Wir brauchen eine neue Mehrzweckhalle – aber keinen Palast | W&O

Salez vor 56 Minuten

Wir brauchen eine neue Mehrzweckhalle – aber keinen Palast

Aus Sicht von Jürg Stricker müsste die Doppelmehrzweckhalle in Salez mit deutlich weniger Geld realisierbar sein.

Von Jürg Stricker
aktualisiert vor 55 Minuten

Dass die alte Turnhalle beim Oberstufenzentrum Türggenau in Salez ersetzt werden muss, bestreitet niemand. Das Dach ist undicht, die Erdbebensicherheit mangelhaft, und die Anlage genügt den Richtlinien des Bundesamts für Sport (Baspo) schon lange nicht mehr. So weit, so klar. Doch wer die Abstimmungsunterlagen zum Neubau der Doppelmehrzweckhalle studiert hat, fragt sich unweigerlich: Haben wir es hier mit einer Turnhalle oder mit dem Festspielhaus Bregenz zu tun? 

Zum Vergleich: Die Gemeinde Steinach hat kürzlich eine Doppelsporthalle realisiert – für 14,5 Millionen Franken. Die Hallenfläche beträgt 1034 m2. Sennwald plant für 25,2 Millionen (wohlgemerkt ohne Aussenanlagen) – für gerade mal 910 m2 Hallenfläche. Die Sporthalle in Steinach ist also 13,6 % grösser, kostet aber satte 10,7 Millionen Franken weniger. Chapeau! 

Natürlich hat die Gemeinde Sennwald eine Erklärung parat: In Steinach sei der Baugrund unproblematisch gewesen. Das ist kreativ formuliert. Öffentlich zugängliche Unterlagen zum Steinacher Projekt zeigen nämlich, dass dort eine bestehende Zivilschutzanlage integriert, Teile davon rückgebaut und neue Fluchtröhren vorgesehen werden mussten – und dass wegen des hohen Seewasserspiegels eine aufwendige Grundwasserabsenkung sowie Zugpfähle gegen das Aufschwimmen des Gebäudes nötig waren. Kein Spaziergang also. 

Dann bleibt noch das Argument der «Mehrzwecknutzung»: Bühne, Cateringküche, Veranstaltungstechnik, eigenständige Haustechnik. Schön und gut. Aber erklären diese Extras wirklich einen Aufpreis von über 10 Millionen Franken? Das wären mehr als 40 Prozent Mehrkosten für die Mehrzwecknutzung.

Jede Privatperson und jedes Unternehmen würde an diesem Punkt innehalten und das Projekt überdenken. Wir können nicht einfach 20 % mehr Lohn fordern oder unsere Produkte 20 % teurer verkaufen. Die Gemeinde hingegen kann die Steuern erhöhen – und die Einwohner haben das schlicht zu akzeptieren. Das vorliegende Projekt muss zurück an den Zeichentisch. Ein Nein ist kein Nein zur Halle – es ist ein klares Nein zu einem überteuerten Projekt, das mindestens 8 Millionen Franken günstiger realisierbar sein muss.

Jürg Stricker, Bifig 23, 9466 Sennwald