Raiffeisen baut bis zu 180 Stellen ab. Das teilte die Bankengruppe am Mittwochmorgen mit. Mehr als die Hälfte könne über die Streichung von nicht besetzten Stellen, Abgängen und die Reduktion externer Arbeitskräfte sowie Frühpensionierungen abgebaut werden, beteuert Raiffeisen-Chef Gabriel Brenna. Das heisst aber auch: Es wird zu Kündigungen kommen.
Insgesamt werden damit an die 8 Prozent von den rund 2300 Vollzeitstellen in der Bankzentrale gestrichen, betroffen sind die beiden grössten Standorte von Raiffeisen Schweiz, das heisst St. Gallen und Zürich.
Mit dem Stellenabbau sollen die Personal- und Sachkosten in der Zentrale im kommenden Jahr um rund 60 Millionen Franken sinken. Brenna verspricht an einer Telefonkonferenz mit Medienschaffenden, dass es sich hier um eine «einmalige Sache» handelt, es sei kein weiterer Abbau «vorgesehen».
Sieben Männer, keine Frau
Gabriel Brenna, der den Chefposten bei Raiffeisen im Dezember 2025 übernommen hat, baut aber nicht nur Personal ab, sondern auch das Topmanagement um. So müssen zwei langjährige Geschäftsleitungsmitglieder gehen – unter ihnen auch Helen Fricker, die einzige Frau im obersten operativen Führungsgremium. «Diversität bleibt ein zentraler Wert», sagt Brenna, aber letztlich gehe Kompetenz vor. Und diese hat er offensichtlich nur bei Männern gefunden, etwa beim früheren Credit-Suisse-Banker-Banker Patrick Lehner, der per Anfang Oktober zur Geschäftsleitung von Raiffeisen stösst.
Dieser übernimmt den neuen Privatkunden-Bereich. Philipp Ackermann, der seit 2015 für Raiffeisen arbeitet, kümmert sich um das ebenfalls neu geschaffene Firmenkundengeschäft. Mit diesen zwei neuen Departementen werde die Kundenorientierung verstärkt, sagt Brenna.
19 Prozent mehr Gewinn
Der Ab- und Umbau erfolgt in einer für Raiffeisen wirtschaftlich starken Phase. Die Bankengruppe erzielte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 659,3 Millionen Franken. Das sind 104,7 Millionen Franken oder knapp 19 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.
Die Kundenausleihungen stiegen um insgesamt 4,7 Milliarden Franken auf 249 Milliarden Franken. Haupttreiber des Wachstums sind nach wie vor Hypothekarkredite, die mit gut 235 Milliarden Franken den Löwenanteil bei den Kundenausleihungen ausmachen.
Ebenfalls aufwärts geht es – wenn auch auf viel tieferem Niveau – mit dem Anlage- und Vorsorgegeschäft. Das Depotvolumen ist gemäss Raiffeisen um knapp 10 Prozent auf 66 Milliarden Franken gestiegen. Netto verzeichnet die Bankengruppe beim Neugeldzufluss ein Plus von 3,3 Milliarden Franken. Kundinnen und Kunden haben im ersten Halbjahr rund 45'000 neue Wertschriftendepots eröffnet. Das entspricht Brennas Plan. Denn er will im Anlage- und Vorsorgegeschäft wachsen, wie er im Interview mit «Schweiz heute» jüngst festhielt. «Wir haben vor einigen Jahren begonnen, gezielt ins Anlagegeschäft zu investieren. Jetzt müssen wir nochmals einen Gang höher schalten.»
Seiner Ansicht nach ist die Raiffeisen-Gruppe für den Ausbau hier gut aufgestellt: «Wir haben schon heute viele vermögende Kundinnen und Kunden, und sie vertrauen uns», sagte er im Interview. «Aber ihr Depot liegt häufig bei einer anderen Bank. Das wollen wir ändern.»
Trotz mehr Gewinn: Raiffeisen baut 180 Stellen ab