«Streit um Bildschirmzeit», Ausgabe vom 29. August
«Breites Wissen über ADHS fehlt», lese ich in einem Artikel von Anna Wanner im «W&O» vom 29. August. Diese Aussage ist überaus zutreffend, weil es zu diesem Thema sehr kontroverse Ansichten gibt und auch die Theorien, wie Eltern und Lehrpersonen mit sogenannten «ADHS-Kindern» umgehen sollen, teilweise weit auseinanderklaffen.
Nun gibt es neueste Erkenntnisse, welche auf die ganze bisherige Diskussion rund um ADHS ein völlig neues Licht werfen. Unlängst hat nämlich der deutsche Neurobiologe und Gehirnforscher Gerald Hüther, einer der renommiertesten Experten auf diesem Gebiet, in einer Dokumentationssendung des ZDF die These aufgestellt, dass es ADHS gar nicht gibt, sondern dies nur ein wissenschaftlich nicht erhärteter Erklärungsversuch für auffälliges Verhalten gewisser Kinder ist, welches sich unter anderem durch Konzentrationsschwierigkeiten, leichte Ablenkbarkeit und überbordende Bewegungsfreude manifestiert.
Wörtlich sagte Gerald Hüther: «Bei ADHS handelt es sich nicht um eine Verhaltensstörung, sondern um eine ganz normale Reaktion des Gehirns auf schwierige Lebensumstände.» Zu diesen schwierigen Lebensumständen gehören laut Hüther der Mangel an zwischenmenschlicher Bezogenheit, fehlende Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit, eine reizüberflutete Lebensumgebung sowie der Leistungs- und Anpassungsdruck in der Schule.
Medikamente wie Ritalin, so Hüther, dienen daher nicht einer Lösung des Problems, sondern können sogar negative Auswirkungen auf das Kind haben, weil dadurch natürliche Lern- und Antriebskräfte wie Neugierde und Bewegungsfreude unterdrückt werden. Stattdessen schlägt Hüther eine Änderung der familiären und schulischen Rahmenbedingungen vor sowie Ansätze, die auf Potenzialentfaltung statt auf Defizitorientierung setzen.
Die These von Gerald Hüther wird auch durch die Tatsache bestätigt, dass «ADHS» beinahe ausschliesslich im Zusammenhang mit jenen Zeiten steht, welche ein Kind in der Schule verbringt. Die meisten Kinder, denen Ritalin abgegeben wird, benötigen dies nur während der Schulzeit. In den Ferienzeiten, wenn sich die Kinder frei bewegen dürfen, brauchen sie es nicht.
Ebenfalls für die These von Hüther spricht, dass es zwischen den einzelnen Kantonen extreme Unterschiede gibt. So etwa wird im Kanton Baselstadt «ADHS» sechs Mal häufiger diagnostiziert als im Kanton Tessin – der Grund liegt höchstwahrscheinlich ganz einfach darin, dass die Kinder in den Tessiner Schulen viel mehr Freiheiten geniessen und auch der Prüfungs- und Leistungsdruck dort weniger stark ist.
Ich bin gespannt, wie lange es gehen wird, bis sich die Erkenntnis, dass es «ADHS» in Wirklichkeit gar nicht gibt, in der Öffentlichkeit durchsetzen wird. Der Widerstand seitens all jener «Spezialisten», «Therapeuten», Beratungsstellen sowie der Pharmaindustrie, die alle ihr gutes Geld mit etwas verdienen, was es eigentlich gar nicht gibt, wird zweifellos nicht zu unterschätzen sein!
Peter Sutter, Wiedenstrasse 32, 9470 Buchs
ADHS: Neue Erkenntnisse