Wald braucht Politik mit Weitblick | W&O

Degersheim/Buchs vor 2 Stunden

Wald braucht Politik mit Weitblick

Der Wald erfüllt für Gesellschaft, Wirtschaft und Natur zentrale Aufgaben. Die neuen Waldziele des Kantons St.Gallen machen deutlich, wie wichtig eine langfristige Waldpolitik ist – was die Schutzwälder im Werdenberg belegen, wie Kantonsoberförsterin Caroline Heiri hervorhebt.

Von pd
aktualisiert vor 2 Stunden

Wer durch den Wald geht, erlebt Natur, Ruhe und Landschaft. Dass der Wald im Kanton St.Gallen zugleich Schutzraum, Rohstoffquelle, Lebensraum, Erholungsgebiet sowie Ausbildungs- und Arbeitsort ist, gerät dabei leicht in den Hintergrund. Genau diese Vielseitigkeit rückte Regierungspräsident Beat Tinner zusammen mit Kantonsoberförsterin Caroline Heiri und Regionalförster Christof Ganter anlässlich einer Waldbegehung letzten Samstag in Degersheim zum Tag des Waldes ins Zentrum.

Im Fokus standen an diesem Tag laut einer Medienmitteilung die neuen Waldziele des Kantons und das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der schweizerischen Waldgesetzgebung. Beide Themen greifen ineinander: Die neuen Ziele knüpfen an eine lange Tradition an und setzen den strategischen Rahmen für die zukünftige Waldpolitik im Kanton.

Beat Tinner schlug dabei die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart: «Der Wald, den wir heute sehen, ist kein Zufallsprodukt. Er ist das Ergebnis von Verantwortung über Generationen hinweg.» Das Jubiläum sei deshalb weit mehr als ein historischer Rückblick. Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes führte weiter aus: «Das Forstpolizeigesetz zeigt, dass vorausschauende Politik konkrete Wirkung entfaltet, im Landschaftsbild ebenso wie für die Sicherheit, die Erholung und die Nutzung des Waldes.»

Lehren aus Waldübernutzung gezogen

Mit dem eidgenössischen Forstpolizeigesetz von 1876 zog die Schweiz die Lehren aus Waldübernutzung und Naturereignissen mit teils gravierenden Folgen. Festgeschrieben wurde vor 150 Jahren, dass die Waldfläche erhalten bleiben muss, Rodungen nur mit gleichwertigem Ersatz möglich sind und nicht mehr Holz genutzt werden darf, als nachwächst.

Diese Grundsätze prägen die Waldpolitik bis heute. Durch den Klimawandel, extreme Wetterereignisse und wachsende Nutzungsansprüche steht der Wald weiter unter Druck. Umso wichtiger sei eine Politik, die Schutz, Nutzung, Biodiversität und Erholung nicht gegeneinander ausspiele, sondern zusammen denke, heisst es in der Medienmitteilung. Beat Tinner formulierte es so: Wer den Wald nur aus der Perspektive des Heute betrachte, greifet zu kurz. 

Gute Waldpolitik denkt in Jahrzehnten und schafft die Voraussetzungen dafür, dass der Wald seine Leistungen auch morgen erfüllen kann.

Multifunktionalität des Waldes muss bleiben

Mit den neuen Waldzielen bekenne sich die St. Galler Regierung zur Multifunktionalität des Waldes. Sie verfolge die Vision, die vielfältigen Leistungen des Waldes für heutige und künftige Generationen mit einer nachhaltigen Waldpolitik zu sichern.

Zu den strategischen Leitplanken gehören der Erhalt der Waldfläche, widerstands- und anpassungsfähige Wälder, langfristig funktionierende Schutzwälder, nachhaltige Holznutzung mit regionaler Wertschöpfung, die Förderung der Biodiversität, attraktive Erholungsräume, eine leistungsfähige Forstbranche, zielgerichtete Information der Bevölkerung, angepasste Wildbestände und genügend gut ausgebildete Fachkräfte. Damit ersetzen die neuen Waldziele die bisherige Ausrichtung aus dem Jahr 2006. Sie bilden die Grundlage für den künftigen Waldentwicklungsplan sowie für die Arbeit der rund 16’000 privaten und öffentlichen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, der Waldregionen und des Kantonsforstamts. 

Weswegen der Wald im Werdenberg unverzichtbar ist

In den Regionen Werdenberg und Rheintal kommt dem Schutzwald eine besonders hohe Bedeutung zu. Da mit dem Rhein der grösste Wildbach Europas durch das Tal fliesst, wurden die Siedlungen dicht am Hangfuss gebaut. Dadurch sind sie entsprechend exponiert.

10’000 Bäume für den Schutz von Buchs

Um den Schutz vor Rutschungen, Steinschlag und Lawinen sicherzustellen, hat die Versicherung Helvetia im Jahr 2021 beispielsweise am Buchserberg ein Schutzwaldprojekt umgesetzt. 

«Es wurden 10’000 Bäume gepflanzt, um die Schutzwirkung der Wälder langfristig und unter Berücksichtigung des Klimawandels sicherstellen zu können», erklärte Kantonsoberförsterin Caroline Heiri am Rande der Begehung in Degersheim.

Regierungspräsident Beat Tinner ergänzte: «Gerade in Alpentälern wie dem Alpenrheintal wird sichtbar, weshalb eine langfristige Waldpolitik für die Bevölkerung wichtig ist. Die Waldflächen sind zentrale Elemente für die wirtschaftliche Prosperität und Sicherheit der Bevölkerung.»

Mit den neu erarbeiteten Waldzielen wolle die St. Galler Regierung diese Verantwortung unter heutigen Bedingungen weiterführen. «So, wie es unsere Vorfahren gemacht haben», sagte Beat Tinner und hielt fest: «Ein starker Wald entsteht nicht von selbst. Er ist das Resultat klarer Ziele, fachlicher Arbeit, engagierter Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer und eines langen politischen Atems.»