Mit Interesse habe ich die Informationen zur Neugestaltung des Grabser Zentrums gelesen. Dabei stellt sich mir eine einfache Frage: Braucht Grabs wirklich noch mehr Wohnungen?
In den vergangenen zehn bis 15 Jahren wurde in Grabs enorm viel gebaut. Neue Wohnhäuser und Überbauungen entstanden fast überall. Gleichzeitig sind aber kaum neue Grünflächen, Bäume oder Wasserflächen geschaffen worden. Stattdessen werden immer mehr Böden versiegelt.
Gerade die aktuelle, anhaltende Hitzewelle zeigt eindrücklich, wie wichtig Grünflächen und Bäume für unsere Lebensqualität sind. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung und tragen dazu bei, dass sich Dörfer im Sommer weniger stark aufheizen. Wo hingegen Beton und Asphalt dominieren, entstehen sogenannte Wärmeinseln, die die Hitze zusätzlich verstärken. Gleichzeitig kann Regenwasser auf versiegelten Flächen schlechter versickern, wodurch das Risiko von Überschwemmungen bei Starkregen steigt. Die Klimaentwicklung macht deutlich, dass wir künftig mehr – und nicht weniger – Grünflächen benötigen.
Grabs war immer ein attraktives Dorf mit Wiesen, Bäumen und Freiräumen. Doch dieser Charakter geht zunehmend verloren. Immer höhere Gebäude und dichteres Bauen verändern das Ortsbild nachhaltig. Ein Dorf sollte sich weiterentwickeln – aber nicht auf Kosten seiner Identität und Lebensqualität.
Auch der Verkehr nimmt zu. Besonders im Bereich des Spitals und in Stauden sind grosse versiegelte Flächen und Parkplätze entstanden. Muss diese Entwicklung wirklich so weitergehen? Zudem stellt sich die Frage nach der Zukunft des Spitals. Schon heute ist immer wieder zu hören, dass die Kapazitäten knapp werden. Was passiert in zehn oder zwanzig Jahren? Wird erneut Landwirtschaftsland überbaut oder braucht es einen neuen Standort? Auch die freiwerdenden Gewerbeflächen verdienen eine sorgfältige Planung. Müssen dort zwingend weitere Wohnblöcke entstehen? Bereits heute stehen Eigentums- und Mietwohnungen auf dem Markt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob sich viele Menschen diese überhaupt noch leisten können. Entwicklung ist notwendig.
Aber Wachstum allein darf nicht das Ziel sein. Grabs braucht eine vorausschauende Planung, die Natur, Klima und Lebensqualität gleichermassen berücksichtigt. Die aktuelle Hitzewelle sollte uns eine Mahnung sein, nicht noch mehr Grünflächen zu verlieren, sondern sie bewusst zu erhalten und auszubauen. Was heute verschwindet – Wiesen, Bäume und der dörfliche Charakter – lässt sich später kaum mehr zurückholen.
Man weiss oft erst zu schätzen, was man hatte, wenn es verloren ist. Hoffentlich erkennen wir den Wert unseres Dorfes, bevor es zu spät ist.
Denise Vetsch, Stauden, 9472 Grabs
Wächst Grabs in die richtige Richtung?