Auf Einladung des Ornithologischen Vereins Wartau und von BirdLife Sarganserland erkundeten zahlreiche Interessierte kürzlich das vielfältige Kulturland der Gemeinde Wartau. Unter fachkundiger Leitung von Heinz Müller erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Landschaft und ihre Bedeutung für die Landwirtschaft.
Die Exkursion wurde im Landschaftsraum um die Heuwiese, also zwischen Rhein und Autobahn, durchgeführt, der sich durch eine sehr vielfältige Landschaft auszeichnet.
Unterschiedliche Bewirtschaftungsweisen führen zu Landschaftsveränderungen, sodass man heute verschiedene Landschaftszonen unterscheiden kann: Zonen mit reinem Acker- und Gemüseanbau, eine Savannenstruktur mit Bäumen, eine extrem offene Landschaft mit Magerwiesen sowie Sumpfgebieten im Bereich des mäandrierenden Mülbachs mit grösseren Schilfbereichen. Je nach Landwirtschaftszone sind unterschiedliche Vögel in den genannten Zonen vertreten.
Wendehalse finden viel Nahrung bei Nussbäumen
Wie an der Exkursion zu erfahren war, gibt es in Wartau etwa 13 Hektaren Landwirtschaftsfläche, die mit Nussbäumen bepflanzt sind und an eine Blumenwiese angrenzen. Die ältesten Bäume sind zirka zwölf Jahre alt. Diese Nussgärten bilden eine Savannenstruktur aus hohen Bäumen und darunter Wiesenland, das sehr interessant für Fledermäuse ist. Diese jagen dort abends nach Insekten, wo sie gut zwischen den Bäumen hin- und herfliegen können.
Weiterhin wurden in diesem Bereich der Wiedehopf und der Wendehals nachgewiesen. Ausserdem siedeln sich Ameisen gerne in der Nähe von Nussbäumen an und stellen die Hauptnahrung des Wendehalses dar, der somit in dieser Gegend eine optimale Ernährungsmöglichkeit findet.
Der Landwirtschaftsraum, auf dem die Exkursion durchgeführt wurde, hat aber noch viel mehr zu bieten: So hat eine Extensivierung der Grünlandflächen bei abnehmenden Nutztierzahlen zur Anlage von Buntbrachen geführt, in denen Wilder Oregano, Färberkamille, Rainfarn und die Weisse Nacht-Lichtnelke wachsen. Über die Nacht-Lichtnelke freuen sich besonders Vögel. Sie öffnet ihre Blüte nachts und wird von Nachtfaltern bestäubt, die Futter für die Fledermäuse sind. Insekten lieben diese Wiesen und stellen somit wieder genügend Futter für die Vogelwelt dar.
Im Gebiet Armenguet konnte man an der Exkursion in einem Viehstall eine der grössten Kolonien in der Gemeinde Wartau beobachten. 30 Rauchschwalben-Paare nisten hier und fühlen sich hier sichtlich wohl. Da der Mülbach teilweise die Ufer überflutet, bilden sich reine Schilfbestände, die nun als Lebensraum für unterschiedliche Vögel, wie zum Beispiel Wasserralle und Teichrohrsänger dienen.
Nach rund fünf Stunden Fussmarsch und gut 10'000 Schritten mit vielen eindrücklichen Naturbeobachtungen fand die Exkursion gegen Mittag ihr Ende. Die Exkursion zeigte eindrücklich, wie eng Landwirtschaft und Biodiversität miteinander verknüpft sind und wie vielfältig das Wartauer Kulturland als Lebensraum für Pflanzen und Tiere ist.
Der Natur auf der Spur: Exkursion durch das Kulturland