Eine neue Sicht aufs gleichwürdige Kind
Diese Sicht auf das Kind und das Familienleben sei damals neu gewesen, erzählt Jeannette Berger. «Das war schon anders, als noch meine Generation erzogen wurde», stellt sie fest, «die neuen Wege, die neue Sicht auf das gleichwürdige Kind haben mir gefallen und mich interessiert.» Selbst sie als Sozialpädagogin und ihr Mann als psychologischer Psychotherapeut hätten trotz ihrer Ausbildung wenig über die selbstständige Bewegungsentwicklung gewusst. Dies sei ihnen bei ihrem ersten Kind bewusst geworden. «Ich dachte: Wenn schon wir das nicht wissen, gibt es doch noch ganz viele Eltern, die hier Unterstützung gebrauchen könnten», erzählt sie. Dies sei ihr Antrieb gewesen, im Verein einzusteigen.
Das Wissen, wie wichtig es ist, dass jedes Kind seine eigene Entwicklung im eigenen Tempo durchmachen kann … Dem Kind muss im Normalfall nicht gezeigt werden, wie es sitzen kann. Wenn wir es üben lassen, macht es das selbst.
Die Arbeit im Storchennest habe sich in all den Jahren kaum verändert. Die selbstständige Bewegungsentwicklung, die Pflege und das freie Spiel seien genauso aktuell wie damals. Hinzu gekommen seien neue Themen, wie Medienkonsum und andere Familienmodelle.
Anfangs sei die Arbeit im Storchennest noch wenig angesehen gewesen. «Oft haben wir gehört: Braucht es das überhaupt? Mit Kindern einfach spielen und noch dabei zusehen», erzählt Jeannette Berger. Dies habe sich glücklicherweise geändert. Die Wichtigkeit werde immer mehr gesehen, der Wert davon erkannt.
Jede Familie ist einzigartig
Als Philosophie des Storchennests bezeichnen die frühere und die heutige Präsidentin, dass jede Familie als einzigartig angesehen werde. Es gehe nicht um den Weg der anderen, sondern darum, den genau für die jeweilige Familie passenden Weg zu finden. Das Storchennest sei dabei offen für alle. Ein schöner Ort, um zur Ruhe zu kommen, wo man Zeit mit dem Kind verbringe und Freude an der gemeinsamen Zeit habe, wo man Bekanntschaften knüpfe und Freunde finde, wo man Sicherheit bekomme im Dschungel der Angebote.
Jeder Tag bringt herzerwärmende Momente
Jeannette Berger erlebt dadurch täglich kleine und grössere Highlights: «Es ist erfrischend und lebendig im Storchennest», sagt sie, «viele herzerwärmende und lustige Momente passieren beim Zusammensein mit den Kindern.» Ein Höhepunkt im bisherigen Vereinsleben sei zudem der Bezug der heutigen Räume mit dem wunderschönen Garten im Jahr 2020 gewesen.
Insgesamt gehen heute plusminus 150 Kinder in der Woche im Storchennest ein und aus. Von den Eltern werde das Angebot sehr geschätzt. Manche Familien durchliefen mit jedem ihrer Kinder alle Stationen, was danach den Abschied manchmal schwer mache.
Heute ist das Storchennest ein fester Bestandteil in der Angebotslandschaft für die frühe Kindheit. Mit der Baby- und Wiegenstube, den Spielgruppen, der Sandbank und der Kita verfügt es über ein breites, sehr gefragtes Angebot. Jeannette Berger hält fest:
Dass Kinder sich im freien Spiel konzentriert auf etwas einlassen können, ist erwiesenermassen wichtig.
Seit rund vier Jahren gibt es ausserdem die Spielgruppe Plus, die Platz bietet für ein Kind mit Beeinträchtigung. «Dass auch dies möglich ist, ist sehr wertvoll und ein weiterer Schritt im Leben des Vereins», sagt Marianne Schmid.
«Das ist das Paradies – so stelle ich mir das Paradies vor», meinte ein Kind. An einem Tag der offenen Tür aus Anlass des 20-jährigen Bestehens sind diesen Sonntag, 31. Mai, alle eingeladen, sich zwischen 11 und 15 Uhr selbst ein Bild vom Storchennest zu machen. Für die Kinder ist die Bewegungsbaustelle geöffnet, die Räume und der Garten können besichtigt werden, für Hungrige steht der Pizzawagen bereit, Kaffee und Kuchen gibt es auch.
Hinweis: Mehr zum «Haus fürs kleine Kind» auf www.storchennest.ch
Storchennest: Ein Paradies der frühen Förderung